Typografie

Der Charakter von Schriftarten und ihre Wirkung

Dennis L.

Jeden Tag kommen wir mit unzähligen Schriftarten in verschiedenen Farben und Größen in Kontakt. Die meisten von ihnen nehmen wir gar nicht bewusst wahr, dennoch hat jede einzelne Schriftart eine ganz besondere Wirkung auf uns und besitzt einen eigenen Charakter, der das Geschriebene zusätzlich unterstreicht.

Heidelberg (Deutschland). Schrift sagt mehr aus als nur das geschriebene Wort. Das Aussehen einer Schriftart vermittelt eine Stimmung, ein Gefühl oder manchmal auch eine unterschwellige Botschaft, welche das geschriebene Wort in einem bestimmten Kontext setzen soll. Gerade bei Texten in Werbebotschaften oder auf persönlichen Gruß- oder Einladungskarten kann man den Charakter und die Wirkung von Schriftarten sehr deutlich sehen. In den meisten Fällen nehmen wir die Schriftart aber nur unbewusst wahr, obwohl sie eine große Wirkung auf uns hat.

Unternehmen und Designer wissen um die unterschwellige Wirkung einer Schriftart auf den Leser und setzen diese ganz gezielt ein, um eine geschriebene Aussage in ein bestimmtes Licht zu rücken. Jeder der bereits einmal selbst eine Einladungskarte, beispielsweise für eine Geburtstagsfeier oder eine Hochzeit, gestaltet hat, weiß welche Wirkung eine Schriftart hat und was sie vermittelt. Wer es gerne einmal ausprobieren möchte, kann sich beispielsweise beim Schrift Generator einfach mal einige Buchstaben zum Kopieren raussuchen und damit einige kurze Sätze schreiben. Schnell wird man feststellen, dass eine geschwungene Handschrift ganz anders wirkt als eine klassische Schreibmaschinenschrift oder eine abgerundete und verspielte Schriftart.

Drei Grundregel, die man bei jeder Schriftart beachten sollte

Ob eine Schriftart als schön, passend oder stilvoll angesehen wird, ist meist recht subjektiv. Dennoch gibt es drei elementare Grundregeln, die man beachten sollte, wenn man sich bewusst für eine Schriftart entscheidet.

Die erste Regel betrifft die Lesbarkeit der Schrift. Ein geübter Leser erfasst beim Lesen nicht jeden Buchstaben für sich, sondern fügt unbewusst bestimmte Buchstabengruppierungen zusammen. Damit dies funktioniert und den Lesefluss nicht stört, sollte das Auge die sogenannte Zeilenverfolgung leicht erfassen können. Dies gilt auch für neue Zeilenanfänge und Abschnitte im Text. Zu geringe Abstände sorgen beim Leser für Irritationen.

Gut lesbare Schriftarten, gerade bei längeren Texten, sind die Serifenschriften Cambria oder Times New Roman. Bei Überschriften soll manchmal der Schriftcharakter im Vordergrund stehen, manchmal zu Kosten der Lesbarkeit.

Die zweite wichtige Regel betrifft das Medium. Es gelten andere Regeln für Printmedien als für das Internet. Zwar haben beide Bereiche viele Gemeinsamkeiten, aber auch ebenso viele Unterschiede. Man muss berücksichtigen, dass im Internet weniger Schriftarten zur Auswahl stehen, da besonders geschwungene Buchstaben durch die eckige Darstellung der Pixel nicht im Originaldesign abgebildet werden können.

Die dritte Regel befasst sich mit der Kombination von Schriftarten und besagt, dass ein Text mit zwei bis drei Schriftarten auskommen muss. Diese sollten dabei harmonisch und dennoch mit Kontrast aufeinander abgestimmt sein. Designer vergleichen diesen Schriftmix oft mit der Wahl eines Outfits. Schuhe, Hose, Jacke müssen einfach zusammenpassen und den Charakter des Trägers unterstreichen.

So besitzt jeder Buchstabe einer Schriftart einen ganz eigenen Charakter und erst der Kontext und die Kombination mit anderen Schriftarten offenbaren dann das, was oftmals zwischen den Zeilen steht und nur unbewusst wahrgenommen wird.

Spannend & Interessant
VGWortpixel