Haus- und Abschlussarbeiten

Wie häufig ist Ghostwriting an Universitäten?

Robert Klatt

Studenten bei einer Vorlesung )kcotS ebodAotsak(Foto: © 

Studenten lassen Haus- und Abschlussarbeiten aufgrund des hohen Leistungsdrucks durch professionelle Ghostwriter erstellen. Doch wie häufig ist Ghostwriting an Universitäten und Fachhochschulen (FH) wirklich?

Perth (Australien). Der enorme Leistungsdruck bringt viele Studenten an Universitäten und Fachhochschulen (FH) an ihre persönlichen Grenzen. Besonders die hohe Anzahl an Hausarbeiten sowie die anspruchsvollen Bachelor- oder Masterarbeit sorgen laut Umfragen bei den Studenten für Stress, der im Extremfall zu psychischen Krankheiten wie einem Burn-out-Syndrom führen kann. Lehrkräfte und Professoren gehen deshalb davon aus, dass immer mehr Studenten professionelles Ghostwriting für ihre Haus- und Abschlussarbeiten buchen.

Die Kosten dafür schwanken in Deutschland je nach Themengebiet, Länge und Anspruch deutlich. Eine einfache Hausarbeit können Studenten bereits für etwa 500 Euro durch einen erfahrenen Ghostwriter erstellen lassen, während eine Bachelorarbeit 5.000 Euro und mehr kosten kann. Besonders kostspielig ist eine Dissertation, deren Erstellung oft 30.000 Euro und mehr kostet.

Wie häufig ist Ghostwriting?

Genaue Daten dazu, wie viele Studenten in Deutschland einen Ghostwriter mit dem Schreiben ihrer Arbeiten beauftragen, existieren nicht. Forscher der University of Western Australia (UWA) um Guy J. Curtis haben im Fachmagazin Studies in Higher Education aber eine Studie publiziert, die das akademische Ghostwriting an australischen Universitäten näher untersucht hat. Laut Experten ist es wahrscheinlich, dass die Ergebnisse der Studie auf Deutschland übertragen werden können.

Selbstauskunftsumfragen helfen nicht

Laut Selbstauskunftsumfragen haben in Australien etwa zwei Prozent der Studenten einmal oder mehrmals während ihres Hochschulstudiums einen kommerziellen Ghostwriter mit der Erstellung einer Haus- oder Abschlussarbeit beauftragt. Wie die Autoren der Studie erklären, haben Selbstauskunftsumfragen aber den Nachteil, dass viele Personen die sozial unerwünschte Verhaltensweisen verschweigen, obwohl akademisches Ghostwriting laut einem Urteil des OLG Frankfurt (Az: 11 U 51/08) nicht illegal ist. Es kommt dadurch zu einer Verzerrung der Ergebnisse, die das tatsächliche Ausmaß des akademischen Ghostwriting nicht vollumfänglich zeigen.

In der Wissenschaft geht man deshalb davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Studenten, die kommerzielles Ghostwriting nutzen, weitaus höher ist. Dies wirft ernsthafte Fragen über die Zuverlässigkeit und Aussagekraft von Selbstauskunftsumfragen auf und fordert einen differenzierteren Forschungsansatz.

Wahrheitsfindung mit Anreizen

Die Wissenschaftler um Curtis haben deshalb eine Studie mit 4.098 Studenten von sechs Universitäten und sechs unabhängigen Hochschuleinrichtungen in Australien durchgeführt, in der die sogenannte Wahrheitsfindung mit Anreizen angewendet wurde. Die Autoren gaben an den Studenten den Anreiz, mindestens einen Dollar an eine wohltätige Einrichtung zu spenden, wenn sie ehrlich antworten und auch sozial problematisches Verhalten zuzugeben.

Die Forscher setzten die erhaltenen Antworten in Relation zu einer Kontrollgruppe und verglichen diese mit Ergebnissen früherer Umfragen zum Ghostwriting bei Studenten. Zusätzlich zogen sie statistische Daten heran, um die Wahrscheinlichkeit der Ehrlichkeit in den Ergebnissen zu bewerten. Diese Methode ermöglichte eine umfassende Analyse und Einschätzung, indem nicht nur die aktuellen Daten berücksichtigt wurden, sondern auch historische Trends und die allgemeine Tendenz zur Ehrlichkeit.

Ghostwriting ist 2,5-mal häufiger

Die mittels des Bayesscher Wahrscheinlichkeitsbegriffs erlangten Daten zeigen, dass Ghostwriting in Australien deutlich häufiger ist, als die Umfragen zuvor zeigten. Laut der Prävalenzschätzungsformeln, die die Forscher, mit der der Methode der incentivierten Wahrheitsfindung kombiniert haben, kamen sie zu dem Ergebnis, dass 7,9 Prozent der Studenten Arbeiten bei Ghostwritern bestellt haben. Hinzukommt, dass viele Studenten (11,4 %) vorgefertigte Arbeiten von kommerziellen Plattformen gekauft haben.

Studies in Higher Education, doi: 10.1080/03075079.2021.1972093

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