Künstliche Intelligenz (KI)

Globale Migration hat sich seit 2000 nahezu verdreifacht

 Robert Klatt

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Die globale Migration hat seit 1990 stark zugenommen. Eine neue KI-Analyse zeigt nun detailliert, von wo die Migranten stammen und wohin sie sich bewegt haben. Die Daten sollen der Politik dabei helfen, neue Krisen früher zu erkennen und besser auf Trends zu reagieren.

London (England). In den Sozialwissenschaften spricht man seit mehreren Jahren von einer sogenannten „Superdiversität“, die vor allem durch unterschiedliche Migrationsströme gekennzeichnet ist. Die Vereinten Nationen (UN) erfassen die Migrationsbewegungen alle fünf Jahre. Die Zahlen liefern somit nur eine Momentaufnahme. Sie können die Effekte von einzelnen großen Migrationstreibern, etwa Kriege, Umweltkatastrophen und Hungersnöte, aber nicht vollumfänglich wiedergeben.

Forscher der London School of Economics and Political Science (LSE) und der University of Hong Kong (HKU) haben deshalb mit einer Künstlichen Intelligenz (KI) erstmals die globalen Migrationsbewegungen im Zeitraum von 1990 bis 2023 im Detail untersucht.

„Da frühere Schätzmethoden auf groben Fünfjahres-Momentaufnahmen beruhten, lieferten sie nur sehr wenige Datenpunkte und vermittelten den Eindruck, dass die Rate der globalen Migrationsströme stabil sei.“

Die Analyse zeigt, dass sich die Migration von 13 Millionen Menschen im Jahr 2000 auf 35 Millionen Menschen im Jahr 2023 nahezu verdreifacht hat. Wie die Daten zeigen, liegt die Zunahme der Migration somit deutlich über dem Wachstum der Weltbevölkerung und es besteht ein reales pro-Kopf-Wachstum der Mobilität.

„Unsere jährlichen Daten liefern ein klareres Bild und zeigen, dass diese Rate seit 2000 tatsächlich gestiegen ist. Dieser Aufwärtstrend scheint eher durch langfristige demografische Verschiebungen und wirtschaftliche Entwicklung als durch plötzliche, isolierte Krisen getrieben zu sein.“

Regionale Unterschiede in der Migration

Die globale Analyse zeigt, dass es starke regionale Unterschiede in der Migration gibt. Die größte Migrationsbewegung findet aus Südasien und den Philippinen in den Nahen Osten statt. Allein aus Bangladesch nach Saudi-Arabien sind ab 2010 rund 300.000 Menschen pro migriert. Laut der KI-Analyse sind seit 2010 insgesamt 19 Millionen Menschen aus Indien, Pakistan und Bangladesch nach Saudi-Arabien, Katar, Bahrain und in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gewandert.

In Europa hatte die intraregionale Migration, also die Migration innerhalb einer Region, den höchsten Anteil an der Gesamtmigration im untersuchten Zeitraum. Lediglich in den frühen 1990er-Jahren, während es in Ruanda einen großen Bürgerkrieg gab, hatte die Migration aus Subsahara-Afrika einen höheren Anteil.

Statistiken, Volkszählungsdaten und andere Quellen

Wie die Forscher erklären, liefert ihre Studie deutlich präzisere Daten als frühere Erhebungen, weil die KI offizielle Statistiken und Volkszählungsdaten mit geografischen und wirtschaftlichen Faktoren verknüpft hat. Die Ergebnisse schließen somit eine seit Langem bestehende Forschungslücke.

„Unsere Schätzungen wurden durch die Kombination klassischer Strömungsmodellierung mit Deep Learning gewonnen, wobei eine breite Palette von Daten für die Modelleingabe und das Training genutzt wurde. Ich denke, der Umfang und die Breite dieses Datensatzes zeigen wirklich das Potenzial dieser Art von Hybridmodellierung in den Computerwissenschaften.“

Laut den Wissenschaftlern sind die genauen Migrationsdaten von hoher Bedeutung, weil sie nicht nur die absolute Zahl der Migranten zeigen, sondern auch, von wo und wohin sich diese bewegt haben. Die Informationen können der Politik dabei helfen, neue Trends frühzeitig zu erkennen und besser auf neue Krisen zu reagieren. 

Quellen:

Pressemitteilung der London School of Economics and Political Science (LSE)

Pressemitteilung des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA)

Interaktive Karte der Migration der University of Hong Kong (HKU)

Studie im Fachmagazin Nature, doi: 10.1038/s41586-026-10611-7

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