Jupiter

Römischer Altar taucht bei Niedrigwasser aus der Donau auf

 Dennis Lenz

Römischer Altar taucht bei Niedrigwasser aus der Donau auf
(Symbolbild) Ein römischer Altar aus Kalkstein ist bei extremem Niedrigwasser aus dem Flussbett der Donau aufgetaucht. Der Fund stammt aus der antiken Siedlung Intercisa am einstigen Donaulimes in Ungarn. Kurz darauf bargen die Fachleute zwei zusätzliche beschriftete Kalksteintafeln. (Foto: © Forschung und Wissen)

Ein außergewöhnlich trockener Sommer hat den Pegel der Donau auf ein Rekordtief sinken lassen. Im normalerweise überfluteten Flussbett bei Dunaújváros in Ungarn kam dabei ein römischer Altar zum Vorschein. Der Kalksteinblock war dem obersten Gott Jupiter geweiht und stammt aus der antiken Siedlung Intercisa. Wenige Tage später bargen die Fachleute zwei weitere beschriftete Steintafeln aus demselben Bereich. Was die Inschriften über das Leben an der Reichsgrenze verraten könnten, ist nun Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Sinkende Flusspegel legen immer wieder verborgene Geschichte frei. Wenn große Ströme wie die Donau bei anhaltender Trockenheit stark zurückgehen, werden Bereiche des Flussbetts zugänglich, die sonst dauerhaft unter Wasser liegen. Genau unter solchen Bedingungen tauchte nahe der Insel Szalki bei Dunaújváros ein römischer Altar aus Kalkstein auf. Die Fachleute des zuständigen Intercisa-Museums waren ursprünglich auf der Suche nach den Überresten eines vermuteten mittelalterlichen Klosters. Stattdessen stießen sie auf das Fragment eines antiken Weihaltars. Dunaújváros liegt am Standort der römischen Siedlung Intercisa, die einst am Rand der Provinz Pannonien lag. Der Ort gehörte zum Donaulimes, jenem Netz aus Kastellen, Wachtürmen und Straßen, mit dem das Römische Reich seine nördliche Grenze sicherte. Solche Grenzräume sind besonders reich an militärischen und religiösen Zeugnissen der Antike.

Ein römischer Altar diente in der Antike der Erfüllung religiöser Gelübde. Häufig ließen Soldaten, Beamte oder Privatpersonen solche Weihesteine anfertigen, um einer Gottheit für Schutz oder Erhörung zu danken. Altäre für Jupiter, den obersten Gott des römischen Pantheons, waren dabei besonders verbreitet, vor allem im militärisch geprägten Umfeld der Grenzprovinzen. Inschriften auf solchen Steinen nennen mitunter Namen, militärische Einheiten oder Datierungen und erlauben so einen seltenen Blick auf einzelne Menschen, die vor rund zwei Jahrtausenden an der Reichsgrenze lebten und dienten. Kurz nach dem Altar bargen die Fachleute im selben Abschnitt zwei beschriftete Kalksteintafeln. Ob sich ihre Texte lesen und den Weihestein einordnen lassen, muss die weitere Auswertung zeigen. Bereits jetzt erweitert der Fund die bekannte Reihe römischer Denkmäler aus Intercisa deutlich.

Niedrigwasser gibt römischen Altar frei

Möglich wurde der Fund durch den extrem niedrigen Wasserstand nach einem sehr trockenen Sommer, wie ein ausführlicher Fachbericht die Umstände der Bergung schildert und den Ablauf der Untersuchung nachzeichnet. An der Suche nahe der Insel Szalki war auch ein Unterwasserarchäologe beteiligt, da Teile des Flussbetts erstmals seit Jahren erreichbar waren. Neben dem Weihestein kamen weitere Zeugnisse zum Vorschein. Die anhaltende Trockenheit gab an der Donau nicht nur antike Objekte frei, sondern auch jüngere und teils gefährliche Hinterlassenschaften, darunter Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Museum warnte die Bevölkerung ausdrücklich davor, das freigelegte Flussbett eigenständig nach Objekten abzusuchen. Zum einen könnten empfindliche Fundstellen zerstört werden, zum anderen bestehe die Gefahr, auf Sprengmittel zu stoßen.

Was der Fund über Intercisa verrät

Der Weihestein reiht sich in eine Reihe bemerkenswerter Funde aus Intercisa ein. Die Siedlung entstand rund um ein römisches Militärlager und lag an der Donaugrenze der Provinz Pannonien. Frühere Grabungen haben unter anderem eine bedeutende Bauphase des Kastells im Jahr 185 nach Christus dokumentiert sowie hölzerne Strukturen und einen Wachturm nahe dem nordwestlichen Tor. Jeder neue Fund hilft, das Alltagsleben in diesem Grenzort besser zu verstehen, von der religiösen Praxis bis zur Organisation der Truppen. Weihaltäre und beschriftete Tafeln sind dafür besonders wertvoll, weil sie oft konkrete Personen, Ämter oder Ereignisse benennen. Die Fachleute erhoffen sich von der weiteren Untersuchung der Steine daher zusätzliche Hinweise darauf, wer vor rund zwei Jahrtausenden an diesem Abschnitt des Donaulimes lebte. Der niedrige Pegel wirkt so als unerwartetes Fenster in die Antike.

Spannend & Interessant
VGWortpixel