140.000 Jahre alte Relikte

Neue Art Urmensch in Israel entdeckt

Conny Zschage

Homo Sapiens, also den ersten modernen Menschen, gibt es seit ungefähr 300.000 bis 200.000 Jahren. Dass der Mensch vom Affen abstammt, gilt heutzutage als bewiesen. Doch natürlich wurde der Affe nicht plötzlich zum modernen Menschen, sondern es gab etliche evolutionäre Zwischenschritte und mehrere Urmenschen, auf denen sich der Homo Sapiens entwickelte. Nun wurde eine neue Art Urmensch entdeckt.

Ramla (Israel). In Levante, dem Gebiet östlich des Mittelmeers, lebten bereits vor vielen tausend Jahren Verwandte des Homo-Sapiens. In der Stadt Ramla in Israel wurden nun bei Ausgrabungen 140.000 bis 120.000 Jahre alte Fossilien entdeckt. Sie gehören laut einer Publikation im Fachmagazin Science höchstwahrscheinlich zu einem bisher nicht bekannten Vorgänger des Menschen.

Der wohl bekannteste Vorgänger des Homo Sapiens ist der Neandertaler, welcher vor etwa 400.000 Jahren lebte. Erste, auf zwei Beinen laufende menschliche Vorfahren, gab es bereits vor fünf- bis sieben Millionen Jahren. Die Forscher, welche die neuen Fossilien fanden, dachten zuerst, dass es sich um einen untypischen Neandertaler handelte. Doch durch morphologische Analysen konnte festgestellt werden, dass es sich um eine völlig neue Art von Menschen handelte.

Nesher-Ramla-Homo

Die Knochenüberreste, ein Unterkiefer und eine Schädeldecke, unterscheiden sich stark von denen des Homo Sapiens. Da die Schädeldecke weitaus flacher als beim modernen Menschen ist, ist davon auszugehen, dass die neue Menschenart dem Homo-Sapiens geistig stark unterlegen war. Da bisher noch keine DNA aus den Fossilen entnommen werden konnte, ist eine genaue Einordnung des neuen Urmenschen in die Menschheitsgeschichte noch nicht möglich. Auch deshalb wurde er erstmal nur nach seinem Zielort benannt: Nesher-Ramla-Homo. Bemerkenswert ist auch, dass er wahrscheinlich zu den Vorfahren des Homo-Sapiens gehörte, aber auch gleichzeitig mit ihm lebte. Wann genau der Nesher-Ramla-Homo ausstarb, ist nicht bekannt.

Afrika als Wiege der Menschheit

Die neue Entdeckung könnte dazu beitragen, die Menschheitsgeschichte und insbesondere die Ausbreitung des Menschen in nahezu jeden Winkel der Erde besser zu verstehen. Denn den Großteil ihrer Geschichte verbrachte die Menschheit exklusiv in Afrika. Erst vor rund 70.000 Jahren begannen die ersten Menschen von Afrika nach Europa und Asien. Von Asien aus konnten sie dann nach Nord- und Südamerika und über die Pazifikinseln eventuell nach Australien. In Neuseeland kamen Menschen beispielsweise erst vor etwa 1.500 Jahren an.

Rund 20 menschliche Vorfahren vermutet

Wie und woraus genau sich der Homo-Sapiens entwickelte, ist noch immer wenig bekannt. Forscher gehen davon aus, dass es etwa 15-20 menschliche Vorfahren gab, welche jeweils unterschiedlich starke Einflüsse auf die Entwicklung des Menschen hatten. Funde wie der des Nesher-Ramla-Homo können benutzt werden, um herauszufinden wie stark die DNA von diversen Urmenschen, denen des modernen Menschen ähnelt. Wenn irgendwann alle Vorfahren gefunden wurden, kann so ein vollständiges Bild der Entwicklung des Menschen entstehen. Dies kann auch benutzt werden, um herauszufinden, weshalb manche Lebewesen sich über Millionen von Jahren kaum entwickelten, manche sich stark veränderten und der Mensch vom Primaten zum Weltherrscher wurde.

Science, doi: 10.1126/science.abh3169

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