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Sofortüberweisung

Hält die Bankenwelt mit der digitalen Entwicklung Schritt?

Die Digitalisierung macht auch vor der Finanzbranche keinen Halt. Für Verbraucher ist dies mit verschiedenen Innovationen verbunden, welche den Umgang mit Banken und dem Zahlungsverkehr einfacher machen können. Für die Finanzinstitute ist dies allerdings mit vielen Herausforderungen verbunden.

(Deutschland). Ein Bankkonto braucht heute jeder. Kaum vorzustellen, wie der Alltag ohne das Girokonto und die Bankkarte aussehen würde. Der neue (einige hundert Euro teure) Fernseher müsste bar bezahlt werden. Und wie dick das Portemonnaie, wenn das Auto plötzlich wieder beim Händler fein säuberlich mit unzähligen Banknoten zu bezahlen ist. Dabei liegt die Zeit, in welcher Bargeld sprichwörtlich noch im Sparstrumpf steckte, gar nicht so weit zurück. Bankkonten für den alltäglichen Zahlungsverkehr haben sich erst in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts durchgesetzt. Inzwischen existieren – zumindest geht dies aus Zahlen des Bankenverbands hervor – in Deutschland mehr als 100 Millionen Girokonten.

Überweisungen zwischen den einzelnen Konten sind fundamentaler Bestanteil der Nutzung. Daran hat sich auch mit dem Aufkommen des Onlinebankings und der FinTechs nichts geändert. Aber: Im Vergleich zur Jahrtausendwende sind die Rahmenbedingungen heute komplett anders. Banken sind in den letzten Jahren zunehmend unter Druck geraten. Auch, weil Zahlungsdienstleister Überweisungen in Echtzeit ermöglichen. Sparkassen haben jetzt nachgezogen und Sofortüberweisungen eingeführt. Hat dieser Schritt das Zeug, der FinTech-Konkurrenz den Rang abzulaufen? Oder müssen sich Filialbanken mit der Erkenntnis abfinden, dass FinTech-Unternehmen das Ruder in die Hand nehmen?

Sofortüberweisungen - wie funktioniert das Ganze?

Worum es bei einer Sofortüberweisung – auch als Instant Payment bekannt - geht, erschließt sich eigentlich schon aus dem Namen. Sobald ein Bankkunde beim kontoführenden Institut einen Überweisungsbeleg einreicht, wird das eigene Konto belastet und der Überweisungsbetrag beim Empfänger gutgeschrieben.

Dieses auf den ersten Blick simple Prinzip ist bei vielen heute etablierten Online-Bezahldienstleistern etabliert. Bewährt unter anderem in Onlineshopping oder wenn Geld ins Ausland verschickt werden muss – etwa im Rahmen eines Auslandssemesters – stellt das Instant Payment Filialbanken immer noch vor Herausforderungen.

Überweisung: So ging´s bisher

Hintergrund für die Schwierigkeiten mit der Sofortüberweisung sind die Prozesse, welche sich hinter einer Überweisung verbergen. Bankkunden sehen nur, wie sie die Anweisung zur Versand des Guthabens erteilen und wie es auf einem anderen Konto verbucht wird. Die Laufzeit liegt heute innerhalb Deutschland normalerweise bei einem Bankarbeitstag. Überweisungen ins Ausland können immer noch länger dauern.

Was sorgt für diesen Zeitverlust? Sobald Bankkunden am Schalter einen ausgefüllten Überweisungsträger einreichen bzw. im Onlinebanking eine Überweisung autorisieren, setzt sich eine Maschinerie in Bewegung.

Die Überweisung muss in der Bank bearbeitet und überprüft werden. Anschließend geht die Überweisung elektronisch auf die Reise – zu einer Clearingstelle. Diese ist für das Feststellen von Verbindlichkeiten und Forderungen zuständig. Je nach der Beziehung, in welcher das abgebende und empfangende Bankkonto zueinanderstehen (institutseigen oder institutsfremd) sind andere Verrechnungsstellen zuständig. Im Fall einer Hausüberweisung kann das Clearing entfallen, ansonsten ist das Ganze ein Fall für die:

  • Verrechnungsstellen der Gironetze
  • Deutsche Bundesbank

Nach dem Umweg über die Verrechnungsstelle erfolgt die Anweisung an die Bank des Empfängerkontos zur Gutschrift. Durch diesen Vorgang wurden Überweisungen bisher im bekannten Rahmen ausgedehnt. Auch die Einführung von SEPA (Single Euro Payments Area) konnte das Zeitfenster bisher häufig nur auf einen Tag verkürzen. Das System hat viele Vorteile im Vergleich zu den nationalen Lösungen zuvor, jedoch gibt es auch einzelne Unsicherheiten. So hat der Name eines Zahlungsempfängers seine Priorität im Vergleich zu einer Referenznummer eingebüßt, was Fehlüberweisungen problematisch macht.

Instant Payment – Sofortüberweisung mit Rückendeckung der EZB

Überweisungen, die mehrere Tage unterwegs sind, passen nicht mehr in eine Zeit, welche von der Digitalisierung immer stärker beeinflusst wird. Zu dieser Erkenntnis ist inzwischen auch die EZB (Europäische Zentralbank) gekommen. Das Ziel: Sowohl das Clearing als auch das Settlement (also die Gutschrift) müssen zeitnah erfolgen.

Vor diesem Hintergrund ist das Konzept zum SCT Inst entstanden. SCT Inst steht für SEPA Credit Transfer Instant und umschreibt ein Regelwerk, welches für die Zahlungen gilt. Diese umfassen Punkte wie:

  • Zahlungen quasi in Echtzeit – Abwicklung innerhalb von 10 Sekunden
  • Ausführungen an 365 Tagen rund um die Uhr
  • Multikanalfähigkeit

Sehr wichtig sind bei der Funktion der Sofortüberweisungen zwei Punkte. Einmal die Limitierung auf Beträge von maximal 15.000 Euro. Auf der anderen Seite ist das Instant Payment mit einer Unwiderruflichkeits-Klausel verbunden. Jeder Bankkunde, der gern zu dieser Überweisung greifen will, muss sich über diesen Umstand im Klaren sein.

Angebot und Gebühren der Sofortüberweisung

Auf den ersten Blick hat die neue Sofortüberweisung sehr viele Vorteile. Statt Tage auf die Gutschrift einer Überweisung warten zu müssen, ist das Geld bei den beteiligten Sparkassen blitzschnell da. Gerade im B2B- und dem B2C-Bereich haben die Echtzeit-Überweisungen ihre Stärken. So kann im Onlineshopping Ware sofort bezahlt und umgehend verschickt werden. Aber: Nicht jede deutsche Sparkasse bietet diesen Service bisher an.

Es handelt sich bei den Instant Payment Lösungen immer noch um optionale Angebote. Rückendeckung bekommen die Banken diesbezüglich von der EZB. Die Optionalität ist eines der Kriterien, welches an die SEPA Instant Payments geknüpft ist.

Als optionales Zahlungssystem ist zudem davon auszugehen, dass Instant Payments keine kostenfreie Alternative sind. Wie hoch die Gebühren ausfallen, ist von Sparkasse zu Sparkasse sehr unterschiedlich. Einige Institute bieten diesen zusätzlichen Service kostenfrei an, andere Sparkassen verlangen dafür Summen zwischen 0,50 bis 1 Euro.

Achtung: Damit Geld in Echtzeit überwiesen werden kann, muss das Bankkonto zwingend zum Onlinebanking zugelassen sein. Ohne diese Möglichkeit der Kontoführung sind die Sofortüberweisungen nicht möglich.

Die Digitalisierung ist schon weiter

Eine Entscheidung zu schnellen Überweisungen ist für die Bankenbranche überfällig gewesen. Mittlerweile existiert das System seit 2017, Vorreiter für Deutschland war die Hypo-Vereinsbank. Letztere führte den Service im Herbst 2017. Kreditinstitute feiern die Einführung des Instant Payments als großen Schritt.

Richtig ist, dass die Filialbanken sich damit in die richtige Richtung bewegen. Wer als Verbraucher in der Vergangenheit bereits auf FinTechs aufmerksam geworden ist oder sogar mit elektronischen Geldbörsen (den sogenannten E-Wallets) gearbeitet hat, wird die Ankündigungen eher mit einem müden Lächeln quittieren.

Der Grund: Bezahldienstleister, zu denen heute unter anderem Paypal, Skrill und Neteller gehören, nutzen ähnliche Funktionen bereits seit Jahren. Und während das SEPA Instant Payment aktuell für gut drei Dutzend Länder angeboten wird, können die Bezahldienste eine teils deutlich weiterreichende Funktionalität anbieten.

Bedeutet: Die Digitalisierung, welche den Banken zu neuen Produkten verhilft, zeigt hier ihre Nachteile für die Branche. Aufstrebende Finanzdienstleister, die sich voll auf mobiles Banking konzentrieren, könnten den Druck auf die etablierten Filialbanken noch einmal deutlich verschärfen.

Wie könnte das Bankwesen in 20 Jahren aussehen?

In den letzten 10 Jahren hat sich die Digitalisierung in der Gesellschaft voll durchgesetzt. Mit der Nutzung von PC, Smartphone, Tablet beziehungsweise Internet verändert sich auch das Nutzungsverhalten der Verbraucher. Zahlungen, die in Echtzeitabgewickelt werden, sind am Ende nur die Spitze des Eisbergs.

Banken werden sich auf einen zunehmend härter werdenden Wettbewerb einstellen müssen. FinTech-Unternehmen streben mit immer neuen Servicelösungen in einen Markt, welcher in den letzten Jahren konsolidiert schien.

Wie Banken in 20 Jahren aussehen, ist schwer absehbar. Generell ist davon auszugehen, dass Filialen zunehmend verschwinden werden. Parallel dürfte es zu einer starken Verschiebung beim Bedarf nach Mitarbeitern kommen. Denkbar ist auch, dass Banken und Finanzdienstleister stärker in den Alltag eingebunden werden. Beispiel: In Onlineshops kann mit einem Klick direkt (in Echtzeit) ein Produkt bezahlt werden.

Inländische Banken werden nicht nur durch die Digitalisierung unter Druck geraten. Eine Öffnung des Markts sorgt für mehr Konkurrenz, wodurch Großbanken aus dem Ausland zunehmend an Bedeutung – auch in Deutschland – gewinnen. Doch die Finanzinstitute bleiben nicht stehen. Laut einer Studie zur Zukunft des Bankwesens arbeiten führende Banken bereits mit erfolgreichen Fintechs zusammen und versuchen, hier Fuß zu fassen. Es dürfte spannend werden, diese Entwicklung zu beobachten.

Fazit: Mit Instant Payment werden Sparkassen digital

Digitalisierung macht vor Banken nicht halt. Diese Erkenntnis ist in der Branche inzwischen angekommen. Und führt zu neuen Serviceleistungen wie der Sofortüberweisung. Letztere ist inzwischen auch bei einigen Sparkassen verfügbar und soll den Vorsprung verschiedener FinTechs abbauen. Wird sich so die Transformation der Filialbank vollziehen lassen? Sparkassen stehen heute – wie viele Geldhäuser – vor Problemen, wenn es um die Digitalisierung geht. Instant Payment ist sicher ein wichtiger Schritt. Zukunftsfähig werden Banken aber nur dann, wenn sie sich in vielen Bereichen neu erfinden und auch zu schmerzhaften Reformen bereit sind.

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