Kognitive Leistung

Vermehrte Gedächtnisprobleme bei Covid-19-Genesenen

Robert Klatt

Covid-19-Genesene leiden auch Monate nach der Krankheit häufig unter einer verminderten kognitiven Leistungsfähigkeit.

New York (U.S.A.). Wissenschaftler der Icahn School of Medicine haben ermittelt, dass auch kognitive Störungen, die in der Medizin auch als Brain Fog bezeichnet werden, zu den Langzeitfolgen nach einem schweren Covid-19-Krankheitsverlauf gehören. Dazu untersuchte das Team um Jacqueline Becker laut der im Fachmagazin JAMA publizierten Studie 740 Covid-19-Genese im Alter von durchschnittlich 49 Jahren mithilfe neuropsychiatrischer Tests

Die Aufmerksamkeit der Probanden wurde im Mittel 7,6 Monate nach der Genesung mit dem „Number-Span-Forward“-Test, bei dem sich Menschen Zahlenreihen merken müssen, untersucht. Außerdem wurde die Funktion des Arbeitsgedächtnisses mit dem „Number-Span-Backward“- Test, bei Menschen Zahlen in umgekehrter Reihenfolge nennen müssen, überprüft.

Verarbeitungsgeschwindigkeit und exekutive Funktionen

Zusätzlich untersuchten die Wissenschaftler mit dem „Trail Making Test Part A and Part B“ die Verarbeitungsgeschwindigkeit und exekutive Funktionen der Probanden. Bei diesen Tests müssen Zahlen in aufsteigender Reihenfolge auf einem Blatt Papier mit Linien verbunden werden. Im zweiten Teil wird dies durch eine Mischung von Zahlen und Buchstaben erschwert.

Die kognitive Leistungsfähigkeit würde überdies anhand der phonematischen Wortflüssigkeit, bei der möglichst viele Wörter, die mit einem Buchstaben beginnen, genannt werden sollen sowie anhand der kategorialen Wortflüssigkeit, bei der möglichst viele Begriffe aus einem Bereich wie zum Beispiel Tierarten genannt werden sollen, untersucht. Abgeschlossen wurden die Testreihen durch den Hopkins Verbal Learning Test-Revised, der sowohl Gedächtnisbildung, den Speicherabruf als auch die Wiedererkennung beinhaltet.

Defizite in allen Bereichen

Im Mittel zeigten die Covid-19-Genesenen in allen Bereichen Defizite. Diese waren am häufigsten bei der Verarbeitungsgeschwindigkeit (18 %), den exekutiven Funktionen (16 %), der phonematischen Wortflüssigkeit (15 %), der kategorialen Wortflüssigkeit (20 %), der Gedächtnisbildung (24 %) und den Gedächtnisabrufen (23 %). In der Allgemeinbevölkerung treten kognitive Defizite bei weniger als zehn Prozent der Menschen auf.

Die Ergebnisse sprechen laut den Autoren deshalb dafür, dass es einen Zusammenhang zwischen Covid-19 und den geringeren kognitiven Leistungen gibt. Zusätzlich bekräftigt wird diese These dadurch, dass bei Menschen mit einem schweren Covid-19-Krankheitsverlauf, die im Krankenhaus behandelt wurden, die beobachtete Störungen häufiger vorkommen.

Gedächtnisprobleme nach Hospitalisierung

Es ist laut den Studienergebnissen somit zumindest nach einer Hospitalisierung bei Covid-19-Genesenen häufiger mit „Brain Fog“ zu rechnen. Wie lange diese kognitiven Probleme bestehen, bleiben, können die Wissenschaftler anhand der vorhandenen Daten nicht abschätzen.

JAMA, doi: 10.1001/jamanetworkopen.2021.30645

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