Fischfrei und ethisch

Laborkaviar aus dem Bioreaktor

Robert Klatt

Neben Laborfleisch arbeiten Unternehmen auch an fischfreiem Kaviar. Dieses Jahr sollen die ersten Produkte auf den Markt kommen.

London (England). Laut einer im Fachmagazin Reviews in Fisheries Science & Aquaculture veröffentlichten Studie hat der weltweite Bedarf an echtem Kaviar in den letzten Jahren stark zugenommen. Das exklusive Nahrungsmittel wird zu Preisen von 50 Euro pro hundert Gramm und mehr gehandelt. Verantwortlich für diese hohen Preise ist vor allem die aufwendige Produktion. Inzwischen wird echter Kaviar zwar überwiegend aus Stören gewonnen, die in einer Aquakultur ausgezogen wurden und nicht aus dem Wildfang stammen, die Tiere müssen dort aber mindestens 15 Jahre wachsen, bevor sie zur Entnahme der Eier getötet werden.

Nun hat das britische Unternehmen Caviar Biotec laut eines Artikels des Branchenmagazins foodnavigator.com einen künstlichen Kaviar vorgestellt. Laut Angaben des Unternehmens müssen für die ethischen „Clean-Kaviarprodukte“ keine Fische getötet werden. Stattdessen werden die Proteine und Lipide, die normalerweise im Störrogen vorkommen, in einem Bioreaktor erzeugt. Aus diesen wird anschließend ein zell- und tierfreies Proteinpulver hergestellt, das die Basis des künstlichen Kaviars bildet. Auf den Markt kommen soll das Produkt noch in diesem Jahr.

Zellgezüchtetes Kaviar

In Zukunft möchte Caviar Biotec außerdem „zellgezüchteten Kaviar“ anbieten, das im Labor aus Störzellen erzeugt wird. Laut eigenen Angaben arbeitet auch das niederländische Unternehmen Magiccaviar an einem solchen Produkt. Dazu wurde laut eines Patentantrags bereits eine Art künstlicher Eierstock entwickelt, in dem aus den Stammzellen der Kaviar heranwachsen soll.

Das Marktpotenzial für solche Produkte ist laut einer Studie der University of British Colombia groß. Die Autorin Soziologin Emily Huddart Kennedy erklärt, dass in der finanziellen Oberschicht „ethisches Essen“ zu einem neuen Statussymbol wurde.

Reviews in Fisheries Science & Aquaculture, doi: 10.1080/23308249.2021.1873244

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