Easyheights

Virtual-Reality-App bekämpft Höhenangst

Robert Klatt

Die kostenlose VR-App Easyheights kann Höhenangst so wirksam behandeln wie eine klassische Expositionstherapie bei einem Psychotherapeuten.

Basel (Schweiz). Etwa fünf Prozent der Weltbevölkerung leiden unter Höhenangst, die bei einer starken Ausprägung sogar zu körperlichem Unwohlsein führen kann. Behandelt wird diese Phobie mithilfe der Expositionstherapie, bei sich die betroffene Menschen in Begleitung eines Psychotherapeuten der gefürchtetsten Situation aussetzen. Problematisch daran ist, dass die zur Behandlung nötigen Angst-Situationen sich einer psychotherapeutischen Praxis kaum nachbilden lassen. Die Expositionstherapie ist bei Menschen mit Höhenangst deshalb bisher sehr aufwendig.

Wissenschaftler der Universität Basel haben deshalb eine App entwickelt, die eine Expositionstherapie gegen Höhenangst aus dem heimischen Wohnzimmer ermöglichen soll. Laut der Publikation im Fachmagazin NPJ Digital Medicine benötigen Patienten zur Verwendung lediglich ein Smartphone und eine Virtual-Reality-Brille.

360-Grad-Aufnahmen realer Orte

Das Team um Dorothée Bentz hat die App unterschiedliche 360-Grad-Aufnahmen realer Orte mit einer Drohne angefertigt. Nutzer der App können diese Orte virtuell besuchen. Sie starten dabei in einer Perspektive, die ein Meter über dem Boden liegt. Nach einer Gewöhnungszeit wird die Perspektive in der App automatisch erhöht. Die Nutzer der App werden so nicht plötzlich einer hohen Höhe ausgesetzt, sondern können sich langsam, aber stetig ihrer individuellen Angsthöhe annähern und sich an das Gefühl während der virtuellen Exposition gewöhnen.

Wirksamkeit der App bestätigt

Eine klinische Studie mit 50 Höhenangst-Patienten hat die Wirkung der App bestätigt. Dazu bestiegen vor Beginn der Expositionstherapie alle Probanden einen realen Aussichtsturm. Die Wissenschaftler dokumentierten dabei, welche Höhe die Patienten erreichen konnten und wie hoch ihre empfundene Angst auf jeder Etage war. Die Probanden wurden dann in zwei Gruppen unterteilt, von der eine Gruppe ein vierstündiges Höhentraining in der virtuellen Realität durchführte. Anschließend wurde das Experiment auf dem realen Turm wiederholt.

Dabei zeigte es sich, dass Patienten, die mit der App trainiert hatten, weniger Angst auf dem Turm empfunden und höher steigen konnten als zuvor. In der Kontrollgruppe gab es hingegen keine Veränderungen. Die Wirksamkeit der virtuellen Expositionstherapie ist laut ihrer Entwickler identisch mit der klassischen Expositionstherapie eines Psychotherapeuten.

Dorothée Bentz: „Neu ist jedoch, dass Smartphones die virtuellen Szenarien erzeugen und diese sonst technisch aufwendige Therapieform damit deutlich zugänglicher wird.“

App bald kostenfrei verfügbar

Die Wissenschaftler konstatieren somit, dass die VR-App zumindest dabei helfen kann, die Höhenangst abzumildern. Außerdem ermöglicht die App einen einfacheren Zugang zum Expositionstraining. Bei Personen mit stark ausgeprägter Höhenangst sollte laut den Entwicklern aber stets eine Begleitperson anwesend sein.

In wenigen Wochen soll die kostenlose App „Easyheights“ in den großen App-Stores veröffentlicht werden.

NPJ Digital Medicine, doi: 10.1038/s41746-021-00387-7

Spannend & Interessant
VGWortpixel