Mohenjo-daro

4.000 Jahre alte Stadt wurde reicher, während die soziale Ungleichheit sank

 Robert Klatt

Mohenjo-daro setzte auf gemeinsamen Wohlstand )kroY tätisrevinU(Foto: © 

Die Stadt Mohenjo-daro der Indus-Zivilisation zeigt, dass eine Gesellschaft fortschrittlich und wirtschaftlich erfolgreich sein kann, ohne dass sich der daraus resultierende Reichtum auf wenige Personen konzentriert. Angesichts der zunehmenden Ungleichheit ist dies auch aktuell von hoher Bedeutung.

York (England). Die Einkommens- und Vermögensungleichheit, die die moderne Ökonomie über den sogenannten Gini-Koeffizienten misst, ist laut einer Studie der Washington State University (WSU) bereits vor mehr als 10.000 Jahren, in der Jungsteinzeit, also bevor es den Ackerbau und große Zivilisationen gab, entstanden. Wissenschaftler der Universität York haben nun eine Studie publiziert, die zeigt, dass es in der Indus-Zivilisation, einer der ersten großen urbanen Kulturen, die vor rund 4.000 Jahren existiert hat, die Stadt Mohenjo-daro gab, die sich besser entwickelt hat und reicher wurde, je mehr die Unterschiede zwischen Arm und Reich in zurückgegangen sind.

In der Geschichtswissenschaft ging man bisher davon aus, dass die soziale Ungleichheit beim Übergang von kleinen Dörfern zu großen Städten größer werden muss, weil einzelne Personen, etwa Könige oder Priester, sich die Kontrolle über Vermögen und Macht sichern. Die archäologischen Daten aus Mohenjo-daro zeigen jedoch ein gegenteiliges Bild. In der Stadt war die Ungleichheit demnach nicht nur geringer als in anderen Städten in Mesopotamien und Griechenland, sondern nahm im weiteren Zeitverlauf sogar noch weiter ab.

„Alte Daten aus der antiken Stadt zeigen, dass sich mit der Entwicklung der Stadt die Unterschiede zwischen den größten und kleinsten Häusern verringerten. Tatsächlich sank die Wohlstandslücke in den späteren Jahren dieses riesigen urbanen Zentrums auf Werte, wie sie normalerweise für die ersten landwirtschaftlichen Dörfer typisch waren.“

Entwässerungssystem, Straßennetz und Co.

Die Ausgrabungen in der antiken Stadt Mohenjo-daro zeigen, dass es dort statt gigantischer Paläste, gewaltiger Tempel und gewaltiger Gräber ein hoch entwickeltes Entwässerungssystem und Straßennetz gab. Der Reichtum der Stadt wurde vor allem in die öffentliche Infrastruktur investiert, also in Investitionen, die auch der Allgemeinbevölkerung und nicht nur einer kleinen, reichen Elite Vorteile brachten.

Dies wird auch deutlich an den Siegeln der Indus-Zivilisation, die unter anderem für den Handel genutzt wurden. Diese Siegel wurden größtenteils in normalen Wohnhäusern entdeckt und nicht in öffentlichen Gebäuden. Laut den Forschern ist dies ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Handel nicht auf eine einzelne Person, etwa den Herrscher, der einen Großteil des Reichtums auf sich konzentrieren könnte, konzentriert war. Es ist somit wahrscheinlich, dass ein Großteil der Bewohner von Mohenjo-daro einen angemessenen Lebensstandard hatte.

Wie die Wissenschaftler erklären, ist die Stadt Mohenjo-daro somit ein Beispiel dafür, dass eine Gesellschaft technologisch fortschrittlich und wirtschaftlich erfolgreich sein kann, ohne dass der dadurch entstehende Reichtum auf wenigen Personen konzentriert wird. Dies ist laut ihnen auch für die aktuelle Gesellschaft, in der sich die Vermögen immer stärker auf einzelne Familien konzentrieren, von hoher Bedeutung.

„In der Phase, in der die Ungleichheit am geringsten zu sein scheint, scheint die Produktivität zu steigen. Das stellt die Vorstellung infrage, dass Wohlstand voraussetzt, Entscheidungsgewalt in die Hände weniger Menschen zu legen. Für moderne Gesellschaften ist dies eine äußerst interessante Erkenntnis, denn die Indus-Zivilisation zeigt deutlich, dass eine städtische Gesellschaft in großem Maßstab produktiv und erfinderisch sein kann und gleichzeitig Ressourcen und Macht gerecht verteilt werden können. Tatsächlich könnte genau dies sogar entscheidend gewesen sein, um Wohlstand über Jahrhunderte aufrechtzuerhalten.“

Quellen:

Pressemitteilung der Universität York

Studie im Fachmagazin Antiquity, doi: 10.15184/aqy.2026.10359

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