Weltrekord im freien Fall

Spezieller Raumanzug liefert NASA-Zulieferer wichtige Erkenntnisse

D. Lenz

Mit dem Sprung aus 40.424 Metern Höhe, was den Übergang zwischen Stratosphäre und Weltraum bedeutet, hat Alan Eustace einen neuen Weltrekord aufgestellt. Zuvor schaffte Felix Baumgartner den bisherigen Rekordsprung. Anders als beim Österreicher fehlten beim jetzigen freien Fall durch die Schallmauer, eine Transportkapsel für den Aufstieg, vielmehr ging es um die Fähigkeiten des verwendeten Raumanzugs.

Roswell (U.S.A.). Für die Öffentlichkeit fast unbemerkt verliefen die Vorbereitungen wie auch der Sprung aus der Stratosphäre von Alan Eustace. Mit einem erfolgreich durchgeführten Weltrekord kann sich der Amerikaner dann doch nicht gänzlich bedeckt halten, immerhin überbot er den bisherigen Spitzenanwärter Felix Baumgartner um mehr als zwei Kilometer. Auch wenn der Österreicher seinen Titel hinsichtlich der Fallhöhe abgeben muss, Baumgartners Fallgeschwindigkeit mit 1357,6 Stundenkilometern bleibt auch mit dem aktuellen Sprung des Amerikaners unerreicht.

Wichtiger Test für künftige NASA-Weltraumtechnik

Zwischen den beiden Sprüngen liegen fast genau zwei Jahre. Vor drei Jahren begann der heute 57-jährige Alan Eustace die gemeinsamen Vorbereitungen mit dem Weltraumtechnik-Zulieferer Paragon Space Development Corporation. Dieses Unternehmen baut mit an der Technik für die zukünftigen Orion Weltraumkapseln der NASA, deren Hersteller die privaten Konzerne SpaceX und Orbital Sciences-Boing sind. Paragon liefert unter anderem die Lebenserhaltungssysteme für die Kapseln wie auch für die Weltraumanzüge der Astronauten. Die NASA setzt bei den kommenden Weltraummissionen auf die Finanzkraft privater amerikanischer Konzerne, diese sollen dann die Fertigung wie auch die Wartung der neuen Shuttles übernehmen. Arbeitgeber von Eustace ist der Suchmaschinen-Gigant Google. Dort ist er ein führender Manager. Dennoch hielt sich Google hier bewusst im Hintergrund.

Mit dem jetzigen Sprung über New Mexico sollte die Tauglichkeit eines neuartigen Weltraumanzugs unter Extrembedingungen getestet werden. Nicht nur beim freien Fall war der ausgebildete Pilot und Halter eines kleinen Privatflugzeuges auf die integrierte Sauerstoffversorgung des Schutzanzuges angewiesen.,Der Aufstieg erfolgte nur mit dem Schutz dieser dünnen künstlichen Außenhaut des Anzuges im Zeitraum von etwa zwei Stunden bei einem Aufstieg von 300 Metern in der Minute. An einen Heliumballon befestigt, stieg Alan Eustace bis auf 41,42 Kilometer. Dort stabilisierte er seine Position, verharrte eine halbe Stunde mit der Sicht auf die Erde und den Weltraum, dann klinkte er sich vom Ballon ab.

Während der Zeit des freien Falls von etwa fünf Minuten blieb die Stabilität des Piloten bestehen. Die spezielle Konstruktion des Anzuges sicherte den Flug durch die Schallmauer. Anders als Felix Baumgartner bei seinem Sprung von vor zwei Jahren, blieb der Amerikaner die ganze Zeit bei vollem Bewusstsein. Auch in dieser Hinsicht helfen die gewonnenen Daten bei der Entwicklung neuer Raumanzüge.

Auch der restliche Flug am Fallschirm verlief sicher. Nachdem der als Abenteurer bekannte Alan Eustace wieder festen Boden unter den Füßen hatte zeigte sich der Rekordhalter sichtlich bewegt von den Eindrücken so nahe am Weltraum. Auch Felix Baumgartner gratulierte fair von seiner Facebook Seite aus.

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