Robert Klatt
Misogynie Inhalte in den Medien führen dazu, dass sowohl Männer als auch Frauen eine höhere Feindseligkeit gegenüber Frauen entwickeln. Der Effekt ist bei jungen Menschen am größten.
Bern (Schweiz). Im Internet ist Frauenhass (Misogynie), abgeleitet vom Altgriechischen misos (Hass) und gyne (Frau), in unterschiedlichen Formen oft zu finden. Frauen werden dabei oft mit herablassenden Stereotypen wie „zu emotional“ oder „hysterisch“ verbunden, ihnen werden negative Verhaltensweisen wie „sie möchte nur Geld“ unterstellt oder Frauen werden als weniger kompetent als Männer bezeichnet. Laut einer repräsentativen Umfrage der Europäischen Kommission (EK) empfinden mehr als die Hälfte der Erwachsenen, dass diese Darstellung in den Medien problematisch ist.
Forscher der Universität Bern und der Fernuniversität Hagen haben nun eine umfassende Metastudie publiziert, die untersucht hat, ob und wie frauenfeindliche Inhalte in den Medien frauenfeindliche Reaktionen beeinflussen. Sie haben dazu 257 Studien mit insgesamt 132.933 Probanden aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und den U.S.A. analysiert.
Die Metastudie umfasst sowohl experimentelle Studien, etwa Studien, bei denen die Probanden frauenfeindliche Medien unter kontrollierten Bedingungen konsumiert haben, als auch nicht-experimentelle Studien, etwa Umfragen zum Medienkonsum. Die Wissenschaftler haben die Ergebnisse der Studien genutzt, um Effektstärken zu ermitteln, die die Korrelation zwischen dem Konsum von frauenfeindlichen Inhalten und negativen Verhaltensweisen und Meinungen gegenüber Frauen zeigen. In den analysierten Studien wurden unterschiedliche Medien verwendet, etwa Bücher, Musikvideos und Beiträge aus sozialen Medien. Es war dadurch möglich, zu untersuchen, ob die Wirkung der verschiedenen Inhaltstypen sich voneinander unterscheidet.
„Die Ergebnisse unserer Studie sind besonders aussagekräftig, da wir eine breite Palette an Reaktionen studieren konnten, von harmloseren stereotypen Einstellungen bis hin zu aggressivem Verhalten gegenüber Frauen.“
Laut der Metastudie führen vor allem gewalttätige Inhalte, die offensichtlichen Frauenhass enthalten, dazu, dass Männer eine höhere Feindseligkeit gegenüber Frauen entwickeln, während diese Inhalte bei Frauen zu keinem Hass auf ihr eigenes Geschlecht führen. Demütigende und pornografische Medien sorgen hingegen bei beiden Geschlechtern für mehr Frauenhass. Am stärksten waren die Effekte bei jungen Medienkonsumenten im Alter von zehn bis 18 Jahren, während die Feindseligkeit gegenüber Frauen bei Menschen mit mehr Lebenserfahrung deutlich weniger stark zugenommen hat.
„Besonders problematisch ist, dass infolge des Konsums frauenfeindlicher Medieninhalte Probandinnen und Probanden häufig Frauen ihre Menschlichkeit absprechen, ihren Körper hauptsächlich als Objekt betrachten und sich aggressiv gegenüber Frauen verhalten. Frauen werden sogar vermehrt als schuldig dafür angesehen, wenn sie Opfer einer Vergewaltigung waren.“
Die Studie zeigt somit, dass frauenfeindliche Medien die Feindseligkeit gegenüber Frauen erhöhen können. Angesichts dessen sprechen die Wissenschaftler sich dafür aus, dass die Verantwortlichen entsprechende Darstellungen reduzieren sollten, um die reale Feindseligkeit gegenüber Frauen zu verhindern.
„Unsere Metaanalyse liefert robuste Belege dafür, dass der Konsum misogyner Medieninhalte zuverlässig mit einer erhöhten Feindseligkeit gegenüber Frauen verbunden ist.“
„Medienproduzierende können die Darstellung von Frauen in frauenfeindlicher, diskriminierender Weise reduzieren und dadurch Feindseligkeit und Gewalt gegenüber Frauen verringern sowie deren laufende Bemühungen um die Gleichstellung der Geschlechter unterstützen.“
Quellen:
Pressemitteilung der Universität Bern
Pressemitteilung der Fernuniversität Hagen
Studie im Fachmagazin Psychological Bulletin, doi: 10.1037/bul0000513