Antikes Bauwerk

Ritualbad mit 25 Tonnen schwebt nach 2.000 Jahren am Kran

 Dennis Lenz

Ritualbad mit 25 Tonnen schwebt nach 2.000 Jahren am Kran
(Symbolbild) Das Ritualbad von Kiryat Gat ist rund 2.000 Jahre alt und wiegt etwa 25 Tonnen. Es wurde bei Rettungsgrabungen vor dem Bau eines Wohnviertels entdeckt. Die vollständige Bergung verlangte eine besondere Abstützung der alten Mauern und einen Schwertransport. Die Darstellung ist KI-generiert und kein Foto der tatsächlichen Bergung. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

Ein rund 2.000 Jahre altes jüdisches Ritualbad ist bei Bauarbeiten in der israelischen Stadt Kiryat Gat entdeckt und vollständig aus dem Boden gehoben worden. Die etwa vier Meter breite Anlage wiegt rund 25 Tonnen. Für ihre Bergung war ein Kran mit einer Tragfähigkeit von 300 Tonnen nötig. Der Fund belegt eine zuvor nicht bekannte jüdische Siedlung zwischen dem judäischen Hügelland und dem nördlichen Negev.

In einem neuen Wohngebiet von Kiryat Gat stand die israelische Altertümerbehörde vor einer ungewöhnlichen Aufgabe: Ein antikes Ritualbad sollte erhalten bleiben, obwohl an seinem Fundort gebaut wird. Die Archäologen entschieden sich, das gesamte Bauwerk als zusammenhängenden Körper herauszulösen und vorübergehend an einen anderen Ort zu transportieren. Die Anlage stammt aus der Zeit des Zweiten Tempels und hat ungefähr zwei Jahrtausende im Boden überdauert.

Die Bergung ist mehr als eine aufwendige technische Aktion. Das Ritualbad, auch Mikwe genannt, und mehrere steinerne Messgefäße gelten als wichtige Hinweise auf eine jüdische Gemeinschaft, die in dieser Gegend bislang archäologisch nicht bekannt war. Die Angaben der Israel Antiquities Authority zur Rettungsgrabung beschreiben sowohl die historische Bedeutung als auch die einzelnen Sicherungsschritte.

Ein vier Meter breites Ritualbad unter dem Baugebiet

Der Fundort liegt im Stadtviertel Carmei Gat, das durch neue Wohnbebauung erschlossen wird. Vor den Bauarbeiten untersuchten Archäologen den Untergrund. Dabei stießen sie auf das etwa vier Meter breite Ritualbad mit erhaltenen Wandflächen und altem Putz. Eine Mikwe dient im Judentum der rituellen Reinigung durch Eintauchen in Wasser. Solche Anlagen können deshalb ein besonders aussagekräftiger Hinweis auf jüdisches Gemeindeleben sein.

Entscheidend ist nicht allein das Alter des Bauwerks. Die Ausgräber Elena Kogan-Zahavi, Maayan Margulis und Shira Lifshitz ordnen die Funde einer bislang unbekannten jüdischen Siedlung zu. In anderen Teilen des judäischen Hügellandes sind zahlreiche römischzeitliche Siedlungen bekannt. Im Übergangsgebiet zum nördlichen Negev fehlte dagegen bislang ein vergleichbarer Nachweis. Das Ritualbad schließt somit eine geografische Lücke in der archäologischen Karte.

Warum für 25 Tonnen ein 300-Tonnen-Kran nötig war

Ein 25 Tonnen schwerer Steinbau lässt sich nicht wie ein gewöhnlicher Container anheben. Er ist nicht für Transportbelastungen konstruiert, und seine alten Wandflächen können bereits durch geringe Verformungen Schaden nehmen. Vier Restauratoren arbeiteten etwa zwei Wochen daran, das Ritualbad freizulegen. Sie gruben die Außenseiten frei, bohrten unter dem Baukörper und schoben Stahlträger darunter. Diese sollten das Gewicht beim Ablösen und Anheben möglichst gleichmäßig verteilen.

Anschließend sicherten die Fachleute die empfindlichen Putzschichten mit Gaze und geeigneten Bindemitteln. Schaumstoffpolster sollten zusätzliche Bewegungen und Erschütterungen abfangen. Die benötigte Kranleistung erklärt sich nicht nur aus der Last: Der Kran musste in einiger Entfernung stehen. Mit wachsender Ausladung sinkt die zulässige Traglast eines Krans deutlich. Deshalb kam ein Gerät mit einer nominellen Kapazität von 300 Tonnen zum Einsatz, obwohl das Ritualbad selbst nur einen Bruchteil davon wog.

Das antike Becken reist auf einem Schwertransport

Nach dem Herauslösen wurde die gesamte Konstruktion auf einen geeigneten Transportwagen gesetzt. Wegen ihrer Breite von ungefähr vier Metern benötigte die Fracht ein Fahrzeug für übergroße Lasten. Für die Fahrt nach Beit Guvrin sperrten die Verantwortlichen zeitweise die Straße und setzten Begleitfahrzeuge ein. Dort wird das Ritualbad in einer Einrichtung für archäologische Funde aufbewahrt, solange die Bauarbeiten in Carmei Gat andauern.

Die Entscheidung gegen eine Zerlegung bewahrt den baulichen Zusammenhang der Anlage. Werden alte Mauerstücke einzeln abgetragen, gehen leicht Informationen über ihre ursprüngliche Verbindung, die Verteilung des Putzes oder die Abfolge der Bauarbeiten verloren. Bei einem Transport im Ganzen bleibt mehr davon erhalten. Zugleich entsteht ein besonderes Risiko: Versagt die Abstützung, kann der gesamte Fund in einem einzigen Moment beschädigt werden.

Steingefäße verraten die Bewohner der Siedlung

Zusätzlich zum Ritualbad fanden die Ausgräber steinerne Messgefäße. Solche Gefäße sind für die jüdische Alltagskultur der Zeit des Zweiten Tempels bedeutsam, weil Stein nach den damaligen Reinheitsvorstellungen anders behandelt wurde als bestimmte andere Materialien. Zusammen mit dem Ritualbad ergibt sich ein deutlich stärkerer Hinweis auf die kulturelle Zuordnung der Siedlung, als es ein einzelnes Gefäß allein erlauben würde.

Die Archäologen vermuten, dass die Siedlung im Zusammenhang mit dem Bar-Kochba-Aufstand im zweiten Jahrhundert nach Christus aufgegeben wurde. Etwa fünf Jahrhunderte später wurde das Gebiet in byzantinischer Zeit erneut besiedelt, offenbar von einer anderen Bevölkerung. Diese Einordnung ist eine archäologische Interpretation der Siedlungsabfolge. Das Ritualbad allein verrät weder die genaue Zahl seiner Benutzer noch die Umstände, unter denen die ursprünglichen Bewohner den Ort verließen.

Der Fund soll in das neue Wohnviertel zurückkehren

Die Rettungsgrabungen wurden im Zuge der Stadtentwicklung finanziert. Nach Abschluss der Arbeiten soll das Ritualbad nach Carmei Gat zurückgebracht und in eine öffentlich zugängliche Fläche integriert werden. Damit würde ein antikes Bauwerk, das zunächst einem modernen Bauprojekt im Weg stand, zu einem sichtbaren Bestandteil des neuen Viertels.

Der Fall verdeutlicht, warum archäologische Untersuchungen vor größeren Bauarbeiten entscheidend sein können. Ein scheinbar gewöhnlicher Untergrund enthielt hier eine vollständige Anlage, deren Bauweise, Ausstattung und Lage Informationen über eine bisher nicht nachgewiesene Gemeinschaft liefern. Der aufwendige Transport sorgt dafür, dass das Ritualbad nicht nur dokumentiert, sondern als materielles Zeugnis erhalten bleibt.

Israel Antiquities Authority, Angaben zur Bergung eines Ritualbads aus der Zeit des Zweiten Tempels in Carmei Gat

Mit KI-Unterstützung erstellt

Keine Neuigkeit aus der Forschung verpassen

Wählen Sie Forschung und Wissen bei Google als bevorzugte Quelle oder folgen Sie uns per RSS-Feed.

 Bevorzugte Quelle bei Google  RSS-Feed
Spannend & Interessant
VGWortpixel