Fortasyn Connect

Trinkjoghurt mit Nährstofflösung hilft gegen Alzheimer

Robert Klatt

Der Trinkjoghurt Fortasyn Connect erhält bei Alzheimer-Patienten im Frühstadium das Hirnvolumen und die Alltagsfähigkeiten. Verhindern kann der Joghurt die Entstehung der neurodegenerativen Erkrankung aber nicht.

Kuopio (Finnland). Weltweit leiden etwa 47 Millionen Menschen an Alzheimer und verwandten Formen der Demenz. In Deutschland sind es laut Daten der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. (PDF) 1,6 Millionen Menschen. Medikamentöse Therapien und andere Behandlungsmethoden verliefen bisher überwiegend ohne Erfolg. In den letzten Jahren fand die Wissenschaft aber Indizien dafür, dass bestimmte Nährstoffe und Spurenelemente zumindest das weitere Fortschreiten der Krankheit im Frühstadium verlangsamen können. Kürzlich zeigten außerdem Tierversuche mit Mäusen, dass der in Ginseng enthaltene Naturstoff Rhizolutin Alzheimer-Plaques auflösen kann.

Helfen soll in Zukunft eine Nährstofflösung, die das Forschungskonsortium LipiDiDiet um Hilkka Soininen von der Universität Ostfinnland bereits 2017 in einer zweijährigen Studie getestet hat. Dabei konnten das Hirnvolumen und die allgemeinen Fähigkeiten der Probanden im Vergleich zur Kontrollgruppe leicht verbessert werden. Finanziert wurde die Studie aus Geldern der Europäischen Union (EU) und vom Lebensmittelkonzern Danone, dessen Tochterfirma den Trinkjoghurt Fortasyn Connect vertreibt. Einfluss auf das Studiendesign oder die Ergebnisse hatte Danone jedoch nicht.

Langzeitstudie mit Fortasyn Connect

Das Forschungsteam hat nun unter Leitung von Tobias Hartmann von der Universität des Saarlandes eine ergänzende Auswertung veröffentlicht. Laut Hartmann „offenbarten sich erst jetzt nach drei Jahren weitgehende Unterschiede zwischen den Studienteilnehmern und der Kontrollgruppe.“

In der Studie erhielten die Probanden täglich den Trinkjoghurt „Fortasyn Connect“, der mit verschiedenen Vitaminen, Omega-3-Fettsäuren Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) sowie Selen, Cholin und dem Zellbaustein Uridinmonophosphat angereichert ist. Die Kontrollgruppe erhielt einen Joghurt mit identischem Geschmack, Kaloriengehalt und Aussehen, ohne die zusätzlichen Nährstoffe. Als Doppelblindstudie wussten weder die Probanden noch die Ärzte, ob eine Person zur Kontroll- oder Versuchsgruppe gehörte.

Fortasyn Connect erhält Hirnvolumen und Alltagsfähigkeiten

Die Langzeitwirkung von Fortasyn Connect nach 36 Monaten ist laut der im Fachmagazin Alzheimer’s & Dementia veröffentlichten Studie groß. Wie Hartmann erklärt, „schrumpften die Gehirne der von Alzheimer betroffenen Menschen bei den Patienten mit dem Nährstoffcocktail um 20 Prozent weniger als bei der Vergleichsgruppe, der Veränderungsprozess im Gehirn konnte also deutlich verlangsamt werden.“ Außerdem ließ laut Hartmann „die Hirnleistung während der drei Jahre zwischen 40 und 70 Prozent weniger nach als bei den nicht behandelnden Probanden.“

Am deutlichsten zeigten sich diese positiven Auswirkungen bei Probanden, die Fortasyn Connect in einem sehr frühen Alzheimer-Stadium erhielten. Laut Hartmann „konnten die Forscher feststellen, dass die Wirkung im Laufe der Behandlungszeit zunahm und sich nicht nur in Bezug auf das Gedächtnis, sondern auch auf andere kognitive Bereiche ausweitete, je länger die Behandlung andauerte.“ Im Vergleich zur Kontrollgruppe konnten Alltagsaufgaben wie sich den Weg merken oder das Bezahlen von Rechnungen von diesen Patienten deutlich besser gemeistert werden.

Ergebnisse mit eingeschränkter Aussagekraft

Bisher sind die Studienergebnisse jedoch aufgrund der kleinen Datenbasis nur eingeschränkt aussagekräftig. Von den ehemals 311 Probanden konnte nur 81 Personen in die finale Datenauswertung einbezogen werden. Ein Teil der Probanden musste ausgeschlossen werden, weil ihre Erkrankung während des Studienzeitraums mit Medikamenten behandelt werden musste. Außerdem sind einige Studienteilnehmer verstorben oder haben im Verlauf einer weiteren Auswertung ihrer Gesundheitsdaten nicht zugestimmt.

Fortasyn Connect kann Demenz nicht verhindern

Die Wissenschaftler konstatieren trotz der kleinen Datenbasis, dass „Fortasyn Connect positive Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben kann, insbesondere bei früh einsetzender und langfristiger Anwendung.“ Dies gilt jedoch nur eingeschränkt. Laut Hartmann „gab es zwischen den Gruppen keinen Unterschied darin, wie häufig eine Demenz auftrat oder wie viel Zeit bis zur Diagnose verging, obwohl ein deutlicher Nutzer in Hinblick auf kognitive, funktionelle und strukturelle Aspekte beobachtet werden konnte.“ Fortasyn Connect verringert also nur die Symptome im Frühstadium, kann die Erkrankung aber nicht aufhalten.

Weitere Studien sollen nun zeigen, ob eine Modifizierung der Nährstoffzusammensetzung die Wirkung steigern kann. Außerdem wird untersucht, ob eine Kombination mit Medikamenten oder ein früherer Beginn der Behandlung die Wirkung verbessert.

Alzheimer’s & Dementia, doi: 10.1002/alz.12172

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