Ein aktueller Report der DAK-Gesundheit rückt eine überraschende Kluft in den Mittelpunkt. Frauen berichten in Deutschland fast doppelt so oft von Beschwerden durch Hitze wie Männer. Während 40 Prozent der Frauen über Müdigkeit, Kreislaufbeschwerden und Schlafprobleme klagen, sind es bei Männern nur 21 Prozent. Insgesamt hat inzwischen fast jeder Dritte mit den Folgen hoher Temperaturen zu kämpfen. Fachleute sehen darin ein Warnsignal für einen besseren Hitzeschutz in Deutschland.
Hohe Temperaturen belasten den menschlichen Organismus, weil der Körper seine Kerntemperatur nur in einem sehr engen Bereich um 37 Grad Celsius stabil halten kann. Steigt die Wärmelast, weiten sich die Blutgefäße in der Haut, das Herz schlägt schneller und Schweiß verdunstet, um überschüssige Energie abzugeben. Diese Kühlmechanismen stoßen jedoch an ihre Grenzen, wenn die Luft sehr heiß ist, die Luftfeuchtigkeit hoch bleibt oder Innenräume über Stunden nicht abkühlen. Besonders kritisch wird eine Hitzewelle, wenn die Temperaturen auch nachts kaum sinken, weil der Kreislauf dann keine echte Erholungsphase erhält. Aus zunächst harmlos wirkender Erschöpfung können so Kreislaufbeschwerden, Konzentrationsstörungen und im Extremfall ein Hitzschlag entstehen. Damit ist Hitze längst nicht nur eine Frage des Komforts, sondern ein wachsendes Thema der öffentlichen Gesundheit.
In Deutschland hat sich die Zahl der heißen Tage seit den 1950er-Jahren deutlich erhöht, und lange Hitzeperioden treten häufiger auf. Damit steigt auch die Zahl der Menschen, die körperliche Folgen spüren. Der Hitzereport der DAK-Gesundheit erhebt regelmäßig, wie stark sich die Bevölkerung durch hohe Temperaturen beeinträchtigt fühlt und wie sich die subjektive Belastung über die Jahre verändert. Solche Befragungen sind ein wichtiges Frühwarnsystem, weil sie Belastungen sichtbar machen, bevor sie in Kliniken oder Sterbestatistiken auftauchen. Sie ergänzen medizinische Studien, die zeigen, dass der Mensch Hitze oft schlechter verträgt als angenommen und dass bereits moderate Werte gefährlich werden können. Gerade der Blick auf einzelne Bevölkerungsgruppen liefert Hinweise darauf, wo Schutzmaßnahmen ansetzen müssen und welche Personen ein erhöhtes Risiko tragen.
Der markanteste Befund des Reports ist die deutliche Diskrepanz zwischen den Geschlechtern. Mit 40 Prozent sind Frauen fast doppelt so oft von hitzebedingten Beschwerden betroffen wie Männer mit 21 Prozent. Für diesen Unterschied gibt es mehrere physiologische Erklärungsansätze, die in der Forschung diskutiert werden. Der weibliche Körper besitzt im Durchschnitt eine andere Zusammensetzung aus Muskel- und Fettgewebe, was die Wärmeabgabe beeinflussen kann. Zudem setzt bei Frauen das Schwitzen als kühlender Mechanismus tendenziell später und in geringerem Umfang ein, wodurch die Wärmeregulation bei extremer Belastung weniger effizient ausfallen kann. Auch hormonelle Schwankungen wirken sich auf die Temperaturregulation und das Kreislaufsystem aus. Dass Frauen sich zugleich häufiger Sorgen vor Extremwetter machen, zeigt, wie stark sich die Belastung auch auf das Wohlbefinden auswirkt. Dass der Mensch Wärme oft nur begrenzt kompensieren kann, verdeutlicht auch die Beobachtung, dass Menschen Hitze deutlich schlechter ertragen als lange gedacht, was die Bedeutung solcher Unterschiede zusätzlich unterstreicht.
Insgesamt berichten 30 Prozent der Befragten von Gesundheitsproblemen durch hohe Temperaturen, ein Anstieg um zehn Prozentpunkte innerhalb von drei Jahren. Am häufigsten treten Abgeschlagenheit, Schlafprobleme, Kreislaufbeschwerden und Kopfschmerzen auf. Besonders betroffen ist die Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen mit 35 Prozent sowie Menschen in Großstädten mit 38 Prozent, wo sich Beton und Asphalt tagsüber stark aufheizen. Für die repräsentative Erhebung befragte das Institut Forsa im Auftrag der Krankenkasse zwischen dem 22. Juni und dem 1. Juli 2026 insgesamt 1.519 Bundesbürger ab 18 Jahren. Die Zahlen und Einordnungen finden sich im veröffentlichten Hitzereport der DAK-Gesundheit, der die Entwicklung seit 2022 dokumentiert. Wichtig ist dabei, dass die Angaben auf der subjektiven Selbsteinschätzung der Teilnehmer beruhen und nicht auf klinischen Diagnosen.
Auffällig ist die deutliche Kritik an der Politik. Rund drei Viertel der Befragten halten die bisherigen Hitzeschutzmaßnahmen für nicht ausreichend, bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 82 Prozent. Parallel wachsen die Sorgen: 40 Prozent der Menschen machen sich große und mehr als jeder Fünfte sogar sehr große Sorgen vor weiteren Hitzewellen. DAK-Vorstandschef Andreas Storm leitet daraus einen klaren Handlungsauftrag ab und fordert, dass Bund, Länder und Kommunen ihre Hitzeschutzpläne konsequent ausbauen, insbesondere für ältere Menschen, chronisch Kranke und Kinder. Die zugehörige Mitteilung der DAK-Gesundheit ordnet die Befunde in den größeren Kontext des Klimawandels ein. Diese Kritik trifft auf ein Umfeld, in dem der Klimawandel bereits messbar zu mehr hitzebedingten Belastungen führt und Prognosen für Europa einen weiteren Anstieg erwarten lassen.
Neben dem Blick auf Einzelpersonen bewerten die Befragten auch, welche gesellschaftlichen Bereiche unter Hitze leiden. An der Spitze stehen Berufe mit schwerer körperlicher Arbeit wie Handwerk, Bau und Produktion, die 89 Prozent als besonders belastet einstufen. Es folgen die Pflege in Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie die medizinische Versorgung in Krankenhäusern. Fast die Hälfte sieht zudem Schulen und Kindertagesstätten als gefährdet an, ein spürbarer Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Diese Einschätzungen decken sich mit medizinischen Beobachtungen, wonach kühle Rückzugsräume die Belastung senken. So belegt eine Untersuchung zum medizinischen Nutzen von Klimaanlagen bei Hitze, wie stark aufgeheizte Innenräume das Risiko erhöhen können. Damit rücken bauliche Anpassungen, Verschattung und kühle öffentliche Orte als praktische Bausteine eines wirksamen Hitzeschutzes in den Vordergrund.
Der Report zeigt zugleich, dass Aufklärung allein nicht ausreicht. Zwar fühlen sich 94 Prozent der Befragten gut informiert und wissen nach eigener Aussage, wie sie sich schützen können, dennoch klagt rund ein Drittel über konkrete Beschwerden. Fünf Prozent suchten wegen hitzebedingter Probleme sogar einen Arzt auf. Für die Einordnung bleibt entscheidend, dass die subjektiv empfundene Belastung nicht identisch mit der tatsächlichen medizinischen Gefährdung ist, aber ein wertvoller Indikator für den Handlungsdruck. Vor dem Hintergrund, dass der Klimawandel laut Prognosen zu einem weiteren Anstieg hitzebedingter Belastungen führt und in Europa Millionen zusätzliche Hitzetote möglich sind, gewinnt die Debatte an Dringlichkeit. Wie dramatisch die Entwicklung ausfallen kann, verdeutlichen Szenarien, nach denen der Klimawandel Millionen zusätzliche Hitzetote in Europa verursachen könnte. Der aktuelle Befund zur Geschlechterlücke liefert damit einen konkreten Ansatzpunkt für zielgerichtete Schutzkonzepte.