Covid-19-Pandemie

Soziale Roboter könnten bei Isolation im Lockdown helfen

Robert Klatt

Soziale Roboter könnten psychisch anfälligen Menschen während des Covid-19-Lockdowns als Gesellschaft dienen und die Folgen der sozialen Isolation reduzieren.

Stuttgart (Deutschland). Die soziale Isolation und die fehlende Tagesstruktur treffen laut einer Studie der Stiftung Deutsche Depressionshilfe vor allem depressive Menschen. Die Allgemeinbevölkerung leidet aber auch unter den aufgrund der Covid-19-Pandemie nötigen Lockdowns. Nun hat ein Team aus Wissenschaftlern aus den Niederlanden, Schweden, der Türkei unter Leitung von Alexander P. Henkel von der Universität Hohenheim im Journal of Service Management eine Studie publiziert, laut der sogenannte soziale Roboter psychisch anfälligen Menschen während des Lockdowns helfen könnten.

In der Studie erklären die Wissenschaftler, dass „durch die aufgrund der COVID-19-Pandemie ergriffenen Quarantänemaßnahmen derzeit viele Menschen in sozialer Isolation leben.“ Laut Henkel kann sich das „sowohl kurz- als auch langfristig nachteilig auf ihre psychische Gesundheit auswirken.“

Roboter als Unterstützung

Wir möchten gerne verstehen und Anregungen geben, wie soziale Roboter das Wohlbefinden schutzbedürftiger Personen verbessern können, wenn diese sich in sozialer Isolation befinden – nicht nur während der Corona-Pandemie, sondern auch aufgrund anderer Umstände. Dafür sind in unsere Arbeit Erkenntnisse aus verschiedenen Disziplinen eingeflossen: Dienstleistungsforschung, soziale Robotik, Sozialpsychologie und Medizin“, erklärte Marah Blaurock, Doktorandin am Institut für Marketing und Management an der Universität Hohenheim.

Die Wissenschaftler haben dazu anhand der vorhandenen Literatur soziale Roboter in vier Haupttypen unterteilt.

  • Roboter als Unterhalter
  • Roboter als soziale Wegbereiter
  • Roboter als Mentoren
  • Roboter als Freunde

Roboter wird als Freund wahrgenommen

Während der Covid-19-Pandemie könnte ein Unterhalter-Roboter laut den Studienautoren einsamen Menschen hauptsächlich zur Zerstreuung dienen und sie von der bedrückenden Situation ablenken. Der soziale Wegbereiter würde diese Funktion erweitern, weil sein Verhalten körperliche Berührungen und soziale Gesten umfasst, die trotz der fehlenden emotionalen Intelligenz dazu führen, dass der Roboter von vielen Menschen als authentischer sozialer Kontakt wahrgenommen wird.

Der Mentor-Roboter würde hingegen Funktionen in der Bildung und in der Psycho- und Physiotherapie übernehmen. Es wäre so möglich Patienten ohne die physische Anwesenheit eines Arztes zu betreuen. Bei älteren Menschen könnte ein Mentor-Roboter außerdem in der Isolation die körperliche Aktivität steigern und damit Folgeschäden verhindern, die die Gesundheit der Personen weiter einschränken. Bisher wurden laut den Autoren Mentor-Roboter aber ausschließlich in der Wissenschaft verwendet.

Als besonders hilfreich im Lockdown schätzten die Wissenschaftler den Roboter-Typ Freund ein. Dieser bietet laut den Studienautoren quasi-soziale Interaktionen und verringert dadurch die Auswirkungen der sozialen Isolation. Laut Henkel „deuten erste Untersuchungen darauf hin, dass Kinder und ältere Erwachsene die Prototypen solcher autonomen Roboter als soziale Wesen und Freunde wahrnehmen könnten, die als fürsorgliche Begleiter alle Aspekte des Wohlbefindens berücksichtigen.“

Journal of Service Management, doi: 10.1108/JOSM-05-2020-0145

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