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Neue Studie

Mit jedem Kind steigt das Armutsrisiko

Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass das Armutsrisiko für Familien wesentlich höher ist als bisher angenommen. Grundlage der Studie ist eine neue Erhebungsmethodik, welche gerade bei OECD-Experten auf Kritik stößt.

Gütersloh (Deutschland). Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung, welche von Forschern der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt wurde, kommt zu dem schockierenden Ergebnis, dass das Armutsrisiko für Familien in Deutschland wesentlich höher ist als bisher angenommen. Demnach erhöht sich das Risiko mit jedem weiteren Kind. Gerade alleinerziehende Eltern sind davon betroffen, so die Forscher.

So war im Jahr 2015 laut der aktuellen Studie bereits jedes achte Paar mit einem Kind von Armut betroffen oder bedroht (13 Prozent). Bei Paaren mit zwei Kindern stieg der Wert bereits auf 16 Prozent und bei Paaren mit drei Kindern sogar auf 18 Prozent.

Laut Definition zählt man in Deutschland als arm, wenn das Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte ausmacht. Bei diesen Familien sind zwar oft die Grundbedürfnisse gedeckt, aber den Luxus einer Klassenfahrt oder gar eines gemeinsamen Urlaubs kann entweder gar nicht oder nur mit Hilfe eines Kredits nachgekommen werden. Diesen Trend beobachtet man auch beim Kreditportal smava.de. Immer mehr alleinerziehende Eltern beantragen hier einen Kredit, um mit dem Geld neue Haushaltsgeräte (Waschmaschine, Kühlschrank, etc.) oder um damit Sachen für das eigene Kind zu kaufen (Klassenfahrt, Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk, etc.).

Forderung nach einer Kindergrundsicherung

Das Deutsche Kinderhilfswerk reagiert schnell auf die Studie und forderte eine Kindergrundsicherung, die unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern und der Familienform sowie den bisherigen Systemen zur Unterstützung, das Existenzminimum von Kindern gewährleistet. „Zudem bedürfe es laut dem Kinderhilfswerk eines Gesetzes, das Kindern und Jugendlichen aus Familien in prekären Lebenslagen einen Rechtsanspruch auf Förderung und Teilhabe gibt“, so der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks Holger Hofmann.

Neue Messmethodik – besser oder schlechter?

Die Studie der Bertelsmann-Stiftung beruht auf einer völlig neuen Methodik zur Erhebung bzw. zur Verarbeitung der Daten. „Die neue Methode soll einen realistischeren Blick auf die Einkommenssituation von Familien ermöglichen“, so die Forscher der Ruhr-Universität Bochum. Bisher sind die Einkommen ärmerer Haushalte durch die Anwendung der sogenannten OECD-Skala drastisch überschätzt und reichere Familien hingegen unterschätzt worden, kritisieren die Forscher.

Ein Beispiel zeigt, wie gravierend die Unterschiede der beiden Methoden sind: So geht die neue Studie davon aus, dass 68 Prozent der Alleinerziehenden im Jahr 2015 am Rande der Armut lebten. Laut der OECD-Skala waren es jedoch nur 46 Prozent. Der große Unterschied liegt an den sogenannten Äquivalenzskalen, mit denen Haushalte verschiedener Größen verglichen werden können.

So wird bei der OCED-Methode für jeden Familienmitglied im Hausstand über 14 Jahre eine Äquivalenzgewichtung von 0,5 und für jedes Kind unter 14 Jahren eine Gewichtung von 0,3 genommen. Die Forscher aus Bochum haben für ihre neue Studie nun zusätzlich das verfügbare Haushaltseinkommen der einzelnen Familienmitglieder berücksichtig.

Gerade bei den Experten der OECD stößt diese neue Methode auf Kritik: „Die Diskussion um die Methodik wird seit den 1990er-Jahren geführt“, so Michael Förster. „Die Diskussion wieder zu beginnen, wäre ein großer Rückschritt. Zudem sei die OCED-Skala nötig, um etwa Ländervergleiche durchführen zu können.“

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