Traditionelle Heilmethoden

WHO öffnet Zentrum für Alternativmedizin in Indien

Robert Klatt

Auf den Punkt gebracht
  • Ein Großteil der Weltbevölkerung nutzt traditionelle Heilmethoden
  • Die Alternativmedizin ist wissenschaftlich jedoch kaum untersucht 
  • Ein neues Forschungszentraum der WHO in Indien soll dies ändern

Die seit Jahrhunderte entwickelten Heilverfahren der traditionellen Medizin sind wissenschaftlich kaum untersucht. Ein Zentrum für Alternativmedizin der WHO in Indien soll dies ändern.

Jamnagar (Indien). Die Methoden der Alternativmedizin werden weltweit von vielen Menschen genutzt. Trotzdem hat die Wissenschaft bisher kaum untersucht, ob diese oft traditionellen Behandlungen wirklich funktionieren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat deshalb in Indien in der Stadt Jamnagar kürzlich ein Zentrum für Alternativmedizin eröffnet. Gewählt wurde der Standort, weil in Indien Alternativmedizin einen hohen Stellenwert hat und weil das Land sogar ein eigenes Ministerium für Ayurveda, Yoga, Naturheilkunde, Unani und Siddha besitzt.

„Indiens traditionelles Medizinsystem ist nicht nur eine Behandlung. Es ist holistische Wissenschaft des Lebens“, erklärte der Indiens Premierminister Narendra Modi bei der Eröffnung. Laut Angaben der WHO hat sich Indien mit 230 Millionen Euro an der Finanzierung des Forschungszentrums beteiligt.

Erforschung der traditionellen Medizin

„Das Zentrum soll ein Motor der Innovation sein, um eine Agenda für Belege, Daten und Nachhaltigkeit in der traditionellen Medizin voranzubringen“, erklärte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Das Ziel des neuen Forschungszentrums ist es, Anwender traditioneller Medizin global miteinander zu verbinden und Standards in der Erforschung zu schaffen.

Traditionelle Heilmittel in der modernen Wissenschaft

Die moderne Wissenschaft nutzt schon jetzt Teile der traditionellen Medizin. Laut Daten der WHO basierten etwa 40 Prozent der zugelassenen Medikamente auf natürlichen Substanzen. Beispiele dafür sind Aspirin, das auf einer alten Rezeptur aus Weidenbaumrinde basiert und Artemisinin gegen Malaria, das auf der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) beruht.

Wie Georg Rüschemeyer von Cochrane, einem Netzwerk, das wissenschaftliche Grundlagen für Entscheidungen im Gesundheitswesen schafft, erklärt, ist es daher sinnvoll, die über Jahrhunderte entwickelten Heilverfahren genauer zu untersuchen und auf ihre Plausibilität zu prüfen.

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