Die Anordnung der Tastatur, auf der heute Milliarden Menschen tippen, geht auf eine Schreibmaschine aus dem Jahr 1873 zurück. Die scheinbar zufällige Buchstabenfolge entstand nicht am Reißbrett, sondern in einem jahrelangen Prozess aus mechanischen Zwängen, Firmenentscheidungen und den Wünschen früher Kunden. Bis heute streiten Fachleute darüber, warum die Tasten genau so liegen, wie sie liegen. Eine oft gehörte Erklärung stellt sich bei genauem Hinsehen als deutlich zu einfach heraus.
Kaum ein Gegenstand ist so vertraut und wird so selten hinterfragt wie die Anordnung der Tastatur. Q, W, E, R, T und Z prägen im deutschsprachigen Raum die obere Buchstabenreihe, im Englischen steht dort QWERTY, und beide Varianten wirken auf den ersten Blick völlig willkürlich. Tatsächlich hat diese Reihenfolge einen konkreten Ursprung im 19. Jahrhundert, als die ersten brauchbaren Schreibmaschinen entstanden. Christopher Latham Sholes, ein Drucker und Erfinder aus Milwaukee, baute zusammen mit mehreren Partnern ab 1868 an einer Maschine, deren Tasten zunächst fast alphabetisch und wie bei einem Klavier angeordnet waren. Von dieser frühen Form bis zu der Anordnung der Buchstaben, die heute jeder kennt, war es jedoch ein langer und verschlungener Weg.
Über Jahre hinweg wanderten einzelne Buchstaben hin und her, bis die vertraute Form Gestalt annahm. 1873 sicherte sich der Waffen- und Nähmaschinenhersteller E. Remington und Söhne die Rechte an der Maschine und brachte sie als erstes kommerziell erfolgreiches Modell auf den Markt. Mit dem Verkaufserfolg setzte sich auch die Tastenreihenfolge durch, und wer einmal auf dieser Anordnung tippen gelernt hatte, wollte sie nicht mehr wechseln. So verfestigte sich ein Standard, der bis in die Gegenwart reicht und selbst auf Smartphone-Displays weiterlebt. Die eigentlich spannende Frage ist jedoch nicht, wann sich die Reihenfolge durchsetzte, sondern warum die Buchstaben überhaupt so und nicht anders auf die Tasten kamen.
Die Anordnung der Tastatur stammt von den ersten Schreibmaschinen der 1870er-Jahre und veränderte sich über Jahre hinweg. Sie entstand aus einer Mischung von technischen Zwängen der Maschine, den Anforderungen früher Kunden und Firmenentscheidungen, nicht aus einem durchdachten Plan für möglichst schnelles oder bequemes Tippen.
Die Wurzeln reichen zu Christopher Latham Sholes und seinen Mitstreitern Carlos Glidden, Samuel Soulé und James Densmore zurück. Ihr erstes Modell besaß eine fast alphabetische Reihenfolge, die für Anfänger leicht zu finden sein sollte. Ein Überbleibsel davon steckt bis heute in der mittleren Reihe, in der die Buchstaben von F bis L noch der alphabetischen Ordnung folgen. In den folgenden Jahren verschoben Sholes und seine Partner immer wieder einzelne Tasten, fügten Ziffern hinzu und hoben die Vokale in eine eigene Reihe. Aus diesem ständigen Umbau ging schließlich die Reihenfolge hervor, die auf der QWERTZ-Tastatur im Deutschen und auf der QWERTY-Tastatur im Englischen steht. Ein einziger, klarer Entwurf stand also nie am Anfang.
Die frühen Schreibmaschinen arbeiteten mit einem Korb aus Metallhebeln, den Typenhebeln, die beim Anschlag nach oben zu einem gemeinsamen Druckpunkt schwangen. Wurden zwei benachbarte Hebel kurz hintereinander ausgelöst, konnten sie sich verhaken und die Maschine blockieren. Um dieses Verklemmen zu verringern, wurden häufige Buchstabenpaare der englischen Sprache im Korb voneinander getrennt, sodass ihre Hebel nicht gleichzeitig hochschnellten. Diese mechanische Rücksicht wirkte sich unmittelbar auf die Anordnung der Buchstaben aus, denn die Position einer Taste hing mit der Lage des zugehörigen Hebels zusammen. Der Zusammenhang zwischen Typenhebel und Tastenbild gilt als einer der wichtigsten Gründe dafür, dass die Reihenfolge vom Alphabet abwich. Ganz ohne Einfluss blieben dabei allerdings auch andere Anforderungen nicht.
Aus dem Bemühen, das Verklemmen zu verhindern, wurde später eine einprägsame, aber schiefe Erzählung. Die Tastatur sei absichtlich so gestaltet worden, um Schreibkräfte auszubremsen. Dagegen spricht einiges. Zu jener Zeit gab es noch kein Zehnfingerschreiben, niemand tippte also besonders schnell, den man hätte verlangsamen müssen. Auch das Originalpatent aus dem Jahr 1878 nennt keinen solchen Grund für die Anordnung. Das Ziel war nicht das langsame Tippen an sich, sondern ein möglichst störungsfreier Lauf der Maschine. Die verbreitete Formel vom bewussten Ausbremsen verwechselt eine technische Nebenwirkung mit einer Absicht und hält einer genauen Prüfung nicht stand.
Die im Deutschen übliche QWERTZ-Tastatur unterscheidet sich in einem wichtigen Detail von der englischen Vorlage. Bei ihr sind die Buchstaben Z und Y vertauscht, weil das Z im Deutschen sehr häufig vorkommt, das Y dagegen selten ist, und weil das Z oft direkt neben Buchstaben wie T steht, mit denen es kombiniert wird. Zusätzlich fügt die deutsche Anordnung der Buchstaben die Umlaute ä, ö und ü sowie das ß hinzu. Andere Länder entwickelten eigene Varianten, etwa das französische AZERTY, das gleich mehrere Tasten anders belegt. Trotz dieser Abweichungen bleibt das Grundmuster überall dasselbe, und der gemeinsame Ursprung in der frühen Schreibmaschine ist bei allen Versionen deutlich erkennbar.
Neben der mechanischen Erklärung gibt es eine zweite, die den Telegrafen in den Mittelpunkt rückt. In einer Studie der Universität Kyoto vertreten zwei Forscher die Ansicht, dass die Reihenfolge sich an den Bedürfnissen von Telegrafisten ausrichtete, die eingehende Morsezeichen schnell mitschreiben mussten. Auch diese Deutung ist nicht endgültig bewiesen, macht aber deutlich, wie viele Anforderungen zusammenwirkten. Sicher ist vor allem, warum sich seither nichts Besseres durchsetzte. Sobald Millionen Menschen eine Anordnung gelernt haben und ganze Industrien darauf aufbauen, ist ein Wechsel kaum durchzusetzen. Nachweislich schnellere Alternativen wie die Dvorak-Tastatur aus dem Jahr 1936 blieben deshalb Nischenlösungen, obwohl die QWERTZ-Tastatur nicht die effizienteste Reihenfolge ist.
So trägt jede moderne Tastatur bis heute die Handschrift einer mechanischen Maschine aus dem 19. Jahrhundert. Die Buchstaben liegen dort, wo Metallhebel, Firmeninteressen und die Gewohnheit von Millionen Nutzern sie einst hingeschoben haben, und nicht dort, wo es für die Finger am sinnvollsten wäre. Wer heute auf einem Smartphone eine Nachricht tippt, folgt damit den Spuren einer Werkstatt in Milwaukee, in der vor rund hundertfünfzig Jahren die ersten Tasten hin und her wanderten. Genau diese Mischung aus Zufall, Technik und Beharrung macht die Anordnung der Buchstaben zu einem der hartnäckigsten Erbstücke der Alltagstechnik.
ZINBUN, On the Prehistory of QWERTY; doi:10.14989/139379