Robert Klatt
In Deutschland zahlen Bestandskunden deutlich mehr für ihren Strom als Neukunden. Ein Wechsel in einen neuen Tarif würde bei einem Vierpersonenhaushalt rund 500 Euro jährlich einsparen.
Aachen (Deutschland). In Deutschland wechseln viele Kunden ihren Strom- und Gaslieferanten nur selten. Wissenschaftler der RWTH Aachen haben nun eine Studie publiziert, laut der loyale Stromkunden dadurch deutlich zu viel an ihren Energieversorger bezahlen. Die im Auftrag von Octopus Energy durchgeführte Analyse basiert auf 2.370 Preisanpassungsschreiben von 70 Stromanbietern aus dem Zeitraum von Januar 2022 bis Oktober 2025.
Laut den analysierten Daten zahlen Bestandskunden im Mittel 31,2 Cent pro Kilowattstunde (kWh) und Haushalte in der Grundversorgung 42,8 Cent pro kWh. Bei neuen Stromverträgen liegen die Kosten hingegen bei 25 Cent pro kWh. Bestandskunden zahlen also rund bis zu 13 Cent mehr pro kWh (+ 47 %) als Neukunden. Wenn man dies auf den gesamten Haushaltsstrommarkt hochrechnet, liegt die Mehrbelastung durch ausbleibende Wechsel des Stromversorgers bei elf Milliarden Euro pro Jahr.
„Wir haben erwartet, dass sich ein großer Teil der Preisunterschiede durch zeitlich versetzte Beschaffungskosten erklären lässt. Wir haben erwartet, dass sich ein großer Teil der Preisunterschiede durch zeitlich versetzte Beschaffungskosten erklären lässt.“
Die Preisanpassungsschreiben zeigen, dass die Energiekonzerne nach elf bis 14 Monaten bei ihren Bestandskunden die erste Preisanpassung durchführen. Dabei werden sowohl die Grundpreise (+ 15 %) als auch der Strompreis pro kWh (+ 22 %) erhöht.
„Unsere Ergebnisse zeigen deutliche Hinweise auf eine sogenannte Treuestrafe im Stromvertrieb. Neukunden profitieren stärker vom Wettbewerb, während Bestandskunden häufig höhere Preise zahlen.“
Laut der Analyse werden die höheren Preise in den meisten Schreiben mit steigenden Beschaffungs- oder Netzkosten begründet. Kostenbestandteile, die gesunken sind, werden hingegen fast nie thematisiert.
„Die Analyse zeigt außerdem Unterschiede in der Kommunikation von Preisanpassungem. Steigende Kosten werden häufig hervorgehoben, während sinkende Kosten deutlich seltener thematisiert werden.“
In Anbetracht der Ergebnisse empfehlen die Forscher des Lehrstuhls für Energiesystemökonomik allen Stromkunden, ihre Tarife regelmäßig zu prüfen.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass es sich für Kunden lohnt, nach etwa einem Jahr erneut Tarife zu vergleichen und offen für einen Anbieterwechsel zu bleiben. Für einen Vierpersonenhaushalt kann das ein Sparpotenzial von bis zu rund 500 Euro pro Jahr bedeuten. Angesichts unserer Ergebnisse kann man Haushalten nur empfehlen, nach Preisanpassungsschreiben Tarife aktiv zu vergleichen.“
Quelle:
Pressemitteilung der RWTH Aachen