Robert Klatt
Die Emissionen aus dem Plastiklebenszyklus zerstören aktuell über 2,1 Millionen gesunde Lebensjahre jährlich. Wenn sich das Konsumverhalten nicht zeitnah ändert, wird sich das Problem bis 2040 mehr als verdoppeln.
London (England). Es ist seit Langem bekannt, dass Rauchen, Übergewicht und Schadstoffe in der Luft den Menschen viele gesunde Lebensjahre kosten. Forscher der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM) haben nun eine Studie publiziert, die erstmals untersucht hat, welche gesundheitlichen Schäden durch Plastik entstehen. Dabei haben sie den gesamten Lebenszyklus betrachtet, also von der Förderung des Erdöls, aus dem ein Großteil aller Kunststoffe produziert wird, über die Herstellung der Materialien bis zum Recycling.
Die durch die Emissionen aus dem Kunststofflebenszyklus entfallenen gesunden Lebensjahre wurden in sogenannten „disability-adjusted life years“ (DALYs), einer Kennzahl, die in der Wissenschaft für die Krankheitslast etabliert ist.
Laut der Modellrechnung haben die Emissionen 2016 rund 2,1 Millionen DALYs zerstört. Wenn sich das Konsumverhalten nicht ändert und die Plastiknutzung weiter zunimmt, werden die Emissionen 2040 für rund 4,5 Millionen DALYs verantwortlich sein. Im gesamten Zeitraum von 2016 bis 2040 würden der Weltbevölkerung bei einer unveränderten Kunststoffnutzung rund 83 Millionen gesunde Lebensjahre verloren gehen.
Ein Großteil der Gesundheitsschäden entfällt auf CO₂-Emissionen, die während der Produktion anfallen und die Erwärmung der Erde beschleunigen (40 %). Die vor allem während der Produktion auftretende Luftverschmutzung (32 %) und die durch Plastik freigesetzten giftigen Chemikalien (32 %) haben ebenfalls einen bedeutenden Anteil an den verlorenen, gesunden Lebensjahren.
Die Wissenschaftler haben zudem ein Szenario analysiert, in dem Maßnahmen gegen die Plastikkrise umgesetzt werden. Diese Maßnahmen, etwa mehr Recycling oder eine bessere Abfallsammlung, reduzieren die durch Plastik verursachte Krankheitslast aber kaum. Ein komplexer Systemausbau, der alle Maßnahmen gegen die gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Plastik kombiniert, könnte die Gesundheitsfolgen bis 2040 gegenüber dem schlechtesten Szenario aber deutlich reduzieren (- 43 %).
Laut der Studie entstehen die negativen Gesundheitsfolgen in allen Szenarien primär durch die Emissionen aus der Produktion der Primärkunststoffe. Die öffentliche Gesundheit kann also am besten dadurch geschützt werden, indem man die Produktion von Kunststoffen reduziert oder alternative Materialien entwickelt. Zudem können erneuerbare Energien dabei helfen, die CO₂-Emissionen während der Produktion und beim Recycling zu reduzieren.
Quellen:
Pressemitteilung der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM)
Studie im Fachmagazin The Lancet Planetary Health, doi: 10.1016/j.lanplh.2025.101406