Flussverkürzung

Der Mensch hat die Donau um 134 Kilometer verkürzt

Dennis L.

Eine aktuelle Studie zeigt, dass der Mensch den zweitlängsten Fluss Europas um ganze 134 Kilometer verkürzt hat. Zudem befindet sich nur noch ein Zehntel der Donau in einem naturnahen Zustand. Forscher warnen nun vor den weiteren Folgen.

Augsburg (Deutschland). Die Donau ist neben der Wolga der zweitgrößte und zweitlängste Fluss in Europa. Dieser Fluss fließt durch zehn Länder – kein anderer Fluss der Erde hat Kontakt zu so vielen Staaten. Heute ist die Donau, inklusive ihres Quellflusses Breg, ganze 2.857 Kilometer lang. Forscher konnten nun zeigen, dass dies nicht immer so war: Die Donau war noch vor zwei Jahrhunderten 134 Kilometer länger als heute. Die Experten berichten in ihrer EU-finanzierten Studie ausführlich über die menschengemachten Flussverkürzungen sowie deren Folgen in ihrer internationalen Studie zur Erforschung der Sedimentablagerungen der Donau.

Das Bayerische Landesamt für Umwelt in Augsburg hat nicht nur mitgeteilt, dass die Donau seit Mitte des 19. Jahrhunderts rund 134 Kilometer kürzer wurde, sie wurde auch bis zu 40 Prozent schmaler. Diese Zahlen zeigen ganz deutlich, wie sehr der Mensch den Fluss durch Begradigungen, Hochwasserschutzmaßnahmen und den Bau von Staustufen verändert hat.

Sedimentablagerungen im Flussbett

Die Donau transportiert auf dem Weg vom Schwarzwald bis hin zum Schwarzen Meer gewaltige Mengen Sediment. Die erste Auswertung der Daten zeigt, dass rund ein Drittel der gesamten Flussstrecke von Sedimentablagerungen betroffen ist – ganz besonders vor großen Wasserkraftwerken. Direkt hinter den Staudämmen fehlt das Sediment und das Flussbett tieft sich ein.

Seit dem Bau der großen Staustufen kommen jedes Jahr nur noch zwischen 15 und 20 Millionen Tonnen sogenannter Schwebestoffe im Donaudelta an – über 60 Prozent weniger als noch vor zwei Jahrhunderten. Diese enormen Veränderungen im Sedimenthaushalt beeinträchtigen nicht nur Wasserwerke, sondern auch die Schifffahrt, die Wasserversorgung sowie die Landnutzung.

Um den vielen negativen Veränderungen entgegenzuwirken, wurden sogenannte Good-Practice-Maßnahmen aus dem kompletten Einzugsgebiet gesammelt, aufgearbeitet und bewertet. Dadurch können zum Beispiel bauliche Veränderungen an Buhnen, die Demontage von Uferbefestigungen, neue innovative Kraftwerke oder erosionsmindernde Maßnahmen in der Landwirtschaft zu Verbesserung des Sedimenthaushaltes beitragen. In Zukunft sollen diese Maßnahmen zur Entwicklung eines transnationalen Konzepts zum Sedimentmanagement einfließen.

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