Neuer Ansatz

Umprogrammierte Killerzellen sollen Krebs bekämpfen

D. Lenz

Japanische Forscher setzen in der Krebsforschung auf umprogrammierte Killerzellen, die gezielt die spezifischen Krebszellen im Körper angreifen, bekämpfen und abtöten. Jedoch könnten die Killerzellen auch einen ungewollten Nebeneffekt haben.

Yokohama (Japan). Obwohl seit Jahrzehnten an der Behandlung und Heilung von Krebs geforscht wird, ist die weit verbreitete Krankheit immer noch nicht zu 100 Prozent heilbar. Statt auf Chemotherapie oder Medikamente, setzen japanische Forscher bei ihrer Forschung auf umprogrammierte Killerzellen, welche den Krebs gezielt bekämpfen und abtöten.

Der Forscher Hiroshi Kawamoto und seine Kollegen vom Riken Research Center in Yokohama programmierten weiße Blutkörperchen um. Dazu versetzten die Forscher die weißen Blutkörperchen zunächst in einer Art Embryonalzustand, zu sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen), und veränderten diese dann zu neuen Killerzellen. Diese besonderen Killerzellen kann der Körper nicht selbst produzieren, wie die Forscher in dem Fachmagazin Cell – Stem Cell berichten. Jedoch müssen bis zum routinierten medizinischen Einsatz der neuen Krebstherapie noch einige Hürden überwunden werden, so die Forscher.

Normale Killerzellen (T-Lymphozyten) sind Bestandteil des menschlichen Immunsystems. Ihre Aufgabe besteht darin, fremde Organismen oder beschädigte Zellen abzutöten. Da Killerzellen selbst beschädigte Killerzellen erkennen können, stehen diese schon seit Jahren im Fokus der Krebsforschung. Bisher behinderte jedoch die geringe Anzahl natürlicher Killerzellen und deren kurze Lebensdauer eine erfolgreiche Krebsbehandlung. Die künstlich erzeugten Killerzellen der japanischen Forscher geben neue Hoffnung, denn die Forscher haben die Lebensdauer der Zellen enorm erhöht.

Die Forscher nutzten für ihre Studie Killerzellen, die eine bestimmte Art von Hautkrebszellen erkennen können. Die T-Lymphozyten wurden anschließen im Labor zunächst in iPS-Zellen zurückprogrammiert und dann zu den neuartigen Killerzellen programmiert. Die neuen Killerzellen besitzen die selben Eigenschaften wie die natürlichen Killerzellen, nur mit einer erheblich längeren Lebenszeit.

Die Forscher hoffen, dass sich mit den veränderten Zellen Krebs effektiv bekämpfen lässt. Im nächsten Schritt soll wird aber erst überprüft, ob die Killerzellen weiterhin die Krebszellen im menschlichen Körper aufspüren und abtöten können und ob die veränderten Zellen keine Auswirkungen auf andere gesunde Zellen haben. "Sollte das der Fall sein, könnten die Zellen zur Krebstherapie direkt in die Patienten injiziert werden", berichtet Kawamoto. Für das Verfahren der Zellrückprogrammierung hatte Shinya Yamanaka von der japanischen Universität Kyoto im Jahr 2012 den Medizin-Nobelpreis erhalten.

Auch wenn die Herstellung von iPS-Zellen heute schon ein etabliertes Verfahren ist, so ist dies immer noch sehr zeitaufwändig. Eine andere aktuelle Studie untersucht derzeit, ob die iPS-Zellen im Körper nicht zu Veränderungen des Erbmaterials führen. Sollte die Studie zeigen, dass iPS-Zellen die DNA verändern, könnten die neuen Killerzellen den Krebs fördern, statt ihn zu bekämpfen. Erst wenn dies ausgeschlossen ist, können die neuen Killerzellen zur Krebstherapie eingesetzt werden.

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