Im Smithsonian in Washington liegt ein tiefblauer Diamant mit 45,52 Karat, der nach kurzwelligem UV-Licht noch mehr als eine Minute sichtbar nachleuchten kann. Obwohl der Hope-Diamant nur rund 2,6 Zentimeter lang und damit etwa so breit wie eine große Zwei-Euro-Münze ist, zeigt er ein Verhalten, das weit ungewöhnlicher wirkt als seine geringe Größe vermuten lässt. Nach dem Abschalten der UV-Lampe verschwindet das Licht nicht sofort, sondern der Stein sendet weiterhin orangerotes bis rotes Licht aus und bleibt dadurch noch eine Weile sichtbar. Dieses Nachleuchten verrät zugleich etwas über winzige Fremdatome und Defekte im Kristall, die sich im gewöhnlichen Licht nicht erkennen lassen.
Wer den Hope-Diamant im National Museum of Natural History in Washington betrachtet, sieht einen Stein, dessen Geschichte über Jahrhunderte dokumentiert wurde und den das Smithsonian als tief graublauen Diamanten führt. Mit Maßen von etwa 25,6 mal 21,8 mal 12 Millimetern bleibt der Edelstein selbst kleiner als viele Schmuckanhänger, obwohl sein Name weltweit bekannt ist und sein wissenschaftlicher Wert weit über seine sichtbare Größe hinausreicht. Da ein metrisches Karat 0,2 Gramm entspricht, liegt sein Gewicht nur knapp über neun Gramm und damit deutlich unter dem Gewicht, das seine Bekanntheit vermuten lassen könnte.
Seine auffälligste Eigenschaft bleibt dem normalen Museumsbesucher meist verborgen, denn erst kurzwelliges ultraviolettes Licht, das für das menschliche Auge unsichtbar ist, bringt den Kristall dazu, nach dem Abschalten der Strahlung weiter Licht auszusenden. Dieses Phänomen heißt Phosphoreszenz und unterscheidet sich vom gewöhnlichen Leuchten unter einer Lampe dadurch, dass die Lichtabgabe noch anhält, wenn die anregende Strahlung bereits verschwunden ist. Sichtbar wird damit eine Eigenschaft des Kristalls, die im normalen Museumslicht vollständig verborgen bleibt und erst durch die vorherige Bestrahlung hervortritt.
Besonders stark fällt dieses Nachleuchten beim Hope-Diamant aus, den das Smithsonian nach UV-Bestrahlung mit einer feurig roten Phosphoreszenz beschreibt, nachzulesen unter Smithsonian Institution. Messungen an blauen Diamanten zeigen zwei wichtige Bereiche der Lichtabgabe, einen um 500 Nanometer im blaugrünen Spektrum und einen um 660 Nanometer im roten Bereich, wodurch sich die sichtbare Farbe des Nachleuchtens genauer einordnen lässt.
Wie das Nachleuchten für das Auge erscheint, hängt davon ab, wie stark diese Bereiche sind und wie schnell sie jeweils abklingen. Beim Hope-Diamant dominiert die orange-rote bis rote Komponente so deutlich, dass sie mit bloßem Auge auffällt und den Stein nach dem Abschalten der UV-Quelle weiterhin sichtbar erscheinen lässt. Einen Überblick zu natürlichen Typ-IIb-Diamanten wie dem Hope-Diamant und ihrer Phosphoreszenz bietet das Gemological Institute of America.
Zur seltenen Klasse der Typ-IIb-Diamanten gehört der Hope-Diamant, weil sein Kristall nur sehr wenig Stickstoff, dafür aber Spuren von Bor enthält. Bereits winzige Mengen Bor können die elektrischen und optischen Eigenschaften des Kristalls verändern und tragen beim Hope-Diamant zu seiner tiefblauen Farbe bei, obwohl der Anteil dieses Fremdelements im Kristall sehr gering ist. Chemisch betrachtet besteht der Stein deshalb nicht aus vollkommen reinem Kohlenstoff, sondern enthält geringe Mengen fremder Atome, die seine sichtbaren und messbaren Eigenschaften beeinflussen.
Für einen Teil der Phosphoreszenz gilt eine sogenannte Donor-Akzeptor-Rekombination als wichtige Erklärung, bei der UV-Licht elektrische Ladungen im Kristall zunächst anregt. Elektronen, die mit Stickstoffstellen zusammenhängen, und positive Ladungslücken an Borstellen können sich später wieder verbinden, wobei Licht frei wird und das Nachleuchten nach dem Ende der Bestrahlung fortbesteht. Noch nicht vollständig geklärt ist jedoch der genaue Ursprung dieser roten Emission, weshalb Bor und Stickstoff das gesamte rote Nachleuchten nicht vollständig erklären.
In einer Untersuchung verglichen Sally Eaton-Magaña, Jeffrey E. Post und weitere Forscher insgesamt 67 natürliche blaue Diamanten, darunter auch den Hope-Diamant. Dafür bestrahlten sie die Steine mit UV-Licht und zeichneten auf, welche Wellenlängen anschließend ausgesendet wurden und wie schnell die Helligkeit zurückging, sodass sich nicht nur die Farbe, sondern auch ihr zeitlicher Verlauf erfassen ließ. Fast alle untersuchten natürlichen blauen Diamanten zeigten dabei sowohl eine blaugrüne als auch eine orange-rote Komponente, deren Stärke und Abklingzeit sich jedoch von Stein zu Stein unterschieden.
Aus diesen Unterschieden entstand eine Art optischer Fingerabdruck, denn die Kombination aus Farbe und zeitlichem Verlauf des Nachleuchtens kann helfen, einzelne blaue Diamanten voneinander zu unterscheiden. Die Arbeit erschien unter dem Titel Using phosphorescence as a fingerprint for the Hope and other blue diamonds; die bibliografischen Angaben sind nachzulesen unter Smithsonian Institution. Für die Edelsteinforschung ist diese Methode relevant, weil natürliche, behandelte und synthetische blaue Diamanten unterschiedliche Leuchtmuster zeigen können und sich diese Unterschiede bei der Untersuchung nutzen lassen.
Mit einem deutlich größeren blauen Diamanten aus Indien beginnt die dokumentierte Geschichte des Steins, den der Händler Jean-Baptiste Tavernier im 17. Jahrhundert nach Europa brachte. In heutiger Umrechnung wog dieser ursprüngliche Diamant ungefähr 115 Karat und gelangte 1668 an König Ludwig XIV. von Frankreich. Später wurde er zum etwa 69 Karat schweren sogenannten Französischen Blauen umgeschliffen, der 1792 während der Französischen Revolution beim Raub der französischen Kronjuwelen verschwand und zunächst nicht mehr auffindbar war.
Erst 1812 tauchte in London wieder ein deutlich kleinerer blauer Diamant von ungefähr 45,5 Karat auf, der später in die Sammlung von Henry Philip Hope gelangte und dadurch seinen heutigen Namen erhielt. Die Verbindung mit dem Französischen Blauen gilt heute als gut begründet und erklärt, warum die Geschichte des heutigen Steins bis zu dem größeren französischen Kronjuwel zurückverfolgt wird. Wer sich für Diamanten als Material im Erdinneren interessiert, findet dazu auch den Beitrag Im Inneren der Erde liegen noch Billionen Tonnen Diamanten.
Nach mehreren Besitzerwechseln kaufte der Juwelier Harry Winston den Hope-Diamant 1949 aus dem Nachlass von Evalyn Walsh McLean und schenkte ihn 1958 der National Gem Collection des Smithsonian. Für den Transport nutzte Winston keinen gepanzerten Spezialwagen, sondern ließ den Diamanten in einem schlichten braunen Paket per Einschreiben von New York nach Washington schicken, obwohl es sich um einen außergewöhnlich wertvollen und berühmten Edelstein handelte. Versichert war die Sendung mit einer Summe von einer Million US-Dollar.
Gut dokumentiert ist diese ungewöhnliche Reise durch Unterlagen des Smithsonian, während die oft erzählte Geschichte eines Fluchs in den Bereich der Legenden gehört. Verschiedene Unglücke früherer Besitzer wurden im Laufe der Zeit mit dem Stein verbunden, doch daraus ergibt sich kein nachweisbarer ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Diamanten und diesen Ereignissen. Auch das Smithsonian behandelt den Fluch ausdrücklich als Mythos und nicht als Eigenschaft des Diamanten.
Wissenschaftlich interessant ist der Hope-Diamant deshalb nicht nur wegen seiner Farbe und seiner Geschichte, sondern auch als gut dokumentierter natürlicher Typ-IIb-Diamant mit besonders starker Phosphoreszenz. Messungen an ihm helfen dabei, die Rolle von Bor, Stickstoff und Kristalldefekten besser zu verstehen und natürliche Steine von behandelten oder synthetischen Exemplaren abzugrenzen, deren Leuchtmuster sich unterscheiden können.
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