Robert Klatt
Das Willkommensgefühl von Geflüchteten in Deutschland nimmt kontinuierlich ab. Obwohl die Personen zunehmend Ausländerfeindlichkeit empfinden, möchte sich ein Großteil von ihnen einbürgern.
Berlin (Deutschland). Deutschland ist innerhalb der Europäischen Union (EU) eines der Hauptzielländer von Geflüchteten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin) untersucht seitdem regelmäßig, ob sich die Menschen in ihrer neuen Heimat willkommen fühlen, indem es einer repräsentativen Stichprobe die Frage „Fühlen Sie sich heute in Deutschland willkommen?“ stellt.
An der Umfrage nehmen Geflüchtete teil, die von 2013 bis einschließlich September 2022 einen Antrag auf vorübergehenden Schutz oder Asyl gestellt haben, unabhängig davon, wie dieser Antrag beantwortet wurde. Geflüchtete aus der Türkei und der Ukraine wurden nicht berücksichtigt.
Laut der Analyse fühlen sich Geflüchtete zunehmend weniger willkommen. Der Anteil der Personen, die die Frage mit Ja beantwortet, war demnach 2017 (84 %) am höchsten, war 2020 niedriger (78 %) und hat nun einen neuen Tiefststand erreicht (65 %).
Die Umfrage hat zudem die wahrgenommene Diskriminierung untersucht und zeigt, dass vor allem der Bildungsstand und das Geschlecht darauf einen großen Einfluss haben. Am häufigsten werden demnach männliche Geflüchtete diskriminiert, die in Ostdeutschland leben. Zudem zeigt die Studie, dass eine Korrelation zwischen den öffentlichen Diskussionen über eine strengere Migrationspolitik, der Diskriminierung von Geflüchteten und dem empfundenen Willkommensgefühl besteht.
„Zudem zeigte sich 2023 wie heute ein hohes Niveau gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und eine verstärkte Sichtbarkeit migrationskritischer Positionen im politischen Diskurs.“
Das DIW untersucht seit 2016 außerdem, wie Geflüchtete Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass in Deutschland empfinden, indem sie die Frage stellen: „Machen Sie sich Sorgen um Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass in Deutschland?“. Die Antworten zeigen, dass Geflüchtete das gesellschaftliche Klima zunehmend als problematisch empfinden. 2017 haben deutlich weniger Menschen die Frage bejaht (29 %) als aktuell (54 %). Obwohl die Stimmung unter Geflüchteten sich zunehmend negativ entwickelt, möchte ein Großteil sich noch immer einbürgern lassen oder hat dies bereits getan (98 %).