Robert Klatt
In Nordrhein-Westfalen (NRW) gibt es seit 2012 islamischen Religionsunterricht (IRU) an einigen Schulen. Eine Studie zeigt nun, die Auswirkungen.
Münster (Deutschland). In Nordrhein-Westfalen (NRW) wurde im Schuljahr 2012/2023 an einigen Grundschulen der bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht (IRU) eingeführt, der nicht über den Islam informieren soll, sondern aus der Innenperspektive des Glaubens unterrichtet wird. Er richtet sich also an Schüler, die bereits an die Grundüberzeugungen des Islams glauben, und soll ihnen dabei helfen, ihre Religion zu reflektieren und verantwortlich damit umzugehen. Seit 2013/2014 wird der IRU auch in der Sekundarstufe I und seit 2016/2017 in der Oberstufe unterrichtet. Inzwischen nehmen rund 32.000 Schüler in NRW an 247 der rund 5400 Schulen am IRU teil, also nur rund sechs Prozent der über 500.000 muslimischen Schüler.
Wissenschaftler des Instituts für Islamische Theologie an der Universität Münster haben nun eine Studie publiziert, die im Auftrag der Schulministerin Dorothee Feller (CDU) untersucht hat, welche Auswirkungen der IRU auf die Schüler hat. Laut der Studie führt der islamische Religionsunterricht dazu, dass die Schüler weniger empfänglich für Homophobie, Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit sind. Er leistet somit einen Beitrag dazu, dass die in Deutschland gelebte Demokratie als Bestandteil und nicht als Gegensatz zur islamischen Lehre verstanden wird.
Laut Feller ist der IRU vor allem ein Gegengewicht zu den oft problematischen, religiösen Inhalten im Internet.
„Denn es macht einen erheblichen Unterschied, ob religiöse Identitätsbildung in der Schule oder auf TikTok stattfindet.“
Die Wissenschaftler der Universität Münster teilen die Ansicht, dass IRU an Schulen sinnvoll ist, weil der Einfluss von religiösen Extremisten, Hasspredigern und Fundamentalisten auf die religiöse Identitätsbildung abnimmt. Sie sprechen sich deshalb für eine Ausweitung des IRU an weiteren Schulen aus. In der Praxis ist dies jedoch problematisch, weil nicht ausreichend qualifizierte Lehrer für den Islamunterricht beschäftigt werden können.