Energiemarkt

Strompreise schon heute so hoch wie für 2030 vorhergesagt

Dennis L.

Bereits heute sind die Energiepreise so hoch, wie Forscher es erst für das Jahr 2030 prognostiziert haben. )kcotS ebodAahklE orgeN(Foto: © 
Auf den Punkt gebracht
  • Studien prognostizierten für das Jahr 2030 einen Strompreis von 93 EUR/MWh
  • Rekordwert lag bereits 2022 bei rund 700 EUR/MWh

Die aktuellen und auch die künftigen Strompreise werden mit Sicherheit weiter steigen, was sich auf den Preis und den Verbrauch von Strom auswirken wird. Das Kopernikus-Projekt SynErgie hat bereits 2018 steigende und schwankende Preise vorausgesagt, welche heute, nicht nur durch den Krieg in der Ukraine, bei schon weitem übertroffen wurden. Flexibilität spielt in Zukunft eine wichtige Rolle, um den Preis wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Sankt Augustin (Deutschland). Wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung berichtet, analysierten ein Expertenteam des Kernkompetenzzentrums FIM und die Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT (FIM/FIT) kontinuierlich die Strompreise am wichtigen Day-Ahead-Markt. Auf diesem speziellen Markt werden die Stromlieferungen für den kommenden Tag gehandelt.

Nach den vorliegenden Daten lag der Durchschnittspreis für eine Megawattstunde Strom in den Jahren 2016 bis 2020 deutlich unter 50 EUR/MWh. Im Jahr 2021 explodierte der Preis jedoch und lag bei über 100 EUR/MWh - Mitte 2022 lag der Preis sogar schon bei knapp 700 EUR/MWh. Zudem ging die Zahl der Stunden mit einem negativen Strompreis deutlich zurück und so gab es 2021 viel größere Schwankungen als in den Vorjahren.

Prognose für 2030 lag bei 93 EUR/MWh

Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) hat im Jahr 2018 eine Prognose für das Jahr 2030 erstellt, die auf einer Strommarktsimulation unter Annahme des Klimaschutzszenarios 2050 des Öko-Instituts basiert. Vergleicht man die Werte der SynErgie-Analyse mit denen der Prognose, so zeigt sich, dass bereits im Jahr 2018 die durchschnittlichen Börsenstrompreise deutlich höher waren als im Jahr 2030. Der im vergangenen Jahr realisierte Durchschnittspreis von 97 EUR/MWh lag bereits deutlich über dem für 2030 erwarteten Preis von 93 EUR/MWh.

Im vierten Quartal 2021 erreichten die Durchschnittspreise Höchstwerte von über 150 EUR/MWh. Auch zu Beginn des Jahres 2022 blieben die Preise hoch, mit einem Durchschnittspreis von bisher 153 EUR/MWh.

Der Strompreis erreichte im vergangenen Jahr mit 620 EUR/MWh zudem einen historischen Höchststand. Dies lag weit über dem prognostizierten Höchstwert von 138 EUR/MWh, wie ein Blick auf die damalige Studie eindrucksvoll zeigt.

Angriffskrieg auf die Ukraine lässt Energiepreise weiter explodieren

Der aktuelle Angriffskrieg in der Ukraine macht deutlich, dass wir in Zukunft noch stärker auf erneuerbare Energiequellen als Alternative zu fossilen Brennstoffen wie Gas setzen müssen. Ein Blick auf die Empfehlung der Energie-Aktien für die nächsten Börsenjahre bestätigt genau die aktuelle Situation: Versorgungssicherheit und erneuerbare Energien sind die Themen, welche die globale Weltwirtschaft die kommenden Jahre zunehmend beschäftigen wird.

Die oben beschriebenen sprunghaften Preisentwicklungen haben gezeigt, dass mittelfristig wettbewerbsfähige Strompreise für die deutsche Industrie nur gelingen können, wenn Klimaschutz durch den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien und eine Flexibilisierung der Nachfrageseite als Antwort auf die steigende Volatilität der Einspeisung gemeinsam betrachtet werden. Die Alternative könnte sonst eine Dekarbonisierung durch Deindustrialisierung sein.

In diesem Zusammenhang kann und muss die im SynErgie-Projekt untersuchte "Flexibilität" einen wichtigen Beitrag zum Erfolg leisten. Aus diesem Grund arbeitet das SynErgie-Projekt kontinuierlich und intensiv daran, den Strommarkt durch technologische, organisatorische und auch regulatorische Maßnahmen flexibler zu gestalten.

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