Solidarität

Nicht mehr Suizide während der Covid-19-Pandemie

Robert Klatt

In den ersten Monaten der Covid-19-Pandemie ist die Suizidrate in vielen Ländern gleichgeblieben. In einigen Regionen, darunter auch Leipzig, gab es sogar weniger Selbsttötungen.

Melbourne (Australien). Laut einer Studie der Stiftung Deutsche Depressionshilfe hatte bereits der erste Lockdown der Covid-19-Pandemie starke Auswirkungen auf die Psyche depressiver Menschen. Die Angst vor Erkrankungen, die hohe Zahl der Todesopfer und die starken Einschränkungen belasten aber auch gesunde Menschen. Psychologen hatten deshalb vermutet, dass die Suizidalität während der Pandemie deutlich zunehmen wird.

Eine Studie der University of Melbourne, die im Fachmagazin Lancet Psychiatry publiziert wurde, kam nun zu dem Ergebnis, dass diese Befürchtung nicht eingetreten ist. Untersucht haben die Wissenschaftler die offiziell dokumentierten Suizidfälle aus 21 Industrie- und Schwellenländern.

Leipzig, Köln und Frankfurt

In Deutschland wurde durch die Studie Leipzig, Frankfurt am Main und Köln untersucht. Auffällig ist besonders, dass zwischen April und Juli 2020 in Leipzig die Suizidrate im Vergleich zu den Vorjahren gesunken ist. Eine sinkende Suizidrate gab es während der ersten Pandemiemonate außerdem in der Hälfte der übrigen untersuchten Länder. In Köln und Frankfurt am Main kam es zu keinen signifikanten Änderungen gegenüber den Vorjahren.

Gemeinschaftsgefühl und Solidarität verhindern Suizide

Als Gründe für die sinkenden Selbsttötungen vermuten die Autoren, dass während der Ausnahmesituation in den ersten Monaten der Pandemie die Solidarität und das Gemeinschaftsgefühl gestiegen sind. Überdies könnte auch der Wegfall problematische Arbeitssituationen und anderer Belastungen zu weniger Suiziden geführt haben. Eine ähnliche Vermutung stellte auch eine im Fachmagazin World Psychiatry erschienene Studie auf.

Arme Länder nicht untersucht

Betrachtet wurden in der Studie ausschließlich Staaten global betrachteten höheren Durchschnittseinkommen. Laut den Forscher liegen für die meisten ärmeren Staaten keine verlässlichen und aktuellen Daten über Suizide vor.

Analysen aus Malawi und Tunesien liefern aber Indizien dafür, dass dort im ersten Halbjahr 2020 die Suizidrate deutlich anstieg. Dafür sprechen auch andere Studien. Laut einen eine schlechtere wirtschaftliche Situation zu höheren Suizidraten führt. Dieser Effekt könnte laut den Wissenschaftlern aber auch noch Deutschland und andere reiche Länder treffen, wenn die negativen ökonomischen Spätfolgen sichtbar werden.

Lancet Psychiatry, doi: 10.1016/S2215-0366(21)00091-2

World Psychiatry, doi:  10.1002/wps.20801

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