Sekundärwälder

Tropische Wälder erholen sich überraschend schnell

Robert Klatt

Gerodete tropische Wälder erholen sich überraschend schnell. Die dabei entstehenden Sekundärwälder sollten deshalb ebenfalls als wertvolle Ökosysteme anerkannt und geschützt werden.

Wageningen (Niederlande). Vom Menschen komplett unberührte tropische Wälder werden auf der Erde immer seltener. Ein Großteil der Waldflächen ist inzwischen gerodet, um für die Viehhaltung oder Landwirtschaft genutzt werden zu können. Häufig werden die gerodeten Flächen jedoch nur kurz  genutzt und die Natur kann sich wieder ausbreiten. Dabei entstehen sogenannate Sekundärwälder.

Wissenschaftler der Wageningen Universität haben diese nun detailliert untersucht. Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Science haben sie dazu Daten von über 2.200 Waldparzellen analysiert.

77 Sekundärwäldern in den Tropen

Die Daten der Studie stammen von Peter Hietz von der Universität für Bodenkultur in Wien und Florian Oberleitner von der Universität Innsbruck, die seit Jahren gemeinsam den Zustand der Wälder in Costa Rica und anderen Ländern untersuchen.

„Die Studie hat Wälder verglichen, die unterschiedlich alt sind, sich also unterschiedlich lang regenerieren konnten“, erklärt Hietz. Insgesamt haben die Wissenschaftler um Lourens Poorter für ihre Studie Daten von  7 Sekundärwäldern im tropischen Amerika und Westafrika erhalten.

Nährstoffe im Boden

„Bei der Untersuchung wurden zwölf Eigenschaften festgelegt, die einen Einblick in den Zustand des Waldes geben können“, erklärt Hietz. Untersucht wurden unter anderem die Biomasse der Waldgebiete, also die Anzahl der Bäume und Pflanzen sowie die Menge und Art der Rohstoffe im Boden.

Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass etwa zehn Jahre nach der Rodung in den Böden vieler Sekundärwälder die Rohstoffe wieder fast so zahlreich und divers waren wie in unberührten Regenwäldern. „Bei den Nährstoffen im Boden geht es relativ schnell, das Nachwachsen der Bäume und der damit verbundene Anstieg ihres Kohlenstoffspeichers dauert etwas länger“, erklärt Hietz.

Rückkehr der Bäume

Die Rückkehr der Bäume braucht deutlich länger. Rund 20 Jahre nach der Rodung lag die Biomasse in den Sekundärwäldern etwa auf 80 Prozent des ursprünglichen Niveaus. Bis die einstige Biomasse wieder vollständig erreicht wird, werden laut den Forschern aber rund 120 Jahre nötig sein.

„Die Studie zeigt uns, dass wir Sekundärwälder als wertvolle Ökosysteme anerkennen und auch als solche schützen müssen“, konstatiert Hietz. Laut ihm sind diese Gebiete eine natürliche Lösung zur Abfederung des Klimawandels und zum Erhalt der Artenvielfalt. Er fügt hinzu, dass die Studienergebnisse trotzdem nicht als Freibrief für die weitere Abholzung der Wälder angesehen werden darf. Sollte es zu einer Rodung kommen, müsse in Zukunft aber besser darauf geachtet werden, dass die Natur sich wieder regenerieren kann.

Science, doi: 10.1126/science.abh3629

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