A350-1000ULR

Längster Langstreckenflug der Welt dauert 24 Stunden

 Dennis Lenz

Längster Langstreckenflug der Welt dauert 24 Stunden
(Symbolbild) Ein Testflugzeug vom Typ Airbus A350-1000ULR legte zwischen Melbourne und Toulouse 23.075,92 Kilometer ohne Zwischenlandung zurück und war dabei 24 Stunden und 24 Minuten in der Luft. Der Flug gehörte zum Zertifizierungsprogramm für die ultralange Version des Musters, die für nonstop geflogene Verbindungen zwischen Australien, London und New York vorgesehen ist. Die Strecke übertrifft die bisherige Bestmarke einer Boeing 777-200LR aus dem Jahr 2005. Offiziell anerkannt ist der Rekord noch nicht. (Foto: © Forschung und Wissen)

Ein Testflugzeug des Typs Airbus A350-1000ULR ist von Melbourne nach Toulouse geflogen und hat dabei 23.075,92 Kilometer ohne Zwischenlandung zurückgelegt. Der Langstreckenflug dauerte 24 Stunden und 24 Minuten und führte bewusst über den Pazifik, Nordamerika und den Atlantik statt auf direktem Weg nach Westen. Damit liegt die Strecke über der bisherigen Bestmarke aus dem Jahr 2005. Millionen Menschen verfolgten den Flug live mit, und der Hintergrund des Umwegs erklärt, worauf Passagiere sich künftig einstellen können.

Ultralange Verbindungen sind technisch anspruchsvoll, weil jede zusätzliche Stunde Flugzeit zusätzlichen Treibstoff verlangt, dieser Treibstoff wiegt und das Mehrgewicht wiederum den Verbrauch erhöht. Aus dieser Rückkopplung ergibt sich für jedes Muster eine wirtschaftliche Grenze. Hersteller verschieben sie über aerodynamische Feinarbeit, über Triebwerke mit höherem Wirkungsgrad und über Rumpf- und Flügelstrukturen aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, die bei gleicher Festigkeit leichter ausfallen als klassische Aluminiumbauweisen. Hinzu kommen zusätzliche Tanks und ein angepasster Innenausbau. Der Zusatz ULR steht für Ultra Long Range und bezeichnet genau solche Varianten, die für Missionen von rund zwanzig Stunden ausgelegt sind. Vor dem kommerziellen Einsatz muss ein Hersteller den Behörden nachweisen, dass Zelle, Systeme, Kraftstoffreserven und Betriebsverfahren auch am äußersten Ende dieses Bereichs zuverlässig funktionieren.

Genau dafür stand der Flug mit dem Kennzeichen F-WULR. Die Maschine startete am 27. Juli 2026 um 07:28 Uhr UTC in Melbourne und setzte am 28. Juli um 07:52 Uhr UTC in Toulouse auf, dem Sitz des Herstellers. Statt der kürzesten Route nahm die Besatzung den Weg nach Osten über den Pazifik und den nordamerikanischen Kontinent, überflog dabei unter anderem Sydney und London sowie das Werk, in dem die Triebwerke des Flugzeugs gebaut werden. Die zurückgelegte Distanz von 12.460 Seemeilen entspricht 23.075,92 Kilometern. Der Flug war Teil des Zertifizierungsprogramms und sollte belegen, dass eine Blockzeit von mehr als 23 Stunden darstellbar ist. Eine offizielle Anerkennung der Bestleistung steht noch aus.

Warum dieser Langstreckenflug den Umweg nahm

Der Umweg war kein Zufall, sondern Teil der Aufgabenstellung. Für den Nachweis zählt nicht die kürzeste Verbindung, sondern die maximale Belastung von Zelle, Systemen und Besatzung über eine möglichst lange zusammenhängende Mission. Eine Ostroute über den Pazifik nutzt zudem die vorherrschenden Höhenwinde und verlängert die Strecke, ohne die Reserven zu gefährden. Hintergrund ist das Vorhaben Project Sunrise der Fluggesellschaft Qantas, die die Ostküste Australiens ohne Zwischenstopp mit London und New York verbinden will. Die dafür vorgesehene Variante trägt zusätzlichen Kraftstoff und ist für Einsätze von etwa zwanzig Stunden ausgelegt, also deutlich unterhalb dessen, was der Testflug demonstriert hat. Dieser Abstand zwischen Nachweis und geplantem Betrieb ist in der Zulassung üblich, weil Reserven für Ausweichflughäfen, Warteschleifen und ungünstige Winde eingeplant werden müssen.

Was 24 Stunden in der Kabine für Passagiere bedeuten

Für Reisende verschiebt sich damit eine Grenze, die bislang die Streckenplanung bestimmte. Bisher zerfiel die Verbindung zwischen Australien und Europa fast immer in zwei Abschnitte mit einem Aufenthalt in Asien oder am Golf. Eine durchgehende Verbindung spart diesen Bruch, verlängert aber die Zeit an Bord erheblich. Moderne Muster mit Rumpf aus Faserverbundwerkstoff können den Kabinendruck auf ein niedrigeres Höhenäquivalent einstellen und eine höhere Luftfeuchtigkeit halten als ältere Aluminiumkonstruktionen, weil das Material nicht in gleichem Maß korrodiert. Beides gilt als relevant für Kopfschmerzen, Austrocknung und Erschöpfung auf sehr langen Strecken. Offen bleibt, wie Fluggesellschaften Sitzabstände, Beleuchtungsprogramme und Mahlzeitenrhythmus auslegen, denn diese Faktoren entscheiden bei zwanzig Stunden stärker über das Wohlbefinden als die reine Flugzeit. Auch die Dienstpläne der Besatzungen müssen entsprechend erweitert werden.

Ein Rekordmonat für den weltweiten Luftverkehr

Der Flug fiel in einen ohnehin außergewöhnlichen Monat. Am 23. Juli 2026 registrierte der Dienst Flightradar24 in seiner Monatsauswertung 153.359 kommerzielle Flüge an einem einzigen Tag, ein Plus von 5,9 Prozent gegenüber dem entsprechenden Donnerstag des Vorjahres. Der Testflug selbst wurde 3.652.947 Mal verfolgt und ist damit der am zweithäufigsten beobachtete Einzelflug in der Geschichte des Dienstes. Der vorausgegangene Hinflug von Toulouse nach Melbourne, der 19 Stunden und 12 Minuten dauerte, liegt mit 2.972.670 Aufrufen auf dem dritten Platz. Solche Zahlen zeigen, wie stark einzelne technische Nachweise inzwischen öffentlich begleitet werden. Ähnlich genau beobachtet wird derzeit die Entwicklung neuer Werkstoffe, etwa einer besonders festen Legierung aus Kobalt und Aluminium.

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