Deutschland

Staatsbürgerschaft durch Geburt reduziert Jugendkriminalität

 Robert Klatt

Identitätsbildung reduziert Jugendkriminalität )moc.sotohptisopedoknelokhSyinegvE(Foto: © 

Kinder mit Migrationshintergrund, die ihre Staatsbürgerschaft durch Geburt erhalten haben, werden deutlich seltener kriminell als Jugendliche ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Dies könnte an den besseren Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten liegen und an der Identitätsbildung.

München (Deutschland). In Deutschland wurden laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 192.863 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren 2024 als tatverdächtig eingestuft (6 %). Es handelt sich dabei nicht um Verurteilungen, sondern lediglich um polizeiliche Verdachtsfälle, die oft ohne Strafe enden oder deren Verfahren eingestellt werden. Ob die Jugendlichen einen Migrationshintergrund haben, wird dabei nicht erfasst. Die PKS enthält lediglich Informationen zur Staatsangehörigkeit und zeigt deutlich, dass nichtdeutsche Jugendliche überrepräsentiert sind. In der Wissenschaft geht man jedoch davon aus, dass diese nicht einfach stärker zur Kriminalität neigen, sondern dass andere Faktoren, etwa die Armut und schlechte Bildungschancen, eine große Rolle dabei spielen.

Forscher des ifo Instituts – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. (ifo für Information und Forschung) haben nun untersucht, ob die Staatsbürgerschaft durch Geburt, bei der eine Person mit Migrationshintergrund, deren Eltern oder Großeltern nach Deutschland eingewandert sind, unmittelbar die Staatsbürgerschaft erhalten, die Kriminalität im späteren Leben beeinflusst.

Daten der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS)

Die Studie basiert auf Daten der PKS aus den Bundesländern Baden-Württemberg und Hessen sowie Berlin, also Bundesländern, in denen Kinder von ausländischen Eltern seit 2000 bei ihrer Geburt automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, wenn mindestens ein Elternteil seit acht Jahren in Deutschland lebt und eine gültige Aufenthaltsberechtigung besitzt. Die Staatsbürgerschaft durch Geburt hatten zuvor nur Kinder erhalten, die mindestens ein deutsches Elternteil hatten. Laut den analysierten Daten geht die Jugendkriminalität durch die Staatsbürgerschaft durch Geburt stark zurück (- 70 %), vor allem die Eigentums- und Drogendelikte.

„Jugendliche der zweiten und dritten Einwanderergeneration, die seit ihrer Geburt die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, wurden rund 70 Prozent seltener von der Polizei als Tatverdächtige registriert als vergleichbare Jugendliche zuvor, die noch keinen deutschen Pass hatten.“

Laut den Wissenschaftlern könnte dies daran liegen, dass die Staatsbürgerschaft die Identitätsbildung fördert und das soziale Vertrauen erhöht. Kinder und Jugendliche haben dadurch bessere Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Dies bestätigt auch eine Studie, laut der Kinder mit Migrationshintergrund, die ihre Staatsbürgerschaft seit der Geburt besitzen, im Mittel bessere Schulnoten erhalten.

Quellen:

Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)

Pressemitteilung des ifo Instituts – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. (ifo für Information und Forschung)

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