Forschungsergebnisse

Kurzarbeit durch Corona trifft alle Branchen

Dennis L.

Die durch Corona bedingte Kurzarbeit unterscheidet sich erheblich von der Kurzarbeit, wie man sie von vergangenen Krisen kannte. Demnach sind nicht nur wesentlich mehr Branchen betroffen, es sind auch erstmalig nahezu gleich viele Männer wie Frauen in Kurzarbeit.

Düsseldorf (Deutschland). Das gesetzliche Kurzarbeitergeld bewahrt Arbeitnehmer aus kleinen wie auch großen Unternehmen in schweren Wirtschaftskrisen vor der Entlassung und sichert ein Teil des Gehalts. Forscher der Hans-Böckler-Stiftung haben nun herausgefunden, dass sich die Kurzarbeit in der Corona-Pandemie deutlich von bisherigen Krisen unterscheidet.

Während in vorherigen Wirtschaftskrisen durchschnittlich 6,3 Prozent der Männer und 2,3 Prozent der Frauen in Kurzarbeit waren, lag die Quote im Sommer 2020 bei rund 13 Prozent bei beiden Geschlechtern. Die Forscher erklären dies damit, dass durch die Pandemie nicht nur ein Wirtschaftszweig, sondern die meisten Branchen betroffen waren, wie aus einer aktuellen Umfrage des ifo Instituts hervorgeht. Dies zeigt, wie wichtig das staatliche Kurzarbeitergeld ist, so das Ergebnis der neuen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Die Forscher haben für die aktuelle Untersuchung mehr als 6.000 Beschäftigte im Zeitraum von April bis Juni befragt. Dabei deckten die Forscher alle Merkmale wie Alter, Geschlecht, Bildung und Regionalität repräsentativ ab.

Kleine Unternehmen und das Gastgewerbe nutzten die Kurzarbeit am häufigsten

Wie die Forscher der Hans-Böckler-Stiftung schreiben, gaben im Juni 2020 13 Prozent der Befragten an, derzeit in Kurzarbeit zu sein. Schaut man hierbei auch auf die einzelnen Branchen, so war das Gastgewerbe mit Abstand am meisten vertreten. In dieser Branche befanden sich rund 45 Prozent aller Beschäftigten in Kurzarbeit. Platz zwei belegte mit rund 20 Prozent das verarbeitende Gewerbe, gefolgt von der Verkehrs- und Logistikbranche mit 17 Prozent.

Unterrepräsentiert war hingegen mit etwa fünf Prozent das Gesundheits- und Sozialwesen, das Baugewerbe mit rund vier Prozent sowie der öffentliche Dienst mit etwa drei Prozent. Wie die Forscher weiter analysierten, nahmen kleine Betriebe mit weniger als fünf Beschäftigten zu 17 Prozent das Kurzarbeitergeld in Anspruch. In größeren Betrieben mit mehr als 2.000 Beschäftigten hingegen nur elf Prozent.

Kurzarbeit für Weiterbildung nutzen

Nach Analyse der Forscher ist es „absolut vernünftig“, die Kurzarbeit zur Weiterbildung zu nutzen. Dies wurde bereits häufig in früheren Krisen praktiziert, insbesondere wenn diese länger andauerten. So stellten die Forscher fest, dass zum Befragungszeitraum (Juni 2020) der Anteil von Kurzarbeitern, die währenddessen an Weiterbildungen teilnahmen, rund zehn Prozent betrug. Dies ist allerdings deutlich geringer als der Anteil, der zwar an Weiterbildungen teilnahem, aber nicht in Kurzarbeit war (18 Prozent). Über die Gründe dafür können die Forscher nur spekulieren. So könnten zeitweilige Betriebsschließungen aber auch die geforderten Hygienemaßnahmen eine Rolle dabei spielen. Doch trotz der angehaltenen Pandemie sehen die Forscher „noch Potenzial für eine Ausweitung der Weiterbildungsaktivitäten“.

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