Negative Gedanken

Lockdown in der Covid-19-Pandemie veränderte Denkmuster stark

Robert Klatt

In Großbritannien hat der Lockdown zu Veränderungen der Denkmuster geführt. Menschen dachten weniger an ihre Mitmenschen und verloren ihren positiven Blick auf die Zukunft.

York (England). Wissenschaftler der Universität York haben untersucht, ob und wie sich Denkmuster vor und während des ersten Lockdowns der Covid-19-Pandemie entwickelt haben.  Laut der im Fachmagazin PNAS erschienenen Studie befragte das Team um Brontë Mckeown dazu 78 Menschen zwischen 18 und 68 Jahren in Großbritannien über einen Zeitraum von sieben Tagen mehrmals per SMS.

Laut den Ergebnissen der Studie war der Lockdown ein krasser Kontrast zum normalen Leben. „Normalerweise verbringen Menschen sehr viel Zeit damit, über die eigene Zukunft und andere Menschen nachzudenken. Das sind Muster, die sich während des Lockdown stark verändert haben“, erklärt Mckeown.

Weniger Gedanken an Mitmenschen und die Zukunft

Die deutlich reduzierten sozialen Kontakte führten laut der Studie dazu, dass die Menschen weniger an ihre eigene Zukunft oder ihre Mitmenschen dachten. Stattdessen haben sich die typischen Denkmuster stark verschoben. Laut den Autoren sind Menschen sogenannate „soziale Denker“. Ihre Gedanken haben demnach oft Personen im Fokus, mit denen sie zuvor Kontakt hatten. Weil diese Kontakte durch den Lockdown weitestgehend ausblieben, dachten die Probanden demnach weniger als normal an ihre Mitmenschen.

Auch die Gedanken an die eigene Zukunft wurden durch die Covid-19-Pandemie und den Lockdown stark beeinflusst. „Wir wissen, dass Zukunftsdenken generell an die mentale Gesundheit geknüpft ist“, erklärt Mckeown. Weil die Menschen während des Lockdowns vermehrt isoliert waren, nahm ihr allgemeines Wohlbefinden ab und der Blick in die Zukunft wurde negativer.

Soziale Kontakte erhöhen das Wohlbefinden

Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, dass das Wohlbefinden der Probanden sich verbesserte, sobald diese wieder Kontakt zu mehr Personen aus ihrem üblichen Umfeld haben könnte. Dies führt auch dazu, dass in den Gedanken der Probanden die Mitmenschen wieder einen höheren Stellenwert einnahmen. „Unsere Ergebnisse zeigen, wie wichtig unser Umfeld und soziale Interaktionen für unsere mentale Gesundheit sind“, konstatiert die Ko-Autorin und Psychologin Giulia Poerio.

PNAS, doi: doi.org/10.1073/pnas.2102565118

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