Höhere Polarisierung

Covid-19 und Co. - Epidemien reduzieren das Vertrauen in die Politik

 Robert Klatt

Covid-19 hat politische Polarisierung verstärkt )kcotS ebodATRA&SWEN(Foto: © 

Epidemien wie Covid-19, Ebola und die Schweinegrippe reduzieren das Vertrauen in die Politik deutlich und führen innerhalb der Bevölkerung zu einer stärkeren Polarisierung. Die Politik sollte deshalb Maßnahmen nutzen, die sowohl die Ausbreitung der Infektionskrankheiten als auch die politische Polarisierung verhindern.

Konstanz (Deutschland). In Deutschland und den meisten anderen Ländern hat die Covid-19-Pandemie zu deutlichen gesellschaftlichen und politischen Spannungen geführt, etwa als über eine Impfpflicht diskutiert wurde. Die Schwarze Pest in der frühen Neuzeit und die Spanische Grippe nach dem Ersten Weltkrieg hatten ähnliche Auswirkungen. Forscher der Universität Konstanz haben deshalb untersucht, wie sich Epidemien und Pandemien auf das Vertrauen in die Politik auswirken.

Laut ihrer Publikation im Fachmagazin PNAS haben sich die Wissenschaftler auf zoonotische Krankheiten in mehreren afrikanischen Ländern konzentriert, also auf Epidemien, die von Tieren auf den Menschen übergegangen sind, etwa Lassa, H1N1 (Schweinegrippe) und Ebola. Die politischen Effekte der Epidemien wurden mithilfe von Daten der GZOD-Geodatenbank (Geolocated Zoonotic Disease Outbreak Dataset) und den Afrobarometerumfragen bewertet. Die Afrobarometerumfragen zeigen unter anderem die soziale und politische Position von Einwohnern mehrerer afrikanischer Staaten, darunter das Vertrauen in die Regierung und Politik.

Infektionskrankheiten verschärfen die politische Polarisierung

Um zu untersuchen, ob die politische Position der Menschen durch den Ausbruch der Infektionskrankheiten beeinflusst wurde, haben die Forscher Angaben von Personen aus betroffenen Gebieten mit Angaben aus nicht betroffenen Gebieten verglichen. Sie konnten so ermitteln, dass Menschen in Epidemieregionen ein deutlich geringeres Vertrauen in die Politik, vor allem in den Präsidenten und die Regierungspartei und in die Polizei haben.

Außerdem haben die Forscher untersucht, ob Epidemien in Nachbarländern, die im eigenen Land nicht ausbrechen, Einflüsse auf das politische Vertrauen im Heimatland haben. Der Effekt reicht demnach nicht über die Grenzen hinaus und hat keinen Einfluss.

„Unsere Ergebnisse liefern solide empirische Belege dafür, dass Ausbrüche von lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten die politische Polarisierung verschärfen und die politische Stabilität untergraben können.“

Laut den Forschern ist das sinkende Vertrauen auf unterschiedliche Gründe zurückzuführen, darunter ein schlechtes Management der Infektionskrankheiten durch die Regierung, die Durchsetzung von Schutzmaßnahmen, darunter die Maskenpflicht während der Covid-19-Pandemie, und unzureichende Informationen der Bevölkerung. Die Ergebnisse zeigen somit, dass Politiker eine Kombination aus Maßnahmen nutzen sollten, die Infektionskrankheiten eindämmen und das politische Vertrauen erhalten.

„Die Regierungen sollten vertrauensbildende Strategien in ihre Notfallpläne gegen Epidemien integrieren und sicherstellen, dass ihre Entscheidungen transparent und die Kommunikation klar und nachvollziehbar ist.“

Die Forscher empfehlen zudem, dass die Politik während einer Epidemie stets die öffentliche Stimmung beobachten sollte, um Lösungen zu entwickeln, die wirksam die Ausbreitung der Infektion verhindern und das Vertrauen in die Politik und die Demokratie nicht beschädigen.

„Während einer Gesundheitskrise sollten die politischen Entscheidungsträger rasch mit Vertrauenspersonen der Bürgerinnen und Bürger zusammenarbeiten, um die Legitimität der staatlichen Strukturen zu stärken.“

PNAS, doi: 10.1073/pnas.2506093122

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