Von: Dennis L.
DSL auf der ISS

Störungsunempfindliches Internet im Weltraum

Die Weltraumorganisationen ESA und NASA entwickeln derzeit gemeinsam ein störungsunempfindliches Internet speziell für den Weltraum. Das neue Internet, welches dem DSL der Erde sehr ähnelt, unterscheidet sich vor allem durch die Eigenschaft der Informationsspeicherung vom irdischen Internet.

Die Internationale Raumstation.
© nasa.gov

Darmstadt (Deutschland). Bis heute nutzen ESA und NASA für Kommunikationsprotokolle den Internetstandard der Erde. Dies soll sich in Zukunft ändern, denn das normale Internet weist für den Einsatz im Weltraum einige Schwachstellen auf. So ist die Störanfälligkeit ein großes Problem, welches im Ernstfall zu Verlust Millionen teurer Raumsonden und Rover kommen kann. Zudem kann das normale Kommunikationsprotokoll keine Informationen speichern. Diese Eigenschaft wäre sinnvoll, wenn beispielsweise eine Raumsonde kurzzeitig hinter einem Planeten oder einem Mond verschwindet und der Kontakt unterbrochen wird. Signale die während dieser Zeit gesendet werden verschwinden in den weiten des Weltraums. Das neue Internet soll eine Speichermöglichkeit besitzen, welche die gesendeten Informationen in einem solchen Fall sofort zustellt, sobald die Raumsonde oder der Rover wieder erreichbar ist.

Vor einigen Tagen steuerte die NASA-Astronautin Sunita Williams von der Internationalen Raumstation ISS über das neue Kommunikationsprotokoll einen ESA-Rover in Deutschland. Wie die ESA berichtet, ähnelt das neue unterbrechungstolerante Netzwerk dem Internet wie wir es von der Erde kennen. Doch für Reisen in die Weiten des Weltraumes benötigen die Weltraumorganisationen ein robusteres Kommunikationssystem. Die wohl wichtigste Eigenschaft des Weltraum-Internet ist die Speichermöglichkeit von Signalen. Sollte ein Signal verloren gehen kann das neue Kommunikationsprotokoll die Nachricht zustellen, sobald die Verbindung wieder hergestellt wurde.

Damit dies funktioniert, wollen die Wissenschaftler mehrere Netzwerkknoten im Weltraum installieren. Ein gesendetes Signal wird dann in kleinere Datenpakete aufgeteilt und von Netzwerkknoten zu Netzwerknoten geschickt bis der Empfänger erreichbar ist und die Daten vollständig übermittelt werden können.

In Form eines gemeinsamen Tests steuerte Williams nur mit Hilfe eines Laptops, den Rover Mocup in Deutschland. Während der Probefahrt fotografierte Williams einige Testobjekte. Ein internationales Forscherteam, bestehend aus ESA- und NASA-Wissenschaftlern, beobachte und protokollierte die Fahrt. Dier Rover Mocup fuhr dabei über eine nachgebildete Planetenoberfläche im Darmstädter ESA-Kontrollzentrum ESOC und sandte Videobilder zurück, welche der NASA-Astronautin auf der ISS Orientierungshilfe gab.

Bei diesem Versuch handelte es sich um den ersten Schritt einer völlig neuen Art der Planetenentdeckung. Zukünftig werden neben menschlichen Entdeckern auch weiterhin Rover auf Planetenoberflächen eingesetzt. Diese können mit dem neuen Internet sicher vom Raumschiff im Orbit des Planeten gesteuert werden. "Selbstverständlich lassen sich mit dem neuen Kommunikationsprotokoll auch weit entfernte Rover und Sonden von der Erde aus steuern", fügt ein ESA-Sprecher hinzu.

Kim Nergaard vom ESOC erklärt: "Stellen Sie sich ein Weltraum-Internet für alle mit diesem Netzwerk verbundenen Objekte vor, die sich auf dem Mars oder anderen Himmelskörpern befinden oder in einer Umlaufbahn kreisen". Ein solches unterbrechungstolerantes Netzwerk leitet Signale immer über den am besten geeigneten Pfad weiter. Bei dem Test in der Internationalen Raumstation wurden viele Konfigurationen getestet. Nachdem die Wissenschaftler alle Daten des Tests ausgewertet haben, werden wir in neuen Experimenten weitere Bestandteile testen.

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