Rituelles Begräbnis

Moche-Grab enthält 32 Beigaben für ein höchstens 2 Jahre altes Kind

 Dennis Lenz

Moche-Grab enthält 32 Beigaben für ein höchstens 2 Jahre altes Kind
(Symbolbild, KI-generiert) Unter den 32 Keramikobjekten im Moche-Grab bei Huacas de Moche in Nordperu sind Gefäße in Form von Gefangenen mit einem Seil um den Hals. Dazu kamen zwei Gegenstände aus Kupfer: ein scheibenförmiges Objekt über dem Gesicht des Kindes und ein halbmondförmiger Gegenstand an den Füßen. Die Bestattung stammt aus dem 6. oder 7. Jahrhundert. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

Ein etwa 1.400 bis 1.500 Jahre altes Moche-Grab in Nordperu enthält die Überreste eines Kindes und 32 Keramikobjekte. Zwei Kupferbeigaben lagen am Kopf und an den Füßen, darunter eine scheibenförmige Platte, die das Gesicht bedeckte. Besonders rätselhaft sind Gefäße mit Darstellungen gefesselter Krieger, die in einer Kinderbestattung ungewöhnlich sind. Der Fund könnte zeigen, wie eng Rang, religiöse Vorstellungen und Bestattungsrituale in der Mochica-Kultur miteinander verbunden waren.

Die Bestattung wurde im archäologischen Komplex Huacas de Moche nahe dem Tempel Huaca de la Luna entdeckt. Das Grab liegt auf der Uhle-Plattform, einem Mausoleumsbereich mit einem Innenhof, den Archäologen Patio de las Serpientes nennen. Nach Angaben des Projektleiters Carlos Rengifo-Chunga war die Grabkammer groß genug, um auch einen Erwachsenen aufzunehmen, obwohl die darin gefundenen Knochen zu einem höchstens zwei Jahre alten Kind gehören dürften.

Bekannt gemacht wurde die Entdeckung von Forschern des archäologischen Projekts Huacas de Moche an der Universidad Nacional de Trujillo. In der Mitteilung der Universität zum Grab mit 32 Beigaben wird die außergewöhnliche Ausstattung als möglicher Hinweis auf einen hohen gesellschaftlichen Rang beschrieben. Das Geschlecht des Kindes ist bislang unbekannt.

32 Keramikobjekte lagen neben dem Kind

Zwischen den Knochen fanden die Archäologen 32 Gefäße und Figuren aus Keramik, die typische Motive der Moche-Kultur tragen. Mehrere Gefäße zeigen Menschen mit Seilen um den Hals; eine weitere Figur stellt ein Wesen mit menschlichem Körper und Vogelmerkmalen dar. Solche Gefäße waren mehr als Behälter: Die Moche gestalteten ihre Keramik häufig mit erzählerischen Szenen, in denen Macht, Rituale und religiöse Vorstellungen sichtbar wurden.

Die beiden Kupferobjekte stechen aus den Beigaben heraus. Eine flache, scheibenförmige Platte lag über dem Gesicht des Kindes, während ein halbmondförmiger Gegenstand am Fußende gefunden wurde. Die Kombination aus Metall, Keramik und einer für ein Kleinkind ungewöhnlich großen Grabkammer spricht dafür, dass die Bestattung sorgfältig vorbereitet wurde und die Familie oder Gemeinschaft erhebliche Ressourcen dafür einsetzte.

Archäologen kennen aus dem Mausoleumsbereich bereits mehr als 80 Bestattungen. Nach Angaben des Ausgrabungsleiters ist dies bislang das einzige bekannte Kindergrab an diesem Ort, das mit einer vergleichbar aufwendigen Ausstattung versehen wurde. Gerade dieser Vergleich macht den Fund aussagekräftig: Er erlaubt es, die Behandlung eines sehr jungen Menschen mit den Bestattungen anderer Personen am selben Ort zu vergleichen.

Im 6. oder 7. Jahrhundert begruben die Moche das Kind

Die Bestattung wird in das 6. oder 7. Jahrhundert datiert, eine späte Phase der Moche-Kultur. Diese Gesellschaft entwickelte sich an der Nordküste des heutigen Peru und hinterließ monumentale Tempel, Bewässerungssysteme, Metallarbeiten, Textilien und eine besonders ausdrucksstarke Keramikkunst. In einer trockenen Küstenlandschaft waren Wasserkanäle und landwirtschaftliche Flächen entscheidend für das Leben; zugleich zeugen die großen Tempelanlagen von einer Gesellschaft, die religiöse Zeremonien und politische Macht sichtbar miteinander verband.

Huacas de Moche umfasst die Tempelanlagen Huaca del Sol und Huaca de la Luna sowie Wohn- und Arbeitsbereiche. Die Uhle-Plattform gehört zum Bereich der Huaca de la Luna. Dort untersuchen Archäologen nicht nur einzelne Gräber, sondern auch die baulichen Schichten und die räumliche Beziehung zwischen Bestattungen, Höfen und Tempelarchitektur. Der Fundort hilft deshalb, die Beigaben im Zusammenhang mit dem religiösen Zentrum zu verstehen.

Moche-Gefäße zeigen gefesselte Krieger

Besonders ungewöhnlich sind die Keramikgefäße, auf denen besiegte Krieger mit einem Seil um den Hals erscheinen. In der Moche-Bildwelt sind solche Darstellungen mit dem sogenannten Kampfritual verbunden: Kämpfer treten gegeneinander an, der Unterlegene wird entwaffnet und gefangen genommen und konnte anschließend rituell geopfert werden. Die Bilder geben damit Einblick in Vorstellungen von Krieg, Gefangenschaft und religiöser Ordnung, die in der Kunst der Moche wiederholt auftauchen.

Bei einem Kind, das höchstens zwei Jahre alt war, entsteht daraus eine konkrete archäologische Frage. Die Gefäße dürften nicht einfach eine Tätigkeit aus dem eigenen Leben des Verstorbenen darstellen, wie es bei erwachsenen Personen denkbar wäre. Sie könnten vielmehr auf den Rang der Familie, die religiöse Bedeutung der Bestattung oder die symbolische Rolle der Gegenstände im Begräbnisritual verweisen. Welche dieser Deutungen zutrifft, lässt sich aus den Beigaben allein noch nicht entscheiden.

Eine Moche-Figur zeigt eine Vogelgestalt

Eine Keramikfigur zeigt einen Körper mit menschlichen und vogelartigen Merkmalen, darunter Flügel und einen Vogelschwanz. Die Gestalt hält einen rechteckigen Schild und einen Becher; neben ihr stehen zwei kleinere Vogelwesen in zeremonieller Kleidung. Der Projektleiter erklärte, dass Fachleute noch untersuchen müssen, ob die Figur eine bekannte Gottheit zeigt oder eine bislang nicht sicher zugeordnete Gestalt des Moche-Glaubens.

Diese Frage ist für die Forschung relevant, weil sich die religiöse Welt der Moche nicht einfach aus schriftlichen Quellen rekonstruieren lässt. Die Kultur hinterließ keine bekannte Schrift, doch ihre Gefäße zeigen zahlreiche Figuren und Handlungen in erstaunlich detailreicher Form. Jede neue Darstellung kann daher helfen, bekannte Motive miteinander zu vergleichen und zu prüfen, ob verschiedene Figuren eigenständige Gottheiten oder unterschiedliche Erscheinungsformen derselben religiösen Gestalt darstellen.

Das Santiago-Uceda-Castillo-Museum konserviert 32 Beigaben

Die Fundstücke befinden sich inzwischen im Santiago-Uceda-Castillo-Museum in Peru, wo sie konserviert werden sollen. Vor allem die Kupferobjekte benötigen eine fachgerechte Behandlung, weil Korrosion und empfindliche Oberflächen Informationen über Herstellung und Nutzung bewahren können. Auch die Keramikgefäße müssen stabilisiert und dokumentiert werden, bevor ihre Motive im Detail verglichen werden können.

Weitere Untersuchungen könnten klären, wie die Gegenstände angeordnet waren, ob sie ursprünglich gemeinsam hergestellt oder über längere Zeit gesammelt wurden und welche Rolle sie beim Begräbnis spielten. Die entscheidende Spur liegt dabei in der ungewöhnlichen Kombination: eine große Grabkammer, die Überreste eines sehr kleinen Kindes, zwei Kupferobjekte und 32 Keramikbeigaben, darunter Szenen mit gefangenen Kriegern. Genau diese Anordnung macht das Grab zu einem seltenen Einblick in die Bestattungspraktiken der Moche.

Am Ende führt die Spur zurück zum kleinen Skelett auf der Uhle-Plattform. Über dem Gesicht lag eine Kupferscheibe, am Fußende ein halbmondförmiger Gegenstand, und rundherum standen die bemalten Gefäße. Warum eine Gemeinschaft ein so junges Kind mit einer derart aufwendigen und zugleich symbolisch aufgeladenen Ausstattung bestattete, bleibt die Frage, der die weiteren Untersuchungen nachgehen müssen.

Universidad Nacional de Trujillo, Descubren tumba Mochica con 32 ofrendas en Huacas de Moche

Live Science, Rare burial of elite toddler from pre-Inca culture discovered in Peru

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