Klimawandel

Große Mengen an Erdöl dürften nicht mehr gefördert werden

Dennis L.

Auf den Punkt gebracht
  • 81 Prozent des weltweiten Energiebedarfs wird durch fossile Brennstoffe gedeckt
  • Mindestens 60 Prozent des Erdöls und Erdgases sowie 90 Prozent der Kohle müsste im Boden bleiben
  • Klimaforscher haben wenig Hoffnung das 1,5 Grad-Ziel noch erreichen zu können

Während die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Folgen für die Weltwirtschaft die CO2-Emissionen drastisch reduzierte, steigen diese nun wieder beispiellos an. Der Hunger nach Rohstoffen wie Erdöl, Erdgas und Kohle scheint nach der Pandemie größer denn je zu sein.

Berlin (Deutschland). Während die Kohlenstoffemissionen während der Corona-Pandemie und ihrer Folgen für die Wirtschaft reduziert wurden, steigen sie nun wieder an. In einigen Ländern waren die Treibhausgasemissionen aus der Stromerzeugung zeitweise sogar um bis zu 50 Prozent zurückgegangen, während der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung zunahm.

Wie eine aktuelle Analyse von Global Data zeigt, machte vor allem der Kohlesektor starke Verluste - welche er jedoch bereits wieder aufgeholt hat und zudem neue Höchstwerte erreicht. Die Kohleverstromung nimmt dabei vor allem in Teilen Afrikas und in Asien stark zu und liegt im Vergleich zum Vorjahr schätzungsweise um 3,5 Prozent höher.

81 Prozent des weltweiten Energiebedarfs werden durch fossile Brennstoffe gedeckt

Der Großteil des weltweiten Energiebedarfs, rund 81 Prozent, wird immer noch durch fossile Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas oder Kohle gedeckt. Klimaforschern zufolge muss die Förderung von Kohle, Öl und Gas drastisch reduziert werden, um die Erderwärmung zu bremsen.

Nach einer Modellrechnung von Wissenschaftlern des University College London, welche ihre Studie im Fachjournal Nature veröffentlichten, müssten etwa 60 Prozent der angenommenen Erdöl- und Erdgasreserven und sogar 90 Prozent der Kohlereserven im Boden bleiben - und selbst dann bestünde nur eine 50-prozentige Chance, die Erderwärmung bis 2050 auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Für Rohstoffinvestoren sind dies gute Nachrichten, denn wer mit Öl Profit machen will, dem kommen diese Rohstoff-Nachrichten nach den Turbulenzen der letzten Zeit am Aktien- und Rohstoffmarkt genau richtig. Wird weniger Gas und Öl gefördert und belässt man große Mengen im Boden, so sind die Rohstoffe noch knapper als sie bisher schon sind.

Nachbesserung einer Studie aus dem Jahr 2015

Im Jahr 2015 kam ein Team von Wissenschaftlern zu dem Schluss, dass bis 2050 etwa 35 Prozent der Ölreserven, 50 Prozent der Gasreserven und mehr als 80 Prozent der Kohlereserven ungenutzt bleiben müssten, um das 2-Grad-Ziel zu erreichen. Nach einer Neubewertung dieser Berechnung im Lichte neuer Daten und Entwicklungen kam das Forscherteam zu dem Schluss, dass wesentlich mehr fossile Brennstoffe im Boden bleiben müssen um den Treibhauseffekt zu bremsen.

Bezogen auf die Ergebnisse von 2015 müssten weitere 25 Prozent der fossilen Brennstoffe wie Gas, Kohle und Öl im Boden bleiben. „Dies variiert jedoch von Region zu Region“, so die Forscher. „In einigen Regionen ist die Fördergrenze bereits erreicht oder sogar überschritten“, heißt es weiter. Gerade in der Arktis dürften keine fossilen Ressourcen mehr abgebaut werden, warnen die Forscher.

Experten und Forscher in großer Sorge

Trotz eines beispiellosen Preisanstiegs für fossile Brennstoffe hat die Welt kaum damit begonnen, sich von dieser Abhängigkeit im Zuge des Klimawandels zu lösen, der inzwischen eine gut dokumentierte Bedrohung darstellt. Eine neue Studie warnt davor, dass ein wirtschaftlicher Zusammenbruch droht, "wenn die Länder weiterhin auf die lukrative Ausbeutung dieser Reserven angewiesen sind". Sie empfiehlt, dass die Länder rasch neue CO2-arme Wirtschaftssektoren entwickeln, die die traditionellen Arbeitsplätze wie Förderung und Raffinerien ersetzen.

Das in der Studie verwendete Modell deckt nicht die schlimmsten Szenarien ab. Es gibt Unwägbarkeiten im Erdsystem, die bei der Berechnung nicht berücksichtigt wurden. Das düstere Bild, das für die weltweite Kohle-, Erdöl- und Erdgasindustrie gezeichnet wird, ist jedoch höchstwahrscheinlich eine Untertreibung.

Auf der Grundlage des raschen technologischen Fortschritts und der Schätzungen mehrerer Forschungsgruppen geht der Sonderbericht des IPCC über die globale Erwärmung davon aus, dass der Verbrauch fossiler Brennstoffe bis zum Jahr 2050 zurückgehen wird. Dies erfordert jedoch ein globales Umdenken und gemeinsame Anstrengungen, dass Klimaziel von 1,5 Grad Celsius zu erreichen.

Nature; doi: 10.1038/s41586-021-04334-0

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