Krieg der Tempel

Templerorden: Die reichste Macht des Mittelalters fiel an einem Freitag

Templerorden: Die reichste Macht des Mittelalters fiel an einem Freitag
(Symbolbild) Neun Ritter gründeten um 1119 in Jerusalem einen Orden, der Mönchsgelübde mit dem Schwert verband. Zweihundert Jahre später besaß er Burgen von Portugal bis Syrien, betrieb das erste Banknetz Europas und war dem französischen König gefährlich viel Geld schuldig. Am Freitag, dem 13. Oktober 1307, ließ Philipp IV. alle Templer Frankreichs in einer Nacht verhaften. Was folgte, waren Folter, Geständnisse, ein Scheiterhaufen und ein Mythos, der bis heute wächst. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

Im Morgengrauen des 13. Oktober 1307 öffneten in ganz Frankreich Beamte des Königs versiegelte Befehle, die sie seit Wochen bei sich trugen. Der Inhalt war überall derselbe: Alle Mitglieder des Templerordens seien zu verhaften, ihr Besitz zu beschlagnahmen, ihre Aussagen unter Folter zu erzwingen. Es war ein Freitag. Innerhalb eines Tages saßen Hunderte Ritter, Sergeanten und Kapläne in Kerkern, darunter der Großmeister Jacques de Molay, der tags zuvor noch als Ehrengast bei einer königlichen Beerdigung gestanden hatte. Der reichste und mächtigste Orden des Mittelalters war ohne einen Schwertstreich gefallen. Sieben Jahre später brannte sein Großmeister auf einer Insel in der Seine.

Der Orden war 1119 oder 1120 aus einer Notlage entstanden. Zwanzig Jahre nach der Eroberung Jerusalems durch den Ersten Kreuzzug strömten Pilger ins Heilige Land und wurden auf den Straßen zwischen Küste und Stadt ausgeraubt und getötet. Ein Ritter aus der Champagne, Hugo von Payns, und acht Gefährten gelobten, Arme, Keuschheit und Gehorsam wie Mönche zu leben und die Pilger mit Waffen zu schützen. König Balduin II. wies ihnen einen Flügel seines Palastes auf dem Tempelberg zu, in der al-Aqsa-Moschee, die die Kreuzfahrer für den Tempel Salomos hielten. Daher der Name: Arme Ritterschaft Christi vom salomonischen Tempel, kurz Templer. Ein betender Krieger war für die Kirche ein Widerspruch, den erst Bernhard von Clairvaux auflöste, der einflussreichste Theologe der Zeit. Er schrieb den Templern eine Regel und ein Lob der neuen Ritterschaft, in dem er erklärte, wer einen Ungläubigen töte, begehe keinen Menschenmord, sondern einen Mord am Bösen. 1129 bestätigte ein Konzil in Troyes den Orden, 1139 stellte ihn Papst Innozenz II. unter seinen alleinigen Schutz: keine Steuern, keine Bischöfe, kein König hatte den Templern etwas zu befehlen.

Mit dieser Freiheit und Bernhards Werbung wuchs der Orden explosionsartig. Adlige schenkten Land, Burgen und Rechte, weil eine Stiftung an die Templer das Seelenheil sicherte, und junge Männer aus zweitgeborenen Linien traten ein, weil der Orden Ruhm ohne Erbe versprach. Um 1300 besaß der Orden rund 900 Niederlassungen, Komtureien genannt, von Schottland bis Zypern, dazu Burgen in Syrien und Palästina, Flotten, Mühlen, Weinberge und ganze Städte. Im Heiligen Land stellten die Templer mit den Johannitern die einzige stehende Truppe der Kreuzfahrerstaaten, Elitekämpfer in weißen Mänteln mit rotem Kreuz, die den Rückzug nicht kannten: Ihre Regel verbot ihnen, das Schlachtfeld zu verlassen, solange ein Banner des Ordens stand.

Wie die Templer zu den Bankiers Europas wurden

Die Templer wurden zu den Bankiers Europas, weil sie Pilgern und Kreuzfahrern anboten, Geld in einer Komturei einzuzahlen und gegen einen Schuldbrief am Ziel wieder abzuheben. Aus diesem Reisescheck entstand ein Netz aus Kreditbriefen, Depots und Darlehen, das Könige, Päpste und Kaufleute nutzten; der Pariser Tempel verwaltete zeitweise den französischen Staatsschatz.

Der Orden hatte, was einer Bank fehlte: ein Netz aus befestigten Häusern in allen Ländern, Männer, die schreiben und rechnen konnten, ein Ansehen, das Vertrauen schuf, und Waffen, die es schützten. Wer in London Geld einzahlte, konnte es in Akkon abheben, ohne mit Silber durch Räubergebiet zu reisen. Die Templer verwahrten Kronjuwelen, zahlten Lösegelder für gefangene Könige aus und verliehen Summen, die kein Kaufmann aufbringen konnte. Zinsen durften Christen nicht nehmen, also verrechneten sie Gebühren und Wechselkurse. Ludwig IX. finanzierte über die Templer seinen Kreuzzug, Heinrich III. von England verpfändete bei ihnen die Krone. Und Philipp IV. von Frankreich, der Schöne genannt, schuldete ihnen um 1305 ein Vermögen, während sein eigener Schatz durch Kriege gegen England und Flandern leer war. Er hatte bereits die Juden Frankreichs vertrieben und ihr Vermögen eingezogen, die lombardischen Bankiers ausgeplündert und die Münze entwertet. Die Templer waren die nächste Kasse.

Freitag, der 13. Oktober 1307

Der Anlass fand sich in Gerüchten. Ein ehemaliger Templer hatte behauptet, bei der Aufnahme müssten Novizen Christus verleugnen, auf das Kreuz spucken, einander unsittlich küssen und ein Götzenbild namens Baphomet anbeten. Philipps Berater Guillaume de Nogaret, der schon Papst Bonifaz VIII. gedemütigt hatte, machte daraus eine Anklage wegen Ketzerei, die einzige, die den Orden aus dem päpstlichen Schutz lösen konnte. Papst Clemens V., ein Franzose, der in Avignon vom König abhängig war, wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Nach der Verhaftung folterten die königlichen Inquisitoren die Gefangenen mit Streckbank, Feuer und Gewichten. Von 138 Templern, die in Paris verhört wurden, gestanden 134. Jacques de Molay bekannte die Verleugnung Christi und widerrief, als der Papst eigene Kommissionen einsetzte. 1310 ließ der Erzbischof von Sens 54 Templer, die ihre Geständnisse zurückgezogen hatten, als rückfällige Ketzer verbrennen, und der Widerstand brach. 1312 hob Clemens auf dem Konzil von Vienne den Orden auf, nicht als schuldig, sondern weil sein Ruf zerstört sei. Der Besitz ging an die Johanniter, der Großteil des französischen Vermögens verschwand in der Kasse des Königs.

Der Scheiterhaufen und der Fluch

Am 18. März 1314 sollten Jacques de Molay und der Präzeptor der Normandie, Geoffroy de Charnay, vor Notre-Dame ihr Urteil hören: lebenslange Haft. Stattdessen erklärten beide öffentlich, ihre Geständnisse seien Lügen unter Folter, der Orden sei rein. Philipp ließ sie noch am selben Abend auf der Île aux Juifs in der Seine verbrennen. Ein Chronist berichtet, Molay habe aus den Flammen König und Papst vor Gottes Gericht geladen. Clemens V. starb vier Wochen später, Philipp IV. im November desselben Jahres bei einem Jagdunfall, und seine drei Söhne folgten ihm binnen 14 Jahren ohne männlichen Erben, sodass die Dynastie der Kapetinger erlosch. Aus diesem Zufall wurde der Fluch der Templer, den Maurice Druon in seinem Romanzyklus Die unseligen Könige verewigte.

Der Orden war tot, sein Mythos begann. In Portugal wandelte der König die Templer einfach in den Christusorden um, unter dessen Kreuz später die Karavellen Heinrichs des Seefahrers segelten. Im 18. Jahrhundert erklärten Freimaurer die Templer zu ihren Vorläufern, im 19. Jahrhundert wurden sie zu Hütern des Grals, im 20. zu Verschwörern in Bestsellern und Computerspielen. 2001 fand die Historikerin Barbara Frale im Vatikanarchiv das Chinon-Pergament, das belegt, dass Clemens V. die Ordensführung 1308 insgeheim von der Ketzerei freigesprochen hatte. Die Templer waren, so das Urteil der Forschung, keine Ketzer, sondern zu reich, zu unabhängig und zu nah an einem König, der Geld brauchte. Dass ihr Fall auf einen Freitag, den 13., fiel, hat dem Datum seinen Ruf allerdings nicht eingebracht; der Aberglaube ist jünger. Die Templer hatten schlicht Pech mit dem Kalender, und mit dem König.

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