Spatenmünze

Älteste Münzprägeanstalt der Welt in China entdeckt

Robert Klatt

In China wurden Spatenmünzen aus der Zeit um 640 v. Chr. in einer Münzprägeanstalt entdeckt. Es handelt sich dabei um die älteste bekannte Produktionsanlage für Geld.

Zhengzhou (China). In der kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung der Menschheit gehört die Erfindung von Münzen aus Gold, Silber und anderen Metallen zu den zentralen Wendepunkten. Zuvor existierten in einigen Kulturen zwar bereits Objekte wie Kaurimuscheln oder standardisierte Metallobjekte, die als simple Währung dienten, der Siegeszug des Geldes begann aber erst mit der Prägung der ersten Münzen.

„Münzen förderten nicht nur den kommerziellen Austausch, sondern boten Gesellschaften auch neue Wege, um Wohlstand, Prestige und Macht zu bewerten“, erklärt auch Hao Zhao von der Zhengzhou Universität in China. Bisher konnte die Archäologie aber nicht herausfinden, wo und wann die ersten Münzen produziert wurden. Funde aus Indien, China und Kleinasien aus der Zeit um 500 v. Chr. lieferten jedoch starke Hinweise darauf, dass das Münzgeld in Asien entstanden ist.

Münzprägestätte in China entdeckt

„Archäologische Informationen über frühe Münzprägestätten sind dagegen selten“, so Zhao. Es konnten zwar in Kleinasien und China bereits entsprechende Orte entdeckt werden, diese konnte die Forschung aber nicht eindeutig datieren.

Das Team um Zhao hat laut einer Publikation im Fachmagazin Antiquity nun in Guanzhuang in der chinesischen Provinz Henan eine antike Münzprägestätte entdeckt, deren Alter sich sicher bestimmen lässt. Sie war bereits um 640 bis 550 v. Chr. in Betrieb, „An diesem Ort wurden Relikte aus verschiedenen Stadien der Münzproduktion in eindeutigen archäologischen Kontexten gefunden. Die Münzprägestätte war Teil einer wohlorganisierten integrierten Bronzegießerei unter der Schirmherrschaft des Zheng-Reiches“, so die Wissenschaftler.

Objekte aus Bronze, Keramik, Jade und Knochen

Bei Ausgrabungen zwischen 2015 und 2019 wurde in Guanzhuang ein Stadtteil mit unterschiedlichen Werkstätten gefunden. „Dieses Areal umfasste Werkstätten für die Herstellung von Objekten aus Bronze, Keramik, Jade und Knochen“, so Zhao. Besonders interessant war für die Wissenschaftler die Bronzegießerei, die den Hauptteil der Handwerkszone einnahm. In den verbliebenen Artefakten konnten die Forscher um Zhao unter anderem Tonformen entdecken, mit denen Spatenmünzen hergestellt wurden.

Es handelt sich dabei um die früheste Münzwährung in China. Die Wissenschaft nimmt an, dass diese spaten- oder klingenförmigen Metallmünzen den Wandel von einem Gerätegeld zu echten Münzen geprägt haben. Dafür sprechen die zunehmende Standardisierung und die Beschriftung der flachen Metallstücke.

Die älteste Spatenmünze der Ausgrabung SP-1 ist noch kaum verziert. Sie stammt aus einer Fundschicht, die auf die Zeit ab 640 v. Chr. datiert wurde. „Damit ist Guanzhuang die weltweit früheste bekannte archäologische Münzwerkstatt, deren Alter sicher über Radiokarbondatierung bestimmt wurde“, schreiben die Wissenschaftler. Die Münze SP-1 ist die älteste Spatenmünze – und allgemeiner noch die älteste chinesische Münze, die aus einem archäologisch gesicherten Kontext geborgen wurde“, erklären die Entdecker.

Antiquity, doi: 10.15184/aqy.2021.94

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