Etikettenschwindel

Echter Pelz wird oft als Kunstpelz verkauft

D. Lenz

Pelz gilt unter den Wohlhabenden als exklusiver Luxus. Dabei denken nur die wenigsten Kunden an das Leid, welches die Tiere dafür ertragen müssen. Immer mehr Menschen verzichten bewusst auf echten Pelz und kaufen dafür Mode mit Kunstpelz. Stiftung Warentest hat jetzt jedoch enthüllt, dass viele Kunstpelze bzw. Kunstfelle doch von Tieren stammen.

Berlin (Deutschland). Immer mehr Menschen sind sich bewusst, dass Tiere für Mode mit echtem Pelz leiden und sterben müssen. Aus diesem Grund kaufen die meisten ganz bewusst Mode mit Kunstfell. Doch wie jetzt Loboranalysen zeigen, sind viele künstliche Felle doch aus tierischen Erzeugnissen – ohne dass diese entsprechend gekennzeichnet wurden – wie es eine EU-Verordnung vorschreibt.

Demnach müssen in der Europäischen Union Produkte mit echtem Fell mit dem Hinweis „Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ gekennzeichnet sein.

Fast alle Stichproben bestanden aus tierischen Erzeugnissen

Stiftung Warentest hat Stichprobenkäufe in 20 Geschäften, darunter bekannte Modeketten, Kaufhäuser sowie kleine Boutiquen mit Edel- und Billigmarken getätigt. Gekauft wurden Jacken und Mützen mit vermeintlichen Kunstpelz, der den Testern aber verdächtig echt aussah. Diese wurden anschließen im Labor untersucht. Das Ergebnis: Alle gekauften Produkte, in der Preisklasse zwischen 6 und 90 Euro) waren mit echten Pelz bestückt.

Echter Pelz ist günstiger als Kunstpelz

Der Grund für den Etikettenschwindel ist in erster Linie die Profitgier der produzierenden Unternehmen. „Das Fell des Marderhundes aus chinesischen Farmen ist oft billiger oder zumindest genauso billig wie Kunstfell. Daher wird oft Echtfell verwendet, ohne dass der Käufer darüber aufgeklärt wird“, erklärt Lea Schmitz, Biologin beim Deutschen Tierschutzbund.

Aber auch Nachlässigkeit spielt eine Rolle. Oftmals legen Hersteller keinen großen Wert auf die Kontrolle ihrer Lieferanten. „Findet schon während der Pelzgewinnung und -verarbeitung keine korrekte Kennzeichnung statt, kann ein unkritischer Hersteller oder Händler getäuscht werden und an Ware gelangen, die nicht das ist, wofür er sie hält.“

So erkennen Sie echten Pelz und Kunstpelz

Es gibt drei ganz einfache Tests, mit denen jeder schnell erkennen kann, ob es sich um echten oder um künstlichen Pelz handelt:

  • Vorsichtiges Pusten
    Echtes Fell besitzt eine feine und dichte Unterwolle. Diese bewegt sich schon bei der kleinsten Brise. Kunstpelz ist dagegen wesentlich steifer.
  • Brennprobe
    Künstliches Haar schmilzt, bildet kleine Klümpchen und riecht nach Plastik. Echter Pelz hingegen zerfällt und riecht nach echtem Haar.
  • Lederprobe
    Ziehen sie das Fell auseinander. Bei echtem Pelz kommt Leder zum Vorschein, bei Kunstfell hingegen nur das Gewebe, in das die Haare geknüpft wurden.

Aber nicht nur immer mehr Kunden verzichten ganz bewusst auf echten Pelz, auch immer mehr Unternehmen haben sich dem sogenannten Fur-Free-Retailer-Programm angeschlossen. Damit verpflichten sich die Unternehmen, auf echten Pelz zu verzichten. Dazu zählen beispielsweise Otto, H&M, C&A, Galeria Kaufhof, Zalando, Esprit und Tchibo. Eine vollständige Liste der Unternehmen finden Sie unter furfreeretailer.com.

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