Fraunhofer-Studie

Strom: Mehr als die Hälfte stammt aus erneuerbaren Energien

Dennis L.

Laut einer aktuellen Auswertung wurden in Deutschland im Jahr 2020 erstmals mehr als 50 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen. Die Kombination aus viel Sonne, gutem Wind und einem geringeren Strombedarf haben dies ermöglicht.

München (Deutschland). Laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE stammte im Jahr 2020 rund 50,5 Prozent des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Energien. Die Gesamtleistung aus Wind- und Solarenergie betrug etwa 183 TWh, jene aus fossilen Energiequellen hingegen nur 178 TWh. Im Vorjahr betrug der Gesamtanteil erneuerbarer Energien in der Bundesrepublik noch rund 46 Prozent.

Von diesem enormen Wachstum profitiert nicht nur das Klima, sondern auch die Wirtschaft. So sorgt der steigende Anteil erneuerbarer Energien für einen Mehrbedarf an Strom- und Spannungswandlern, Schaltreglern und ähnlichen Bauteilen, er treibt die Digitalisierung des Stromnetzes voran (Smart Grids) und er fördert die Forschung, welche stets versucht, Wind- und Solaranlagen noch effizienter und preisgünstiger zu machen.

Viel grüner Strom dank ausreichend Sonne und Wind

Der Anteil von Windkraft an der Nettostromerzeugung war mit rund 27 Prozent insgesamt am größten. Die Photovoltaikanlagen speisten zudem 50,7 TWh in das öffentliche Stromnetz ein (rund 9,3 Prozent mehr als im Vorjahr), schreiben die Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut ISE.

Am 1. Juni 2020 um 13 Uhr wurde die höchste Solarleistung gemessen. Zu diesem Zeitpunkt erzeugten die Photovoltaikanlagen auf deutschen Dächern rund 37,25 GW – dies entsprach zu diesem Zeitpunkt 56 Prozent der gesamten Stromerzeugung. Und auch im Zeitraum von März bis September war die solare Stromerzeugung im Monatsschnitt höher als jene von Steinkohlekraftwerken. Dennoch reichte es am Ende nur für Platz fünf. Platz eins bis vier belegten im Jahr 2020 die Windkraft, gefolgt von Braunkohle, Atomkraft und Gas.

Die Stromgewinnung durch Windkraft überstieg in zehn Monaten jene der Braunkohle und jene der Atomkraft sogar in jedem Monat. Die maximale Leistung wurde am 22. Februar um 20:30 Uhr gemessen und betrug 46,9 GW. Der Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung betrug zu diesem Zeitpunkt ganze 67,4 Prozent. Nimmt man auch die Offshore-Windanlagen in den Blick, so gab es auch hier ein Plus im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Während die Leistung 2019 lediglich 24,5 TWh betrug, stieg sie 2020 auf 27 TWh an.

Corona-Pandemie drosselt den industriellen Strombedarf

Einen nicht unerheblichen Anteil an der Stromgewinnung hatte 2020 mit rund 18,3 TWh zudem die Wasserkraft (im Vorjahr waren es jedoch 20,6 TWh). Auch die Biomasse lag mit 45,5 TWh leicht über dem Wert von 2019.

Den insgesamt hohen Anteil der erneuerbaren Energien führen die Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut ISE auf die guten Bedingungen zurück: Viel Sonne und gute Winde waren 2020 ideale Voraussetzungen. Aber auch die Corona-Pandemie hat ihren Teil dazu beigetragen, dass in Deutschland erstmals mehr als die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Energien stammt. So gab es einen deutlichen Rückgang des industriellen Strombedarfs, der laut Agora auch dafür gesorgt hat, dass im letzten Jahr in Deutschland weniger CO2 ausgestoßen wurde. Da in der Industrie aber primär Gas verstromt wird, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass der Gasanteil am Gesamtstrom nach der Corona-Pandemie wieder steigen wird.

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