Tropfentrocknung

Ultrafeine Bläschen kippen den Kaffeeringeffekt im Tintenstrahldruck

 Dennis Lenz

Ultrafeine Bläschen kippen den Kaffeeringeffekt im Tintenstrahldruck
(Symbolbild). Beim Tintenstrahldruck in der Mikrofertigung entscheidet die Form der getrockneten Ablagerung über Leitfähigkeit und Empfindlichkeit eines Bauteils. Bislang griffen Hersteller zu chemischen Zusätzen, die im Film zurückbleiben. Ein japanisches Team ersetzt sie nun durch Gasblasen im Nanometerbereich, die nach dem Trocknen spurlos verschwinden. (Foto: © Forschung und Wissen)

Beim Tintenstrahldruck entscheidet nicht der Tropfen selbst über die Qualität, sondern das Muster, das er beim Trocknen hinterlässt. Ein Forscherteam aus Tokio hat dieses Muster nun ohne jeden chemischen Zusatz verändert und dafür lediglich winzige Gasblasen im Nanometerbereich in die Flüssigkeit gemischt. Über die Blasendichte in einem Nanoliter großen Tropfen ließ sich die Ablagerung der Siliziumdioxid-Partikel gezielt verschieben. Für Mikroelektronik und Sensorik könnte das ein altes Fertigungsproblem entschärfen.

Tintenstrahldruck gilt längst nicht mehr nur als Verfahren für Papier und Fotos. In der Mikrofertigung dient er dazu, funktionale Schichten mit einer Präzision im Mikrometerbereich auf Oberflächen zu setzen, etwa für Leiterbahnen, Displays oder MEMS. Dabei entscheidet nicht der Ausstoß des Tropfens über die Qualität, sondern das, was nach dem Verdunsten übrig bleibt. Jeder Tropfen enthält suspendierte Partikel im Submikrometerbereich, die sich beim Trocknen umlagern und ein Muster hinterlassen. Dieses Muster bestimmt die Leitfähigkeit, die Dicke und die Empfindlichkeit der späteren Struktur. Am bekanntesten ist der Kaffeeringeffekt, bei dem die Strömung im Inneren des Tropfens die Partikel an den Rand transportiert und dort einen Ring aus Feststoff aufbaut. Für die gedruckte Elektronik ist genau das ein Problem, weil ungleichmäßige Ablagerungen die Funktion eines Bauteils messbar verschlechtern. Das betrifft Leiterstrukturen ebenso wie die Nanoelektronik, deren Bauelemente auf gleichmäßige Schichten angewiesen sind, und reicht bis in die Sensorfertigung.

Die Industrie begegnet dem bislang mit Zusätzen. Tenside senken die Oberflächenspannung und verteilen die Partikel gleichmäßiger, doch sie verschwinden nicht wieder. Sie bleiben nach dem Trocknen im Film zurück und verändern die Eigenschaften genau jener Partikel, auf die es ankommt. Bei Gassensoren aus Graphen oder Molybdändioxid hängt die Empfindlichkeit unmittelbar von einer möglichst sauberen Partikeloberfläche ab. Ein Team um Arata Kaneko von der Tokyo Metropolitan University hat deshalb nach einem Weg gesucht, der ohne zusätzliche Chemie auskommt. Statt Moleküle zuzugeben, dispergierten die Forscher ultrafeine Bläschen im Trägerwasser, also Gasblasen im Nanometerbereich, die ein spezieller Generator erzeugt. Diese Blasen wirken auf Oberflächenspannung und Benetzung, ohne die Partikel selbst chemisch anzufassen. Und sie haben eine Eigenschaft, die Tenside nicht besitzen. Nach dem Trocknen sind sie schlicht weg.

Ein Nanoliter Tinte auf Silizium

Für den Nachweis des Prinzips wählte das Team ein bewusst schlichtes Modellsystem. Siliziumdioxid-Nanopartikel wurden in Wasser dispergiert und durch einen Generator für ultrafeine Blasen geleitet. Anschließend setzten die Forscher jeweils einen Nanoliter dieser Suspension über eine Druckdüse auf ein Siliziumsubstrat und ließen die Tropfen trocknen. Ein Nanoliter entspricht einem Milliardstel Liter, der Tropfen ist mit bloßem Auge kaum als Punkt erkennbar. Verglichen wurden Suspensionen ohne Blasen mit solchen unterschiedlicher Blasenkonzentration. Die im Fachjournal Precision Engineering dokumentierte Messreihe zeigt, dass die Blasendichte als einzige veränderte Größe genügte, um die Endform der Ablagerung zu verschieben. Ohne Blasen bildete sich der klassische Kaffeeringeffekt mit einem deutlichen Randwall aus Feststoff. Mit steigender Blasenzahl aber verhielt sich der Tropfen anders, und zwar nicht linear, sondern in mehreren klar unterscheidbaren Stufen.

Warum die Blasenzahl das Muster umschaltet

Bei mittlerer Blasenkonzentration verteilten sich die Partikel deutlich gleichmäßiger über die gesamte Trockenfläche, der Randwall verschwand weitgehend. Erhöhten die Forscher die Blasenzahl weiter, kippte der Effekt in die Gegenrichtung, und die Partikel sammelten sich überwiegend in der Tropfenmitte. Zwischen reinem Rand und reiner Mitte liegt damit ein einstellbarer Bereich, der sich allein über einen Prozessparameter ansteuern lässt. Physikalisch greifen die Blasen in das Zusammenspiel aus Verdunstungsrate am Rand, Kapillarströmung und Marangoni-Konvektion ein, also in jene Strömungen, die Partikel im Inneren eines trocknenden Tropfens transportieren. Entscheidend für die Anwendung ist die Rückstandsfreiheit. Anders als Tenside hinterlassen die Blasen nach dem Trocknen nichts, was die Partikeloberfläche belegen könnte. Genau darauf reagieren empfindliche Bauelemente, wie sie auch hinter Nanosensoren für die Atemluftanalyse stecken, ausgesprochen empfindlich.

Was das für gedruckte Bauteile bedeutet

Für die gedruckte Elektronik ist ein zusatzfreier Stellhebel deshalb mehr als eine Laborkuriosität. Leitfähige Nanopartikel in Leiterbahnen brauchen möglichst blanke Oberflächen, damit der Kontaktwiderstand zwischen den Partikeln niedrig bleibt. Gassensoren wiederum leben davon, dass ihre aktive Fläche zugänglich ist. Wer die Schichtform ohne Chemie einstellen kann, gewinnt einen Freiheitsgrad, der bislang mit Materialkompromissen bezahlt wurde. Ähnlich wie in der Materialforschung, wo sich Eigenschaften wie die Wärmeleitfähigkeit heute gezielt über Nanostrukturen steuern lassen, verschiebt sich die Kontrolle vom Rezept hin zum Prozess. Einschränkungen bleiben. Der Nachweis stützt sich auf ein Modellsystem aus Siliziumdioxid in Wasser auf einem glatten Substrat. Ob sich das Verhalten auf metallische Tinten, raue Oberflächen oder industrielle Druckgeschwindigkeiten überträgt, ist offen. Die Arbeitsgruppe nennt genau diese Übertragung als nächsten Schritt.

Precision Engineering, Inkjet printing of ultrafine-bubble-added SiO2 nanoparticle suspensions for film morphology control; doi:10.1016/j.precisioneng.2026.05.014

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