Klimawandel

Große Mengen Methan in der Antarktis vermutet

von D. Lenz

Wissenschaftler vermuten anhand neuster Berechnungen ein riesiges Methanvorkommen unter dem Eis der Antarktis. Schmilzt das Eis, gelangt das Methan in die Erdatmosphäre und beschleunigt den Klimawandel.

Bristol (Großbritannien). Ein internationales Forscherteam geht davon aus, dass sich unter dem antarktischen Eis etwa vier Milliarden Tonnen Methan befinden. Bei Methan handelt es sich um eines der schlimmsten Treibhausgase, welche jetzt schon zu erheblichen Teilen an der Erderwärmung beträgt. Methan entsteht vor allem dann, wenn Pflanzen verfaulen und Tierkadaver durch Mikroorganismen zersetzt werden.

Die Antarktis war vor rund 35 Millionen Jahren ein grüner Regenwald (Forschung und Wissen berichtete) mit Milliarden Pflanzen und zahllose Tieren. Die Überreste sind nun unter einer dicken Eisschicht begraben und das durch die Verfaulung entstandene Methan wurde unter dem hohen Druck der Eisschicht und der massiven Kälte zu Methanhydrat gepresst, welches derzeit sicher unter dem Eispanzer eingeschlossen ist.

Schmilzt durch die Erderwärmung das Eis der Antarktis weiter, so gehen Jemma Wadham, Leiterin der Studie an der University of Bristol, und ihre Kollegen davon aus, dass riesige Mengen an Methan in die Erdatmosphäre gelangen und so den Treibhauseffekt weiter verstärken können. Bei diesem Effekt spricht man von einer positiven Rückkopplung, denn je mehr Methan freigesetzt wird und dieses das Klima erwärmt, desto schneller werden auch die restlichen Methanvorkommen durch das schmelzende Eis freigesetzt.

Jedoch handelt es sich bei der Berechnung nur um eine grobe Schätzung, denn für viele wichtigen Grundlagen fehlen genaue Zahlen. So gehen die Wissenschaftler davon aus, dass sich in etwa 21.000 Milliarden Tonnen organischer Kohlenstoff unter dem antarktischem Eis befinden. Lediglich ein kleiner Teil sei bisher in Methan umgewandelt worden. Der Rückgang der Eisdecke würde viele organische Überreste freilegen, die erst dann zu Methan umgewandelt werden. Slawek Tulaczyk von der University of California, die ebenfalls Mitglied des Forschungsteams war, meint: "Unsere Studie zeigt, wie wichtig eine weitere Erforschung der Lebenswelt unter dem Eisschild von Antarktika ist, weil diese abgelegenen Gebiete möglicherweise einen sehr viel größeren Einfluss auf das Klimasystem der Erde haben, als wir in der Vergangenheit dachten"

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