Robert Klatt
In deutschen Städten sind die meisten öffentlichen Bereiche gut beleuchtet. Studien zeigen, dass dadurch das Sicherheitsgefühl zunimmt und die soziale Aktivierung gefördert wird.
Berlin (Deutschland). In deutschen Städten ist eine umfassende Außenbeleuchtung inzwischen ein essenzieller Bestandteil der Stadtplanung, bei dem technische Normen, Energieeffizienz, Umweltaspekte und gestalterische Ziele miteinander verbunden werden müssen. Ein Großteil der öffentlichen Beleuchtungseinrichtungen in Deutschland, etwa auf Straßen und in Parks, sind inzwischen Leuchtdioden (LED), weil diese deutlich energieeffizienter und langlebiger Licht liefern als andere Techniken.
Angesichts des hohen Stellenwerts der Beleuchtungseinrichtungen hat die Wissenschaft in den letzten Jahren vermehrt untersucht, wie diese sich auf das Leben im öffentlichen Raum auswirken. Die dazu durchgeführten Studien zeigen deutlich, dass eine gut gestaltete Beleuchtung das Sicherheitsgefühl von Menschen im öffentlichen Raum verbessert, die soziale Aktivitäten in urbanen Räumen fördert und die ästhetische Wahrnehmung von Städten verbessert.
Eine Studie der University of Granada hat mit 275 Probanden untersucht, ob die Beleuchtung des urbanen Raums das subjektive Sicherheitsempfinden und das Wohlbefinden beeinflusst. Die Teilnehmer haben dazu beurteilt, wie sie eine Straße bei Nacht bei unterschiedlichen Beleuchtungsstärken und Lichtfarben empfinden. Laut den Antworten der Probanden wird eine hellere und gleichmäßig ausgeleuchtete Straße als deutlich sicherer und angenehmer wahrgenommen. Entscheidend ist dabei vor allem die Gleichmäßigkeit der Beleuchtung, weil sie die Orientierung erleichtert und Unsicherheiten reduziert.
Wie die Forscher erklären, zeigt die Studie aber auch, dass es bei den städtischen Beleuchtungen einen klaren Zielkonflikt gibt. Weißes, helles Licht, etwa von leuchtstarken LED-Streifen, die oft zur Beleuchtung von Parkplätzen, Einfahrten, Parks und Gärten verwendet werden, führt zu einer signifikanten Lichtverschmutzung, wird aber von Menschen in der Nacht als besonders positiv bewertet. Die Wissenschaftler sprechen sich deshalb dafür aus, dass Stadtplaner bei Außenbeleuchtungen nicht nur die Lichtmenge, sondern auch die Lichtfarbe und Verteilung berücksichtigen sollten. Sie können so eine öffentliche Außenbeleuchtung erreichen, die das Sicherheitsgefühl stärkt, aber die Lichtverschmutzung auf das zwingend erforderliche Minimum reduziert.
Forscher der Chinese Academy of Sciences (CAS) haben zudem eine Studie publiziert, die untersucht hat, wie sich die Beleuchtung von öffentlichen Räumen in Wohngebieten auf das Komfortempfinden und die sozialen Aktivitäten der dortigen Bevölkerung auswirkt. Sie haben dazu die Beleuchtungsparameter von mehreren Stadtteilen in Peking erfasst und die Daten mit einer Umfrage unter der lokalen Bevölkerung verknüpft. Außerdem haben sie Satellitenbilder genutzt, um die Helligkeit in der Nacht großflächig erfassen zu können.
Ein Strukturgleichungsmodell (SEM), das die Daten analysiert und dabei die Beziehungen von mehreren Einflussfaktoren zueinander erfasst hat, zeigt, dass eine gute Beleuchtung die empfundene Sicherheit erhöht und dadurch dazu führt, dass Menschen öffentliche Räume öfter und intensiver nutzen. Es kommt dadurch zu mehr sozialen Aktivitäten, weil die Menschen sich auf der Straße oder in Parks treffen, anstatt die Abend- und Nachtstunden in ihrer Wohnung zu verbringen.
Es wird somit deutlich, dass eine Beleuchtung des öffentlichen Raums überwiegend positive Aspekte hat und bei der Stadtplanung entsprechend berücksichtigt werden sollte.
Quellen:
Studie im Fachmagazin Safety Science, doi: 10.1016/j.ssci.2015.04.009
Studie im Fachmagazin Remote Sensing, doi: 10.3390/rs14030655