Robert Klatt
In Deutschland werden ausländische Tatverdächtige, vor allem aus muslimisch geprägten Ländern, bei Berichten über Gewaltkriminalität überrepräsentiert. TV- und Printmedien berichten also deutlich öfter über Gewalttaten von Ausländern, als ihr Anteil in der Statistik des Bundeskriminalamts (BKA).
Berlin (Deutschland). In Deutschland lag der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen 2024 laut dem Bundeskriminalamt (BKA) bei rund einem Drittel. Laut einer Studie des Mediendienstes Integration werden Ausländer von Print- und Fernsehmedien bei Berichten über Gewaltkriminalität jedoch deutlich öfter genannt, sind also überrepräsentiert.
Als Datenbasis haben die Forscher um den Journalismusprofessor Thomas Hestermann Medienberichte über Gewaltkriminalität in deutschen TV- und Printmedien aus einem vierwöchigen Zeitraum analysiert, darunter 168 TV-Beiträge aus 272 Sendungen der Sender ARD, ZDF, RTL, Sat.1, ProSieben, Kabel Eins, Vox, RTL Zwei mit 146 Tatverdächtigen sowie 330 Artikel aus 116 Zeitungsausgaben der Bild, Süddeutsche Zeitung, FAZ, Welt, taz mit 263 Tatverdächtigen. Eine ausländische Herkunft wurde nur erfasst, wenn sie ausdrücklich genannt oder durch einen entsprechenden Status wie Asylsuchende oder Bürgerkriegsflüchtling erkennbar war.
Laut den analysierten TV-Berichten wird die Herkunft der Tatverdächtigen in etwa einem Viertel genannt (25,4 %). Bei einem Großteil der Berichte werden ausländische Tatverdächtige genannt (94,6 %), obwohl ihr Anteil an Gewaltdelikten laut der polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts (BKA) deutlich geringer ist (34,3 %). Es handelt sich dabei um die stärkste Überrepräsentation seit dem Beginn der Langzeitanalyse im Jahr 2024.
In den Printberichten der reichweitenstarken überregionalen Tageszeitungen wird die Herkunft der Tatverdächtigen in einem Drittel genannt. Ein Großteil der benannten Tatverdächtigen hat ebenfalls eine ausländische Herkunft (90,8 %).
Die untersuchten TV- und Zeitungsberichte zeigen zudem, dass die Medien bei Tatverdächtigen, deren Herkunft genannt wird, zusätzlich oft erwähnen, dass diese aus einem muslimischen Land kommen. Dies ist sowohl bei Printmedien (70,1 %) als auch bei Fernsehberichten (70,3 %) nahezu gleich oft der Fall. In der Kriminalstatistik haben Menschen aus diesen Ländern hingegen einen deutlich geringeren Anteil (15,8 %). Sie werden in den Medien also mehr als vierfach überrepräsentiert.
Quellen:
Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts (BKA)
Pressemitteilung des Mediendienstes Integration