E-Commerce und Co.

Großes Optimierungspotenzial bei Internetseiten deutscher Unternehmen

Robert Klatt

Das Internet wird für die deutsche Wirtschaft immer wichtiger. Viele Webseiten besitzen trotzdem noch immer ein großes Optimierungspotenzial.

Ulm (Deutschland). Im Jahr 2019 wurden in Deutschland laut dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) 72,6 Milliarden Euro Umsatz im Onlinehandel erzielt. Im Anbetracht von Covid-19 rechnen Experten für 2020 mit einer weiteren Steigerung des Umsatzes, der erstmals die Schallmauer von 100 Milliarden Euro durchbrechen könnte. Hinzu kommen Geschäfte, die über die Internetseiten deutscher Unternehmen entstanden sind aber nicht dem Onlinehandel zuzuordnen sind. Es wird somit deutlich, dass das Internet für die Gesamtwirtschaft einen immer höheren Stellenwert einnimmt. Trotzdem verschenken viele Unternehmen laut Experten der SEO Agentur Ulm aufgrund einer schlechten Onlinepräsenz noch immer Umsatzpotenziale.

Ein ähnliches Ergebnis liefert auch die mIndex SEO-Studie 2020, die die SEO-Potenziale von 3.513 Unternehmenswebseiten aus 15 Branchen und 16 Bundesländern untersucht hat. Neben der Suchmaschinenoptimierung (SEO) im Speziellen wurde auch das Online-Marketing im Allgemeinen durch die Studienautoren analysiert. Um eine Vergleichbarkeit sicherzustellen und eventuelle Entwicklungen aufzuzeigen, haben die Wissenschaftler dieselben Internetseiten bereits 2017 und 2018 untersucht. Neben der Startseite wurden pro Projekt außerdem vier bis acht zufällig ausgewählte Unterseiten analysiert.

mIndex in sechs Teilbereichen

Beurteilt wurden die Webseiten anhand des mIndex, der einen Wert von 1 (volle Punktzahl) bis 0 (keine Punktzahl) einnimmt. Im Mittel erreichten die Unternehmenswebseiten einen mIndex von 0,47, also weniger als die Hälfte der möglichen Punkte. Analysiert wurden dabei die folgenden sechs Faktoren:

SISTRIX-Sichtbarkeitsindex – Der SISTRIX-Sichtbarkeitsindex ist eine Kennzahl für die Sichtbarkeit einer Webseite in den Google-Suchergebnissen. 70 Prozent der analysierten Unternehmenswebseiten lagen in diesem Punkt bei 0,0, erhalten also praktisch keine Besucher von Google. Im Bereich bis 0,1 liegen 89 Prozent der analysierten Webseiten. Es erhalten also nur 11 Prozent aller Unternehmenswebseiten in Deutschland eine relevante Anzahl von Besuchern über Google.

Crawlability – Die Crawlability umfasst Einstellungen der Webseiten, die beeinflussen ob Suchmaschinen wie Google die Ergebnisse lesen und indexieren können. Erreicht wurden hier im Mittel lediglich 34 Prozent der Punkte. Viele Unternehmenswebseiten besitzen also bereits bei grundlegenden Ranking-Faktoren, die die Platzierung in den Suchergebnissen massiv beeinflussen starke Mängel auf.

Technik – Unter dem Sammelbegriff Technik sind in der Studie Faktoren wie die Ladezeit, die Mobiloptimierung und die Responsivität zusammengefasst. Erreicht wurden auch hier lediglich 34 Prozent, was besonders unter Gesichtspunkten wie Mobile First-Indexierung und der zunehmenden Nutzung von Tablets und Smartphones ein Wert ist, der dringend verbessert werden sollte.

Content – Neben den Inhalten der Webseite umfasst der mIndex im Bereich Content auch Aspekte wie Meta-Angaben und Title. Obwohl es sich hierbei um Optimierungsmaßnahmen handelt, die auch Laien innerhalb weniger Minuten umsetzen können und die als erster Kontaktpunkt zum Kunden einen großen Einfluss haben, gab es auch in diesem Bereich deutliche Mängel.

Offpage – Unter Offpage bewertet der mIndex externe Links, die auf Unternehmenswebseiten verweisen. Im Vergleich zu den Vorjahren gibt es hier im Mittel einen deutlichen Zuwachs relevanter Links, die das Ranking einer Webseite bei Google noch immer massiv beeinflussen. Anzumerken ist hierbei, dass eine Vergleichbarkeit aufgrund der Datenbasis noch hundertprozentig gegeben ist, weil SISTRIX im Mai 2019 die Logik seiner Link-Toolbox umgestellt hat.

Social Media – Die Nutzung und Einbindung von Social Media ist im Jahr 2020 stark gestiegen. Facebook verlinken 50 Prozent aller Unternehmen von ihrer Startseite, bei Twitter sind es 44 Prozent. Dieser Faktor beeinflusst zwar nicht unmittelbar das Ranking, kann aber zur Kundenbindung beitragen und regelmäßig Besucher auf die Webseite bringen.

Viele Potenziale noch immer ungenutzt

Obwohl im Vergleich zum Jahr 2018 der mIndex im Durchschnitt um 0,04 gestiegen ist, zeigt auch die aktuelle Studie, dass ein Großteil aller KMU-Webseiten ihr Potenzial kaum nutzt. Gestiegene Investitionen in diesem Bereich und die häufigere Betreuung von Internetseiten durch professionelle SEO-Agenturen werden laut den Studienautoren aber langfristig dafür sorgen, dass viele Webseiten technisch und inhaltlich ein hohes Niveau erreichten. Unternehmen, die jetzt für einen ansprechende Webauftritt sorgen, können sich laut Experten wie Daniel Neubauer bereits jetzt einen entscheidenden Vorteil auf dem schon bald zweifelsohne härter umkämpften Onlinemarkt herausarbeiten und sich somit Vorteile gegenüber der später handelnden Konkurrenz schaffen.

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