Avaton

Auf dem Berg Athos gilt seit 1.000 Jahren ein Frauenverbot

Auf dem Berg Athos gilt seit 1.000 Jahren ein Frauenverbot
(Symbolbild) Die autonome Mönchsrepublik auf der Halbinsel Berg Athos in Griechenland verwehrt Frauen seit rund tausend Jahren den Zutritt. Das Verbot, Avaton genannt, erstreckt sich sogar auf weibliche Haustiere und ist bis in die griechische Verfassung und die EU-Verträge hinein anerkannt. Verstöße können sogar mit Haft geahndet werden. (Foto: © Forschung und Wissen)

Auf einer Halbinsel im Norden Griechenlands liegt ein Ort, den keine Frau betreten darf. Der Berg Athos ist eine autonome Mönchsrepublik, in der seit rund tausend Jahren das sogenannte Avaton gilt, ein striktes Zutrittsverbot für Frauen. Das Verbot erstreckt sich sogar auf die meisten weiblichen Haustiere und ist rechtlich bis in die griechische Verfassung und die europäischen Verträge hinein abgesichert. Damit existiert mitten in der Europäischen Union eine Zone mit einer eigenen, jahrhundertealten Ordnung.

Der Berg Athos bildet die östlichste der drei Landzungen der Halbinsel Chalkidiki und ragt weit ins Ägäische Meer hinaus. Auf ihm leben rund 1.650 orthodoxe Mönche in zwanzig großen Klöstern sowie in kleineren Sketen, Zellen und Einsiedeleien. Verwaltungssitz ist der Ort Karyes. Die Halbinsel gilt als eines der wichtigsten Zentren des orthodoxen Christentums und wird geistlich dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel unterstellt, während sie staatlich zu Griechenland gehört. Wer den Athos besuchen will, braucht eine besondere Aufenthaltsgenehmigung, das Diamonitirion, und selbst diese wird ausschließlich an Männer erteilt. Der Alltag folgt strengen klösterlichen Regeln, der Tag beginnt lange vor Sonnenaufgang, und viele Klöster richten sich noch nach dem julianischen Kalender, der dem übrigen Europa um dreizehn Tage nachgeht.

Das Herzstück dieser Sonderordnung ist das Avaton, das wörtlich so viel wie unbetretbar bedeutet. Es untersagt Frauen den Zutritt zur gesamten Halbinsel, nicht nur zu einzelnen Klöstern. Die Regel wird auf eine jahrhundertealte klösterliche Tradition zurückgeführt und über die Zeit sowohl von Mönchen als auch von weltlichen Herrschern respektiert. Theologisch begründen die Mönche das Verbot mit der Weihe der Halbinsel an die Gottesmutter Maria, der der Berg als besonderer Ort vorbehalten sein soll. Zugleich verstehen sie die Abwesenheit von Frauen als Schutz ihres Gelübdes von Askese und Ehelosigkeit. Aus dieser Verbindung von Glaube, Tradition und Selbstverwaltung entstand eine Ordnung, die den Berg bis heute prägt.

Wie das Frauenverbot rechtlich abgesichert ist

Der Berg Athos ist eine autonome Mönchsrepublik in Griechenland, auf der seit rund tausend Jahren das Avaton gilt, ein Zutrittsverbot für Frauen. Es ist über den Sonderstatus der Halbinsel in der griechischen Verfassung verankert und wurde beim EU-Beitritt Griechenlands ausdrücklich anerkannt. Verstöße können mit Geld- oder Haftstrafen geahndet werden.

Der besondere Status ist mehrfach abgesichert. Die griechische Verfassung erkennt in ihrem Artikel 105 die Selbstverwaltung des Berges Athos entsprechend seinem alten, privilegierten Status ausdrücklich an. Das Verbot selbst ist zusätzlich in der eigenen Verfassungsurkunde der Mönchsrepublik festgeschrieben. Weil Griechenland Mitglied der Europäischen Union ist, musste der Sonderstatus auch auf europäischer Ebene berücksichtigt werden: Beim Beitritt Griechenlands zur damaligen Europäischen Gemeinschaft im Jahr 1979 wurde in einer gemeinsamen Erklärung festgehalten, dass der besondere Status des Berges Athos gewahrt bleibt. Damit steht das Avaton in einem eigentümlichen Spannungsverhältnis zum europäischen Recht, das Gleichbehandlung und Freizügigkeit garantiert, während der Athos genau davon ausgenommen ist.

Warum sogar weibliche Tiere betroffen sind

Das Verbot geht über Menschen hinaus. Traditionell sind auch die meisten weiblichen Haustiere auf der Halbinsel nicht erlaubt. Ausnahmen gelten in der Praxis vor allem für Tiere, die als nützlich gelten, etwa Katzen, die Mäuse und Ratten fernhalten. Die strenge Auslegung unterstreicht, wie umfassend die Regel gedacht ist: Nicht einzelne Begegnungen sollen vermieden werden, sondern die weibliche Präsenz auf dem geweihten Boden insgesamt. In der Geschichte gab es nur wenige dokumentierte Ausnahmen, meist bei außergewöhnlichen politischen Umständen, und selbst diese wurden von den kirchlichen Behörden nachträglich scharf zurückgewiesen. Für die Mönche ist das Avaton kein Ausdruck von Geringschätzung, sondern Teil eines Lebensentwurfs, der vollständige Zurückgezogenheit von der Welt anstrebt.

Ein Ort im Streit mit der Gegenwart

So alt die Regel ist, so umstritten ist sie in der Gegenwart. Wiederholt haben Abgeordnete des Europäischen Parlaments und einzelne griechische Politiker das Avaton als Verstoß gegen die Gleichberechtigung und das Diskriminierungsverbot kritisiert. Griechenland verweist im Gegenzug darauf, dass der Sonderstatus des Berges Athos in den europäischen Verträgen ausdrücklich geschützt sei und es sich um eine religiöse und kulturelle Besonderheit handele, nicht um eine gewöhnliche Diskriminierung. Verteidiger der Regel führen an, dass es weltweit auch andere geschlechtergetrennte religiöse Gemeinschaften gebe und der Athos als Sonderfall einer klösterlichen Lebensform zu verstehen sei. Kritiker halten dem entgegen, dass ein pauschaler Ausschluss von Frauen aus einem ganzen Gebiet mit modernen Grundrechten schwer vereinbar sei. Ein Ende des Streits ist nicht in Sicht, beide Seiten berufen sich auf tief verankerte Prinzipien.

Der Berg Athos bleibt damit ein Ort, an dem eine tausendjährige Ordnung mitten in der Europäischen Union fortbesteht. Zwischen befestigten Klöstern über steilen Küsten leben die Mönche weitgehend so wie vor Jahrhunderten, abgeschirmt von der Außenwelt und von einer Regel bestimmt, die nur Männern den Zutritt gewährt. Genau diese Beständigkeit macht die Halbinsel zu einem der ungewöhnlichsten Gebiete des Kontinents.

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