Profifußball

Heimvorteil auch bei Geisterspielen?

Robert Klatt

Der Heimvorteil im Profifußball existiert auch bei Geisterspielen ohne Zuschauer.

Köln (Deutschland). Es ist ein empirisch abgesichertes Phänomen, dass im Profifußball die Heimmannschaft durch den sogenannten Heimvorteil öfter gewinnt als die Auswärtsmannschaft. In den europäischen Ligen liegt das Verhältnis auf Heimsieg, Unentschieden und Auswärtssieg bei etwa 50:25:25, in der Bundesliga bei 47:25:28. Dies bedeutet das 47 von 100 Spielen die Heimmannschaft gewinnt, 25 von 100 Spielen unentschieden ausgehen und dass nur 28 von 100 Spielen durch die Auswärtsmannschaft gewonnen werden. Gründe dafür sind die häufig offensivere Spielweise der Heimmannschaft und der motivierende Einfluss der Zuschauer auf die Spieler.

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind die meisten Profipartien jedoch sogenannte Geisterspiele. Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) und der Universität Paderborn haben deshalb untersucht, ob auch ohne Zuschauer im Stadion der Heimvorteil existiert.

40.000 Spiele analysiert

Dazu haben die Forscher alle Spiele aus zehn Saisons in zehn Ligen aus sechs europäischen Ländern analysiert. Dies waren mehr als 40.000 Spiele, die vor und während der Pandemie ausgetragen wurde. Enthalten sind in der Stichprobe rund 1.000 Profispiele ohne Zuschauer in der wichtigsten europäischen Fußballligen.

Überdies hat die Studie auch Wettquoten einbezogen, an denen sich die Einschätzung der Fußballfans für einen Heimvorteil bei Spielen mit und ohne Zuschauer ebenfalls ablesen lässt. „Wir wissen aus zahlreichen Studien, dass der Wettmarkt sich selten irrt und zudem haben Wettquoten den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu den echten Ergebnissen weniger anfällig für zufällige Einflüsse sind“, erklärt Fabian Wunderlich von DSHS.

Heimvorteil auch bei Geisterspielen

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich zwar die spielrelevanten Parameter, wie Torschüsse sowie gelbe und rote Karten, ohne Zuschauer angleichen, sich dies aber nur begrenzt auf den eigentlichen Heimvorteil im direkten Vergleich zwischen den Spielen vor Covid-19 mit Zuschauern und den Geisterspielen während der Pandemie auswirkt“, erklärt Professor Memmert von der Universität Paderborn. Die Studie zeigt somit, dass der Heimvorteil auch bei Geisterspielen existiert, obwohl beide Mannschaften ähnlich offensiv agieren.

6.000 Spiele aus dem Amateurbereich

Um zu belegen, dass der Heimvorteil nicht nur bei Profis, sondern auch bei Freizeitspielern existiert, haben die Wissenschaftler fast 6.000 Spiele aus Kreisliga A analysiert. Dort gab es vor der Corona-Pandemie nur selten volle Ränge und viele Fans. Außerdem entfällt die lange Anreise der Gegnermannschaft, die im Profifußball einen Teil des Heimvorteils ausmacht. Trotzdem gewinnt auch im Amateurbereich die Heimmannschaft bei Geisterspielen oder Spielen mit wenig Zuschauern deutlich häufiger.

Dies zeigt, dass der Heimvorteil nicht allein durch die soziale Unterstützung der Fans erklärt werden kann. Die Autoren schlussfolgern deshalb, dass weitere Faktoren wie das Territorialverhalten in der gewohnten Umgebung den Vorteil der Heimmannschaft ausmachen müssen.

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