Schweißstau

Warum Hitzepickel nicht durch die Sonne entstehen

 Dennis Lenz

Warum Hitzepickel nicht durch die Sonne entstehen
(Symbolbild). Hitzepickel treten bei feuchtwarmem Klima oft schlagartig auf und verschwinden meist ebenso schnell wieder. Hinter dem juckenden Hautausschlag steckt jedoch kein Sonnenbrand, sondern ein blockierter Abfluss des Schweißes unter der Hautoberfläche. Dermatologen unterscheiden mehrere Formen, die sich in der Tiefe der Verstopfung und im Beschwerdebild deutlich unterscheiden. (Foto: © Forschung und Wissen)

Kleine rote oder klare Bläschen, die bei feuchtwarmem Wetter plötzlich am Rumpf, an den Armen oder in Hautfalten erscheinen, werden im Volksmund gern der prallen Sonne zugeschrieben. Tatsächlich hat der als Hitzepickel bekannte Ausschlag mit direkter Sonneneinstrahlung wenig zu tun. Verantwortlich ist ein mechanisches Problem tief in der Haut, bei dem der Schweiß nicht mehr ungehindert an die Oberfläche gelangt. Warum ausgerechnet Wärme und Schwitzen diesen Rückstau auslösen und weshalb manche Menschen deutlich häufiger betroffen sind, lässt sich dermatologisch präzise erklären.

Hitzepickel werden medizinisch als Miliaria bezeichnet, ein Begriff, der sich vom lateinischen milium für Hirsekorn ableitet und die typische Größe der einzelnen Bläschen von etwa einem Millimeter beschreibt. Der Ausschlag zählt zu den häufigsten hitzebedingten Hautreaktionen und tritt besonders in tropischem Klima, bei körperlicher Anstrengung oder unter dicht anliegender Kleidung auf. Anders als Sonnenbrand, der durch ultraviolette Strahlung entsteht, ist Miliaria eine Folge der gestörten Wärmeregulation über die Schweißdrüsen. Der menschliche Körper besitzt mehrere Millionen ekkriner Schweißdrüsen, deren Aufgabe es ist, durch verdunstenden Schweiß Wärme abzugeben. Bei starker Hitze steigt die Schweißproduktion stark an, was die feinen Ausführungsgänge in der Oberhaut zusätzlich belastet und für den charakteristischen Ausschlag anfällig macht.

Damit Schweiß seine kühlende Wirkung entfalten kann, muss er durch einen langen, spiralförmigen Kanal von der Drüse bis an die Hautoberfläche gelangen. Genau dieser Weg entscheidet darüber, ob ein Hitzepickel entsteht. Wird der Schweißdrüsenausführungsgang an irgendeiner Stelle blockiert, staut sich die Flüssigkeit im Gewebe und bildet die sichtbaren Bläschen. Die Blockade hat dabei meist zwei Komponenten: einen Pfropf aus abgeschilferten Hornzellen und einen klebrigen Biofilm bestimmter Hautbakterien. Dieser Zusammenhang erklärt, warum der Ausschlag nicht mit einer bloßen Reinigung der Haut verschwindet, sondern vom Zusammenspiel aus Feuchtigkeit, Wärme und der natürlichen Hautbesiedlung abhängt.

Wie ein Schweißstau die Bläschen bildet

Die Ursache liegt in einer mechanischen Verlegung des Schweißdrüsenausführungsgangs. Sammelt sich bei anhaltendem Schwitzen zu viel Flüssigkeit im Kanal und kann dieser nicht schnell genug abfließen, weicht das umliegende Gewebe auf und der Gang wird zusätzlich durch abgestorbene Hautzellen verschlossen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Bakterium Staphylococcus epidermidis, das zur normalen Hautflora gehört und einen zähen Biofilm bildet, der den Pfropf verstärkt. Je nach Tiefe des Verschlusses entstehen unterschiedliche Erscheinungsbilder. Sitzt die Blockade ganz oberflächlich in der Hornschicht, bilden sich klare, leicht platzende Bläschen ohne Entzündung. Liegt der Verschluss tiefer in der Oberhaut, tritt Schweiß ins umliegende Gewebe aus und ruft die geröteten, juckenden Papeln hervor, die viele Betroffene als besonders unangenehm empfinden. Der Schweißstau ist damit kein Zeichen mangelnder Hygiene, sondern eine physiologische Reaktion auf Überlastung des Kühlsystems.

Warum die Formen der Miliaria sich unterscheiden

Dermatologen teilen Hitzepickel nach der Höhe des Verschlusses in mehrere Formen ein. Die Miliaria cristallina entsteht durch eine Blockade in der obersten Hornschicht und zeigt sich als feine, wasserklare Bläschen, die meist innerhalb weniger Stunden von selbst abheilen. Die deutlich häufigere Miliaria rubra betrifft tiefere Abschnitte der Oberhaut, verursacht rote Papeln, Juckreiz und ein stechendes Brennen, das dem englischen Begriff prickly heat seinen Namen gab. Eine dritte, seltene Form reicht bis in die Lederhaut und kann größere, schmerzhafte Knötchen bilden. Betroffen sind vor allem Säuglinge, deren Schweißdrüsen noch nicht vollständig ausgereift sind, sowie Erwachsene bei fieberhaften Infekten, im Krankenbett oder nach schweißtreibendem Sport. Auch das dauerhafte Tragen dicht anliegender Masken wurde mit dem Auftreten von Miliaria im Gesicht in Verbindung gebracht, weil sich darunter ein feuchtwarmes Kleinklima bildet. Interessante Einblicke in die menschliche Haut liefert auch die Forschung, in der Schweißdrüsen als wichtige Quelle regenerativer Zellen beschrieben werden.

Was gegen den juckenden Hautausschlag hilft

In den allermeisten Fällen ist Miliaria harmlos und bildet sich von selbst zurück, sobald die auslösende Wärme wegfällt. Entscheidend ist, die betroffenen Hautbereiche kühl und trocken zu halten, den Schweiß mit lauwarmem Wasser abzuspülen und atmungsaktive Kleidung aus Baumwolle oder Leinen zu tragen. Enge, luftundurchlässige Stoffe verstärken den Schweißstau und sollten gemieden werden. Bei stärkerem Juckreiz können kühlende Umschläge, entzündungshemmende oder juckreizlindernde Präparate Linderung verschaffen, wie sie auch bei anderem entzündungsbedingten Hautausschlag erforscht werden. Wichtig ist, die Bläschen nicht aufzukratzen, da über verletzte Stellen Bakterien eindringen und Entzündungen auslösen können. Klingt der Ausschlag nicht ab oder bilden sich Eiterpusteln, ist ärztlicher Rat sinnvoll, da dann eine bakterielle Zweitinfektion vorliegen kann. Weitere Zusammenhänge rund um die Schutzfunktion der menschlichen Haut zeigen, wie eng die Barrierefunktion mit dem Feuchtigkeitshaushalt verknüpft ist.

Pan African Medical Journal, Widespread miliaria crystallina about a case; doi:10.11604/pamj.2018.30.69.15383

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