Robert Klatt
Atomkraftwerke benötigen eine komplexe Abschirmung, um einen Austritt der Strahlung zu verhindern. Ein Start-up möchte deshalb kleine Atomkraftwerke in kilometertiefen Löchern im Untergrund errichten. Die SMR könnten in Zukunft Energie für KI-Rechenzentren liefern.
Berkeley (U.S.A.). In den kommenden Jahren nimmt der globale Strombedarf durch Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz (KI) rapide zu. Ein Industriekonsortium, zu dem unter anderem Google, Meta und Amazon gehören, möchte deshalb die Stromproduktion aus Atomkraft bis 2050 verdreifachen und dazu auch eigene Small Modular Reactors (SMR), also kleine Atomkraftwerke, errichten. Das Start-up Deep Fission arbeitet daran, solche Kraftwerke unterhalb der Erde in tiefen Bohrlöchern zu installieren, um die Probleme bei der Abschirmung zu vermeiden.
Deep Fission hat nun in Parsons im Bundestaat Kansas seine erste Tiefenbohrung für einen unterirdischen Atomreaktor gestartet. Insgesamt sollen an dem Standort drei, jeweils knapp zwei Kilometer tiefe Bohrungen durchgeführt werden. Die Bohrlöcher mit einem Durchmesser von nur 20 Zentimetern sollen vorerst für die Untersuchung des Bodens verwendet werden und Daten zum Grundwasser, der geologischen Stabilität sowie den Temperatur- und Druckverhältnissen erbringen. Anschließend sollen diese Daten für die Weiterentwicklung des SMR verwendet werden.
Das Ziel von Deep Fission ist es, den selbstentwickelten Druckwasserreaktor in einem deutlich größeren Loch abzusenken. Der dortige Druck wäre ausreichend, um einen kleinen Reaktor betreiben zu können, und die Abschirmung durch den Boden würde einen Austritt der Strahlung an die Oberfläche verhindern. Es ist geplant, dass der Druckwasserreaktor eine Leistung von 15 Megawatt (MW), also rund ein Prozent eines herkömmlichen Atomkraftwerks, hat.
Kritiker sind der Ansicht, dass die Installation im Boden problematisch ist, weil alle Arbeiten, etwa die Entnahme von spaltbaren Materialien, ferngesteuert ablaufen müssten. Trotz der Kritik fördert das US-Energieministerium das Projekt. Investoren haben dem Start-up zudem bereits zugesichert, rund 800 Atomkraftwerke zu kaufen, wenn das Konzept funktioniert.
Quellen:
Pressemitteilung von Deep Fission